Japanlack

Japanlack

Japanlack (oder Rhuslack), japanisch: Ki-urushi, wird aus dem Wundsaft des Lackbaumes (Rhus vernicifera, jap. Urushi No Ki) als dickflüsiges und graugelbes Produkt gewonnen. Diese natürliche und giftige Lackart ist die Grundlage für die traditionelle Chinesische und Japanische Lackkunst.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und Herkunft

Japanische Lackarbeiten sind aus dem 3. Jahrhundert bekannt. Der Höhepunkt dieser Kunst liegt im 17. Jahrhundert. Nach Europa kamen die ersten konkreten Nachrichten durch Kämpfer (1712)[1] und den Jesuitenpater Pierre Nicolas d'Incarville (1760)[2]. Die Lackarbeiten wurden Nuri-mono und Urushi-saiku genannt.

Der Lackbaum Rhus vernicifera DC. kommt in China, Japan und Indien wild vor. Zum Zwecke seiner Nutzung wurde er in Japan (Honshū) und China kultiviert. Zur Lackgewinnung werden die Stämme des Baumes horizontal angeritzt. Die Bäume müssen idealerweise wenigstens 9 Jahre alt sein. Zum Ritzen bedienen sich die Urushi-shôkunin (Lackzapfer) einer sehr scharfen Ritzsichel (Kaki-gama). Zum auskratzen wird ein löffelartiges Instrument (Natsu-bera) benutzt, mit sie den Rohlack in einen kleinen Eimer (Gô) oder ein kurzes Bambusrohr füllten. Die Hände schützen die Lackzapfer mit Fausthandschuhen (Te-bukuro).

Eigenschaften

Der Lack weist nach dem Eintrocknen eine große Härte, geringe Sprödigkeit und keine Schrumpfungsrisse auf. Seine große Beständigkeit gegen übliche Flüssigkeiten (Wasser, Alkohol, Ether, Säuren, Salzlösungen) begründen seine Wertschätzung. Der trockene Lack ist wasserfest, und wird von Säuren und Basen kaum angegriffen.Im frischen Zustand hat das Produkt eine helle graugelbliche Farbe. Beim Trocknen verändert sich der Farbton über Dunkelbraun zu Schwarz.
Chemischer Hauptbestandteil ist Urushiol. Es härtet bei Temperaturen ab 96 °C aus.

Vor der Verarbeitung durch den Lackierer muss der Lack gereinigt und umgearbeitet werden. Die Technik wird Urushi genannt. Für die Anwendung mischt man dem Lack verschiedene Substanzen bei und erzielt auf diese Weise verschiedene Farbtöne. Dazu dienten Ruß, Eisenverbindungen, Bleiweiß, Indigo, Zinnober, Auripigment, Gold und Silber.

Bei Hautkontakt entstehen Rötungen der betroffenen Partien und in der Folge Bläschen mit Flüssigkeit. In schwereren Fällen zeigen zahlreiche Körperteile Schwellungen mit starkem Juckreiz. Zusätzlich treten Vereiterungen auf. Diese Erscheinungen werden Lackkrankheit (Urushi-Kaburé) genannt. Deshalb werden Handschuhe getragen und im Falle eines direkten Hautkontaktes die betroffenen Stellen sofort und intensiv gereinigt.

Einzelnachweise

  1. E. Kämpfer:Amoenitatum exoticarum politico-physico medicarum fasciculi V. Lemgoviae 1712
  2. P. d'Incarville:Mémoire sure le Vernis de la Chine. in: Mém. de l'acad. roy. des sc. III., 1760 S. 117

Literatur

  • A. Tschirch: Die Harze und die Harzbehälter mit Einschluss der Milchsäfte. Leipzig 1906

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