Israelische Atomwaffen

Israelische Atomwaffen

Israelische Atomwaffen gelten als Teil der militärischen Bewaffnung Israels. Israel wird zu den Atommächten gerechnet.

Israel ist bis heute nicht Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrags, in Kraft getreten 1970, der auch vom Iran bereits 1968 ratifiziert wurde. Der Vorsitzendende der Israelischen Atomenergie-Kommission, Ernst David Bergmann, empfahl schon 1952 den Bau von Atombomben.[1] Auf der Grundlage eines Geheimabkommens zwischen Schimon Peres und Guy Mollet 1957 unterstützte Frankreich den Bau eines Forschungsreaktors im Negev Nuclear Research Center südöstlich von Dimona in der Negev-Wüste.[2]

Im Jahre 1975, wie 2010 durch eine Veröffentlichung von Sasha Polakow-Suransky bekannt wurde, bot Shimon Peres Südafrika Nuklearsprengköpfe in drei Größen an.[3] Der Vela-Zwischenfall in Südafrika am 22. September 1979 wurde von einigen Wissenschaftlern als südafrikanisch-israelischer Nukleartest gewertet, von anderen als solcher bestritten. Im Jahre 1985 machte der israelische Nukleartechniker Mordechai Vanunu öffentlich, dass Israel Nuklearwaffen besitze. Er wurde 1986 aus Rom verschleppt und bis 2004, davon mehrere Jahre in Isolationshaft, inhaftiert. Ehud Olmert deutete bei seinem Besuch in Deutschland in einem Interview am 11. Dezember 2006 mit Sat-1 an, dass Israel über Atomwaffen verfüge. [4][1]

Die Federation of American Scientists nennt Schätzungen für die Zahl der israelischen Atomsprengköpfe für Mittelstreckenraketen, die in der Regel von 100 bis 250 reichen.[5] Die US Army schätzten die Zahl im Jahre 1999 sogar auf 500.[6] Die Schätzungen beruhen auf Berechnungen, wie viel Material die Reaktoren jährlich produzieren können.

Als Trägerrakete gilt die Jericho 2, entwickelt auf Basis der Shavit. Die Reichweite beträgt etwa 5.000 km bei etwa 1.000 kg Nutzlast.[7] Von der Jericho-Basis in Sedot Mikha südlich von Tel Aviv aus können sämtliche Länder erreicht werden, mit denen sich Israel jemals im Krieg befunden hat.[8] Raketen des Typs Jericho 3 mit 5.000 bis 7.500 km Reichweite könnten nach Auffassung des russischen PIR-Centers 2010 einsatzbereit sein.[9] Die Ausstattung der israelischen Marine mit in Deutschland gebauten U-Booten der Dolphin-Klasse seit 1999 erlaubt auch eine nukleare Zweitschlag-Kapazität.[10]

Literatur

  • Seymour Hersh: Atommacht Israel. Das geheime Vernichtungspotential im Nahen Osten. Droemer Knaur, 2000 (Samson Option: Israel, America and the Bomb, 1991)
  • Sasha Polakow-Suransky: The Unspoken Alliance: Israel's Secret Relationship with Apartheid South Africa.

Einzelnachweise

  1. a b Olmert versucht politischen Sprengsatz zu entschärfen. Spiegel Online. 11. Dezember 2006.
  2. Das Phantom von Dimona. Spiegel Online. 26. Januar 2004.
  3. Chris McGreal: Revealed: how Israel offered to sell South Africa nuclear weapons. The Guardian. 24. Mai 2010.
  4. Empörung über Olmerts Atomwaffen-Geständnis. Spiegel Online. 12. Dezember 2006.
  5. Nuclear Weapons. Federation of American Scientists. 8. Januar 2007.
  6. Warner D. Farr: The Third Temple's Holy Of Holies: Israel's Nuclear Weapons. September 1999 .
  7. Harold Hough: Could Israel's nuclear assets survive a pre-emptive strike? Jane's Information Group., 1. September 1997, archiviert vom Original am 4. Juni 2007, abgerufen am 6. Januar 2011.
  8. Haiko Lietz: Richtet den Blick auf Israels Atomwaffen. Telepolis. 22. April 2004.
  9. Vladimir Z. Dvorkin: Letter of August 2002. MISSILE ARMS STATUS & DEVELOPMENT PROSPECTS IN THE THIRD WORLD COUNTRIES FOR THE PERIOD UP TO 2015. 2. August 2002, archiviert vom Original am 25. Oktober 2007, abgerufen am 6. Januar 2011.
  10. Pierre Heumann: Heimliche Atommacht. Berliner Zeitung. 22. Dezember 2003.

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