Gathas

Gathas

Als Teil des Avestas, der heiligen Schrift des Zoroastrismus, der Lehre des iranischen Religionsstifters Zarathustra, bezeichnen die Gathas die fünf ältesten Hymnen des Werkes, welche als der Person Zarathustras entstammende Abschnitte gelten und als solche sich in sprachwissenschaftlicher und inhaltlicher Hinsicht von den anderen, jüngeren Teilen des Textes unterscheiden. Sie bilden zugleich einen Teil des Yasnas, des ersten Buches des Avestas.

Das Wort „Gatha“ bedeutet im Avestischen „Hymne“ oder „Gesang“ und lässt sich auf den Stamm „Gâ“ („dichten“, „singen“) zurückführen. In Pahlavi und im Neupersischen erscheint dieses Wort als „Gâh“, im Plural als „Gâhân“.

Das Wort „Gâh“ begegnet uns ebenso in der iranischen Musik, wo es als Nachsilbe in verschiedenen Termini Anwendung findet, so in den Dastgahs „Sehgâh“ und „Châhârgâh“.

Die Gathas bestehen insgesamt aus 17 Hymnen und bilden die Abschnitte 28-34, 43-46, 47-50, 51 und 53 des Yasnas. Sie werden in die folgenden fünf Abschnitte eingeteilt:

Ahunavaiti Gatha
Uštavaiti Gatha
Spentâ Mainyu Gatha
Vohu Xšathra Gatha
Vahišto Išti Gatha

Diese Einteilung der Gathas erfolgt nicht nach inhaltlichen Gesichtspunkten, sondern im Hinblick auf die Metrik und gemäß formalen Kriterien. Inhalte der verschiedenen Teile einer Gatha stehen teils nicht in einem gemeinsamen Kontext. Dies wird als Hinweis darauf gewertet, dass Zarathustra einem zunächst in Prosa gesprochenen Teil der Liturgie zwecks Verdichtung und Einprägung eine Hymne entsprechenden Inhaltes folgen ließ, was sich auch in der späteren persischen Literatur gut nachweisen lässt, so z. B. bei Saadi in „Golestan“ oder bei Dschami in „Baharestan“.

Inhaltlich sind die Gathas teils an den Schöpfer Ahura Mazda, teils jedoch auch an offensichtlich anwesende Zuhörer gerichtet. Die Gathas lassen eine deutliche zeitliche Komponente im Leben Zarathustras erkennen, in deren Rahmen seine innere, auf seinen Glauben und Entscheidungsprozesse im Verlauf seines Weges bezogene Entwicklung ebenso wie sein äußerer, biographischer Weg in Erscheinung treten.

In den Gathas formuliert Zarathustra wesentliche Vorstellungen über den Weg des Menschen im Universum und dessen Möglichkeiten, im Einklang mit der Wahrhaftigkeit und der rechten Ordnung („Asha“) zu leben und damit einen erfüllten Lebensweg zu beschreiten. Hier werden deutliche Konturen und Inhalte der alt-iranischen Philosophie Zarathustras sichtbar, welche teils in einem Gegensatz zu Entwicklungen der späteren zoroastrischen Texte, so z. B. des Vendidads des Avestas, gesehen werden.

Literatur

  • A Concise Pahlavi Dictionary. D. N. MacKenzie. Routledge Curzon, 2005.
  • An Intermediate Persian Dictionary. Six Volumes. M. Mo'in. Amir Kabir Publications, 1992.
  • The Heritage of Zarathushtra - New translation of his Gathas. Humbach/Ichaporia. Universitätsverlag C. Winter, 1994.
  • Avesta. Übersetzung des Textes. Jalil Doostkhah. Morvarid, 1996.
  • Encyclopedia Iranica. Herausgegeben von Ehsan Yarshater.
  • Encyclopaedia of Ancient Iran. Hashem-e Razi, Teheran, Sokhan, 2002.
  • Gatha - Die Lehre des Zarathustra. B. Varza. Books on Demand, 2008. ISBN 978-3-8370-8814-4. Auch [1].
  • Übersetzungen: J. Darmesteter, L. H. Mills, F. Wolff. Siehe [2].

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