Immobiliarmiete

Immobiliarmiete

Als Immobiliarmiete wird die entgeltliche Überlassung von Wohnräumen, Geschäftsräumen oder Grundstücken bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Rechtsfamilien

Deutscher Rechtskreis

Das deutsche Recht betrachtet die Wohnungs- und Geschäftsraummiete als vertragliches Schuldverhältnis und regelt sie im 8. Abschnitt des 2. Buchs des Bürgerlichen Gesetzbuches; sie entfaltet nur schuldrechtliche, keine dingliche Wirkung. In Österreich ist die Miete zwar als dingliches Recht grundbuchfähig; die Wirkung der Eintragung erschöpft sich jedoch darin, dass ein neuer Eigentümer die Miete gegen sich gelten lassen muss. Im BGB folgen auf allgemeine Vorschriften, die auch die Mobiliarmiete erfassen, in den §§ 549 bis 577a besondere Vorschriften über die Wohnraummiete. Das deutsche Recht unterscheidet ferner zwischen bloßer Gebrauchsüberlassung, der Miete, und der zusätzlichen Erlaubnis der Fruchtziehung, der Pacht. Die Pacht unterliegt, wenn sie als Landpachtvertrag gestaltet ist, den Sonderregeln der §§ 585 ff. BGB.

Romanischer Rechtskreis

Das französische Recht fasst den contrat de bail in römisch-rechtlicher Tradition als Unterform des contrat de louage (die römische locatio-conductio) auf. Der contrat de louage erfasst die Überlassung von Sachen (louage de choses, locatio-conductio rei) und Diensten (louage d'ouvrage, locatio-conductio operarum). Weder zwischen Dienst- und Werkvertrag, noch zwischen Miete (bail à loyer) und Pacht (bail à ferme) wird einheitlich und exakt in den Art. 1714 ff. C.civ. unterschieden. Das Wohnraummietrecht ist weitestgehend durch Sonderrecht ersetzt (Gesetz Nr. 89-624 tendant à améliorer les rapports locatifs).

Skandinavischer Rechtskreis

Das Immobiliarmietrecht Schwedens (hyra) wird weitestgehend durch das 12. Kapitel des Bodengesetzbuches (jordabalk) von 1970 festgesetzt; es ist systematisch dem Sachenrecht zuzurechnen. Das schwedische Recht unterscheidet dabei zwischen hyra und arrende. Die grobe deutsche Übersetzung mit Miete bzw. Pacht gibt den sachlichen Unterschied zwischen beiden jedoch nur verzerrt wieder: Der Unterschied besteht nicht in der Art, sondern im Objekt der Überlassung; während die hyra die Überlassung eines Gebäudes oder Gebäudeteils bezeichnet, meint jord die Überlassung von Land.

Common Law

Nach anglo-amerikanischem Recht kann Wohnraum (dwelling) durch licence oder lease zum Gebrauch überlassen werden. Durch licence entsteht ein rein schuldrechtlich wirkendes Verhältnis, der licensee hat keinen ausschließlichen Besitz. Sachenrechtlich ausgestaltet ist hingegen die lease. Das englische Recht hat aus historischen Gründen – alles Land gehört der Krone – nie ein dem kontinentaleuropäischen Recht vergleichbares Eigentum an Grund ausgebildet. Vielmehr werden die Herrschaftsrechte daran in freehold (zeitlich unbeschränkt, entspricht etwa dem Volleigentum) und leasehold (zeitlich beschränkt) eingeteilt. Die lease wird nach schuldrechtlichem Vertrag durch conveyance übertragen; die Vertragsparteien sind landlord (etwa ‚Vermieter‘) und tenant (etwa ‚Mieter‘).

Rechtsvergleichende Analyse

Überlassung von Geschäftsräumen

Mietzinsrecht

Das Entgelt, das der Mieter dem Vermieter als Gegenleistung für die Überlassung zu entrichten hat, heißt Mietzins. In allen großen Rechtsordnungen herrscht für Anfangsmiete Vertragsfreiheit: Die Parteien können die Miethöhe frei vereinbaren. Eine Besonderheit kennt die französische Rechtspraxis: Der Mieter muss zu Beginn der Mietverhältnisses dem Vermieter ein sogenanntes Eintrittsgeld, den pas de porte zahlen. Seine Rechtsnatur wie auch sein ratio sind umstritten: Er wurde damit verteidigt, dass sich der Mieter durch den pas de porte das hohe Niveau an Kündigungsschutz in Frankreich erst „erkaufen“ müsse.[1]

Literatur

  • Peter Trenk-Hinterberger: Internationales Wohnungsmietrecht. N.G. Elwert Verlag, Marburg 1977 (Darstellung des deutschen Kollisionsrecht mit rechtsvergleichenden Einführungen).
  • Sebastian Wolff: Kündigungsschutz und Mietzins im Gewerbemietrecht Europas. dissertation.de, Berlin 2001 (Zugl. Diss. Berlin 2001. Rechtsvergleichende Darstellung des Gewerberaummietrecht in Europa).

Einzelnachweise

  1. Sebastian Wolff: Kündigungsschutz und Mietzins im Gewerbemietrecht Europas. dissertation.de, Berlin 2001, S. 193–204.

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • McDonald’s — Corporation Rechtsform Corporation[1] ISIN US580 …   Deutsch Wikipedia

  • Mietvertrag — Mietvertrag, entsprechend Mietrecht, bezeichnet: allgemein Gebrauch gegen Entgelt von Immobilien, siehe Immobiliarmiete Gebrauch gegen Entgelt bei beweglichen Sachen, siehe Mobiliarmiete Mietvertrag (Deutschland) Mietvertrag (Österreich)… …   Deutsch Wikipedia

  • Pachtvertrag — bezeichnet: Pachtvertrag (Deutschland) Pachtvertrag (Österreich) Pachtvertrag (Schweiz) Siehe auch: Immobiliarmiete Diese Seite ist eine …   Deutsch Wikipedia

  • Mobiliarmiete — Als Mobiliar oder Fahrnismiete wird die entgeltliche Überlassung von beweglichen Sachen bezeichnet. Inhaltsverzeichnis 1 Rechtsfamilien 1.1 Deutscher Rechtskreis 1.2 Romanischer Rechtskreis 1.3 Common La …   Deutsch Wikipedia

  • Landlord and tenant law — bezeichnet: Landlord and tenant law (England und Wales) Landlord and tenant law (Vereinigte Staaten) Siehe auch Immobiliarmiete Diese Seite ist eine Begriffsklärung zur Unt …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”