Gustavo Adolfo Bécquer

Gustavo Adolfo Bécquer
Gustavo Adolfo Bécquer.

Gustavo Adolfo Domínguez Bastida besser bekannt als Gustavo Adolfo Bécquer (* 17. Februar 1836 in Sevilla; † 22. Dezember 1870 in Madrid) ist einer der bekanntesten Autoren der spanischen Romantik.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Im Alter von 5 Jahren verliert Bécquer seinen Vater, José Domínguez Bécquer, einen in Sevilla sehr bekannten und angesehenen Maler, welcher bereits den Künstlernamen Bécquer (angeblich flämischen Ursprungs) verwendet hatte, unter dem der Sohn dann ebenfalls firmieren sollte. Keine fünf Jahre später hinterlässt auch seine Mutter Joaquina de la Bastida y Vargas acht Waisenkinder. Er wird von seiner Taufpatin aufgenommen, und bis 1854 lebt er in Sevilla.

Er entscheidet sich für ein Literaturstudium und versucht sein Glück in der Hauptstadt Madrid. Bereits in diesen Jahren veröffentlicht er Artikel in Lokalzeitungen und Zeitschriften. Trotzdem bleibt ein Erfolg aus. Um Geld zu verdienen, schreibt er für die „Dirección de Bienes Nacionales“, wird aber bald entlassen, als ihn sein Vorgesetzter beim Zeichnen einiger Szenen aus Shakespeares Werken erwischt. 1858 hält er sich wieder in Sevilla auf, wo er aufgrund von Tuberkulose oder Syphilis nicht seiner Arbeit nachgehen kann. In dieser Zeit festigt sich seine Beziehung zu seinem Bruder Valeriano, der Maler wie der Vater geworden war. 1861 heiratet Gustavo Adolfo; die Ehe, der zwei Kinder entstammen, wird jedoch unglücklich, und es kommt zur Trennung. Von 1864-1868 arbeitet Bécquer als Romanzensor, wobei er aber nachlässig vorgeht und daher Kritik einstecken muss. Mit erst 34 Jahren stirbt er in Madrid, wobei der Charakter seiner rätselhaften Krankheit bis heute nicht feststeht.

Werk

Obwohl Bécquer zu einer Zeit lebt, in der sich in Spanien der Realismus durchgesetzt hat, lassen sich seine Werke noch der Romantik zuordnen. Die meisten seiner Arbeiten wurden erst postum von Freunden veröffentlicht, und so war Bécquer Zeit seines Lebens nur wenig bekannt. Mit ihm erreicht die romantische Poesie in einer Zeit, in der sie im übrigen Europa schon passé war, ihren späten Höhepunkt. In seinen Gedichten, die von Heinrich Heine beeinflusst sind, wendet sich Bécquer zu einer reflektierten Gefühlssprache; er hat die Entwicklung der spanischen Lyrik der Moderne hin zu Juan Ramón Jiménez oder Antonio Machado überhaupt erst möglich gemacht.

Seine berühmtesten Werke sind "Reime" (Rimas) und "Legenden" (Leyendas). Häufig werden beide Teile in Sammelausgaben veröffentlicht.

Rimas

Von den schlicht Reime genannten Gedichten Bécquers, die ihn unsterblich gemacht haben, sind nur 15 zu seinen Lebzeiten erschienen, in verschiedenen Zeitungen wie El Contemporáneo, El Museo Universal und La Ilustración de Madrid. In den Unruhen der Septemberrevolution von 1868 ging das Manuskript verloren und musste vom Autor mit Hilfe von Freunden wieder rekonstruiert werden, doch auch dieses zweite Manuskript, genannt Libro de los gorriones (Buch der Sperlinge), ging verloren und wurde erst 1914 wieder gefunden. Heute wird es in der Nationalbibliothek von Madrid aufbewahrt. Erst postum gaben Freunde des Verstorbenen die beiden Bände Rimas y Leyendas heraus, vor allem um der Witwe aus wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu helfen. Die ursprünglichen Gedichte wurden mit der Zeit um weitere ergänzt; in der Ausgabe von Colección Austral umfassen sie 76.

Die Gedichte strahlen Einfachheit und Leichtigkeit aus und konzentrieren sich um die Liebesthematik, aber es sind „überarbeitete Gefühle“, Ideen über Gefühle. Das lyrische Ich sucht nach dem Absoluten und Unmöglichen, deshalb wird Bécquer auch „poeta del amor desesperado“ (Dichter der unmöglichen Liebe) genannt; die zugrunde liegende Grundstimmung ist durchwegs melancholisch. Entgegen dem Titel handelt es sich nicht um durchgehend gereimte Lyrik, sondern die Assonanz ersetzt zunehmend den Endreim. Die Sprache Bécquers ist frei von Rhetorik und Pathos, entgegen der sonst in der spanischen Romantik vorherrschenden Neigung zum Überschwänglichen, dies unterscheidet seine Lyrik etwa von derjenigen von José de Espronceda.

Leyendas

Die (je nach Ausgabe) 18 - 22 Prosalegenden strahlen eine spukhafte Atmosphäre aus und erinnern an E. T. A. Hoffmann; Bécquer erweist sich hier als vorzüglicher Novellist und als Vorläufer der phantastischen Literatur. Es handelt sich durchwegs um „unerhörte Begebenheiten“, oft mit Horroreffekten; Thema ist das Geheimnisvolle, Unerklärliche, der Autor legt ein psychologisches Interesse an Phänomenen des Wahnsinns, der Angst, der neurotischen Zwangsvorstellung an den Tag. Die Texte sind in poetischer Prosa geschrieben, in einem traumhaften Ambiente, in der Tradition der Schauerromantik. Oft sind sie auch in Rahmenerzählungen eingebettet.

Die Leyendas beinhalten folgende Legenden:

  • El caudillo de las manos rojas, 1858.
  • La vuelta del combate, 1858. (Fortsetzung: El caudillo de las manos rojas).
  • La cruz del diablo, 1860.
  • La ajorca de oro, 1861.
  • El monte de las ánimas, 1861.
  • Los ojos verdes, 1861.
  • Maese Pérez, el organista, 1861.
  • Creed en Dios, 1862.
  • El rayo de luna, 1862.
  • El Miserere, 1862.
  • Tres fechas, 1862.
  • El Cristo de la calavera, 1862.
  • El gnomo, 1863.
  • La cueva de la mora, 1863.
  • La promesa, 1863.
  • La corza blanca, 1863.
  • El beso, 1863.
  • La Rosa de Pasión, 1864.
  • La creación, 1861.
  • ¡Es raro!, 1861.
  • El aderezo de las esmeraldas, 1862.
  • La venta de los gatos, 1862.
  • Apólogo, 1863.
  • Un boceto del natural, 1863.
  • Un lance pesado.
  • Memorias de un pavo, 1865.
  • Las hojas secas.
  • Historia de una mariposa y una araña.
  • La voz del silencio, 1923, Freigegeben durch Fernando Iglesias Figueroa.
  • La fe salva, 1923, Freigegeben durch Fernando Iglesias Figueroa.
  • La mujer de piedra, Unvollendet.
  • Amores prohibidos.
  • El rey Alberto.

Deutsche Ausgaben

Band 8 aus der Galerie der Phantasten von Hanns Heinz Ewers, 1922. Illustriert von Paul Haase
  • Der Dichter, die Liebe, die Einsamkeit, der Tod: Gedichte; spanisch und deutsch = El poeta, el amor, la soledad, la muerte. Einführung und Übertragung von Peter Becker. 2., überarb. Auflage. Düsseldorf: Ahorn-Verlag, 2006. ISBN 978-3-00-018984-5, ISBN 3-00-018984-X
  • Das Teufelskreuz: unheimliche Legenden. [Aus dem Span. von Kristina Hering. Hrsg. von Rainer Schlesier] Leipzig: Dieterich, 1990 (Sammlung Dieterich; Bd. 411) ISBN 3-7350-0057-6
  • Die grünen Augen: Phantasiestücke. Aus dem Spanischen übersetzt von Fritz Vogelsang. Frankfurt/Main; Berlin; Wien: Ullstein, 1984 (Ullstein-Buch; Nr. 39086: Klett-Cotta im Ullstein-Taschenbuch). ISBN 3-548-39086-2

Literatur

  • Behrendt, Birgit: Spanien-Bilder bei Gustavo Adolfo Bécquer und Washington Irving: vergleichende Untersuchungen zu Motiven der Romantik. Frankfurt am Main; Berlin; Bern; Bruxelles; New York; Oxford; Wien: Peter Lang, 2003 (Studien und Dokumente zur Geschichte der romanischen Literaturen; Bd. 52) ISBN 3-631-51818-8
  • Breidenbach, Michael: Sevilla im Prosawerk von Gustavo Adolfo Bécquer. Köln; Wien: Böhlau, 1991 (Forum Ibero-Americanum; Bd. 5). ISBN 3-412-01391-9

Weblinks

 Commons: Gustavo Adolfo Bécquer – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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