Facial Action Coding System

Facial Action Coding System

Das 1978 zuerst publizierte Facial Action Coding System (FACS, engl. für ‚Gesichtsbewegungen-Kodierungssystem‘)[1] ist ein unter Psychologen weltweit verbreitetes Kodierungsverfahren zur Beschreibung von Gesichtsausdrücken [2].

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die erste Version des Systems wurde 1976 von Paul Ekman und Wallace Friesen entwickelt. Ihre wichtigste Grundlage war das Buch Man’s Face and Mimic [bzw. Facial] Language (Das menschliche Gesicht und seine mimische Sprache; Originaltitel: Människans ansikte och mimiska språket, 1969, Malmö: Studentlitteratur) des schwedischen Anatomen Carl-Herman Hjortsjö von der Universität Lund.

Anwendungsgebiete

Verschiedene Gefühlszustände und ihr physiognomischer Ausdrucksgehalt

Das Hauptanwendungsgebiet ist die Emotionspsychologie. Mit dessen Hilfe kann man beispielsweise ein echtes von einem gekünstelten Lächeln unterscheiden. FACS ist somit eine Technik zur Mimik- bzw. Emotionserkennung.

Das Unter-Kontrolle-Bringen der an einem Gesichtsausdruck beteiligten Muskeln benötigt eine – wenn auch kurze – Zeitspanne. Während dieser Zeitspanne ist das zugrundeliegende Gefühl in einem vollständigen Gesichtsausdruck korrekt dargestellt. Danach wird der Ausdruck durch den Gesichtsausdruck ersetzt, den die Person darstellen möchte. Dieser Ablauf wird auf deutsch als Mikromimik bezeichnet.[3]

Eine anerkannte FACS-Kodierung muss üblicherweise von zwei unabhängigen, zertifizierten Kodierern erfolgen. Teil der Zertifizierung ist die Fähigkeit, die Einzelelemente des Systems mit dem eigenen Gesicht produzieren zu können.

Zudem wird FACS immer häufiger als Basis für die Computeranimation von Gesichtsausdrücken eingesetzt, etwa in Filmen wie Beowulf, Benjamin Button oder Avatar.

Aufbau der FACS-Kodierung

Das FACS ordnet nahezu jeder sichtbaren Bewegung der mimischen Muskulatur eine „Bewegungseinheit“ (engl. Action Unit, AU) zu. Hierbei handelt es sich um Einheiten, die eine einzelne oder mehrere Muskelbewegungen zusammenfassen. Mit dieser Klassifikation ist es möglich, Gesichtsausdrücke schriftlich zu notieren – vergleichbar der Notation von verbalen Ausdrücken mit geschriebener Sprache.

Auswahl aus der Liste der Bewegungseinheiten (Action Units)

  • 01 Heben der Augenbrauen innen
  • 02 Heben der Augenbrauen außen
  • 04 Zusammenziehen der Augenbrauen
  • 05 Heben des oberen Augenlides
  • 06 Zusammenziehen des Ringmuskels um die Augen (es entstehen dabei meist Krähenfüßchen)
  • 07 Heben des unteren Augenlids
  • 09 Rümpfen der Nase
  • 10 Anheben der oberen Lippe durch den Musculus levator labii superioris
  • 12 Anheben der Mundwinkel wie beim Lächeln oder Lachen (siehe auch Lachmuskulatur)
  • 14 Anspannen der Mundwinkel Trompeter-Muskel
  • 15 Herabziehen der Mundwinkel
  • 17 Hinaufschieben des Kinns
  • 18 Kussmund
  • 24 Zusammenpressen der Lippen (Musculus orbicularis oris)
  • 26 Öffnen des Mundes durch Entspannung der Unterkiefermuskulatur
  • 27 weites Öffnen des Mundes
  • 28 Lippen zwischen die Zähne saugen
  • 43 Absenken des oberen Augenlides (43E = Augen geschlossen)
  • 45 Blinzeln (mit beiden Augen)
  • 46 Zwinkern (mit einem Auge)

[4] Weitere Action Units beschreiben die möglichen Kopf- und Augenbewegungen.

Kodierung der Ausprägungsstärke

Die Stärke einer Bewegung wird im FACS durch einen fünfstufigen Rangwert ausgedrückt. Für jede AU wird im Handbuch explizit eine Zuordnungsregel angegeben.

Meistens gilt:

  • Stärke A: an der Wahrnehmungsgrenze oder angedeutet
  • Stärke B: gut sichtbar
  • Stärke C: deutlich sichtbar
  • Stärke D: ausgeprägt
  • Stärke E: im physiologischen Höchstmaß (individuell)

Die Ausprägungsstärke ist nicht zu verwechseln mit der Ausdrucksstärke, da die Wirkung eines Ausdrucks nicht allein von der Stärke der Muskelbewegung abhängt.

EmFACS

Das EmFACS steht für Emotion FACS und enthält nur jene Bewegungseinheiten, die zur Kodierung von häufigen emotionalen Gesichtsausdrücken (Freude, Trauer, Wut, Angst, Ekel und Überraschung) nötig sind [5]. Das System wurde von Paul Ekman und W. V. Friesen in den 1980er Jahren an der University of California San Francisco entwickelt.

ChimpFACS

ChimpFACS ist eine Weiterentwicklung zur Analyse des Gesichtsausdrucks von Schimpansen. Es ermöglicht einen direkten strukturellen Vergleich der Gesichtsausdrücke von Schimpansen und Menschen. [6]

Literatur

  • Ute Eberle: Die Weltsprache der 43 Muskeln. Forscher entschlüsseln das Vokabular unserer Mimik. In: Bild der Wissenschaft. Januar 2004, S. 24–31.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Paul Ekman & Wallace V. Friesen, Facial Action Coding System: A Technique for the Measurement of Facial Movement, Consulting Psychologists Press, Palo Alto, Calif.
  2. http://www.face-and-emotion.com/dataface/facs/description.jsp
  3. Robert H. Frank: Die Strategie der Emotionen. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 1992, ISBN 3486558374, S. 110–111.
  4. Ekman, P., Friesen, W., Hager, J. (2002). Facial Action Coding System. The Manual on CD Rom. Salt Lake City: Network Information Research Corporation.
  5. http://www.face-and-emotion.com/dataface/emotion/expression.jsp (englisch)
  6. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2826116/?tool=pmcentrez Classifying Chimpanzee Facial Expressions Using Muscle Action(englisch)

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