Georg von Pisidien

Georg von Pisidien

Georg von Pisidien (Georgios Pisides * vor 600 [vielleicht um 580] in Antiochia in Pisidien; † kurz nach 635) war ein oströmischer Dichter und Beamter.

Georg war (laut einer späten Quelle) vielleicht Diakon in Konstantinopel und verfasste in altgriechischer Sprache mehrere dem oströmischen Kaiser Herakleios gewidmete Versdichtungen. Georg feiert Herakleios, den er wohl selbst auf seinen Feldzügen gegen das persische Sassanidenreich begleitet hatte, in panegyrischer Form, wobei jedoch etwa Georgs Expeditio Persica dennoch wertvolle Informationen zu Herakleios’ Perserkrieg beinhaltet. In dem Werk kommt auch gut die zeitgenössische Stimmung in der Hauptstadt im Zusammenhang mit dem Krieg gegen die Sassaniden zum Ausdruck, die man wohl mit „Kreuzzugsstimmung“ recht treffend bezeichnen kann. Das Werk wurde später auch von Theophanes und anderen Autoren benutzt.

Weitere Gedichte haben die Ankunft des Kaisers in Konstantinopel aus Africa (610) und die Rückkehr aus dem Osten (630) zum Thema, ein anderes seinen Awarenkrieg. Die Dichtungen Georgs waren für den öffentlichen Vortrag vorgesehen und sollten den Kaiser verherrlichen. Auch philologisch sind Georgs Gedichte (die teils nur fragmentarisch erhalten sind) nicht uninteressant, etwa hinsichtlich der Metrik. Dabei weist er trotz seiner Verbundenheit mit antiken Formen auch bereits auf die mittelbyzantinische Literatur voraus. Georg war auch sichtlich um die Nachahmung (Mimesis) der traditionellen antiken Dichtung bemüht. Gemeinsam mit dem Geschichtsschreiber Theophylaktos Simokates kann Georg als einer der letzten spätantiken Autoren gelten.

Textausgaben

  • Agostino Pertusi: Giorgio di Pisidia. Poemi. I. Panegirici epici (Studia patristica et Byzantina 7). Ettal 1959 (Edition mit italienischer Übersetzung und Kommentar).

Literatur

Siehe zum frühen 7. Jahrhundert allgemein auch die Literaturangaben im Artikel Herakleios.

  • James Howard-Johnston: Witnesses to a World Crisis. Historians and Histories of the Middle East in the Seventh Century. Oxford 2010, S. 16ff.
  • Irene Huber: Ansichten eines Zivilisierten über die unzivilisierte Welt: Das Sāsāniden-Bild des Georgios Pisides und sein historischer Wert für das spätantike Iran. In: Klio 90, 2008, S. 162–192.
  • Herbert Hunger: Georgios Nr. 6. In: Lexikon des Mittelalters. Bd. 4, Sp. 1287f. (Literatur)
  • Herbert Hunger: Die hochsprachliche profane Literatur der Byzantiner. Bd. 2 (von 2). Beck, München 1978, S. 112f.
  • John Martindale: The Prosopography of the Later Roman Empire. Bd. IIIa, Cambridge 1992, S. 523.
  • Mary Whitby: The Devil in Disguise: The End of George of Pisidia's Hexaemeron Reconsidered. In: Journal of Hellenic Studies 115, 1995, S. 115–129.

Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Нужно сделать НИР?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Georg — ist ein männlicher Vorname und ein Nachname. Zur weiblichen Form des Vornamens siehe Georgia, als Nachname ist zudem Georgi, Georgii, Georget oder Georgow gebräuchlich. In den Mundarten der Deutschschweiz, Bayerns und Teilen Österreichs wird… …   Deutsch Wikipedia

  • Antiochia in Pisidien — Ruinen von Antiochia. Antiochia in Pisidien (griechisch Antiocheia, Αντιόχεια τὴς Πισιδίας; lateinisch Antiochia ad Pisidiam) ist eine antike Stadt in Kleinasien in der heutigen Türkei. Sie ist eine von mehreren Städten, die von seleukidischen… …   Deutsch Wikipedia

  • Heiliger Georg — nennt man folgende Heilige namens Georg oder seiner Varianten:[1][2] Inhaltsverzeichnis 1 Ökumenisch 2 Katholisch 3 Orthodox …   Deutsch Wikipedia

  • Margareta von Antiochia — „Hl. Margarete mit einer Gruppe heiliger Jungfrauen“, Bartholomäus Zeitblom (um 1489–1497) im Ulmer Münster Margareta von Antiochia, in der orthodoxen Kirche Marina, (* in Pisidien; † um 305) war Jungfrau und Märtyrin an der Wende vom 3. zum 4. J …   Deutsch Wikipedia

  • Georgios Pisides — Georg von Pisidien (Georgios Pisides * vor 600 [vielleicht um 580] in Antiochia in Pisidien; † kurz nach 635) war ein oströmischer Dichter und Beamter. Georg war (laut einer späten Quelle) vielleicht Diakon in Konstantinopel und verfasste in… …   Deutsch Wikipedia

  • Heraclius — Solidus des Herakleios mit seinen Söhnen Konstantin III. und Heraklonas. Herakleios (griechisch Flavios Heraklios Φλάβιος Ἡράκλειος, lat. Flavius Heraclius; …   Deutsch Wikipedia

  • Heraklios — Solidus des Herakleios mit seinen Söhnen Konstantin III. und Heraklonas. Herakleios (griechisch Flavios Heraklios Φλάβιος Ἡράκλειος, lat. Flavius Heraclius; …   Deutsch Wikipedia

  • Herakleios — Solidus des Herakleios mit seinen Söhnen Konstantin III. und Heraklonas. Herakleios (lateinisch Flavius Heraclius; griechisch Φλάβιος Ἡράκλειος, Flavios Iraklios; * um 575; † 11. Februar 641) …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Biografien/Geo — Biografien: A B C D E F G H I J K L M N O P Q …   Deutsch Wikipedia

  • Persisch-römische Kriege — Über Jahrhunderte stellten das Römische bzw. Oströmische Reich und das neupersische Sassanidenreich die beiden vorherrschenden Staatengebilde im Mittelmeerraum und im Vorderen Orient dar. Obwohl es zwischen den beiden spätantiken Großmächten… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”