Lage (Saiteninstrument)

Lage (Saiteninstrument)

Die Lage bezeichnet bei Streichinstrumenten die Stellung der linken Hand auf dem Griffbrett.

Inhaltsverzeichnis

Das Lagenspiel (Violine und Viola)

Auf der Violine und der Viola greift der erste Finger (Zeigefinger) in der 1. Lage in der Regel die große Sekunde über der ungegriffenen, „leeren“ Saite (z. B. den Ton E auf der D-Saite), der vierte Finger (kleiner Finger) die Quinte über der leeren Saite (z. B. A auf der D-Saite), d. h. den Grundton der jeweils nächsthöheren Saite; der Daumen liegt dabei etwa gegenüber dem ersten Finger. Bei gleicher Grundstellung der Hand kann der erste Finger auch statt der großen die kleine Sekunde über der leeren Saite greifen (z. B. Es auf der D-Saite), der vierte die übermäßige statt der reinen Quinte (z. B. Ais auf der Saite).

In die 2. Lage gelangt man durch Verschiebung der Hand um einen Halbton nach oben, in die 3. Lage um einen weiteren Ganzton usw. entsprechend der diatonischen Tonleiter. Die halbe Lage ergibt sich aus der 1. durch Verschiebung der ganzen Hand um einen Halbton nach unten (z.B. erster Finger auf der D-Saite auf Dis/Es, vierter Finger auf Gis/As).

Für das Spiel in wechselnden Lagen gibt es drei Gründe:

  • In höheren Lagen lassen sich höhere Töne spielen. So lassen sich auf der Violine Töne über h“ nur durch Lagenwechsel erreichen.
  • Gleiche Töne auf verschiedenen Saiten gespielt ergeben unterschiedliche Klangfarben; ein c“ auf der D-Saite in der 3. Lage gespielt klingt weicher als derselbe Ton in der 1. Lage auf der A-Saite. Töne einer zusammenhängenden Melodielinie sollten deshalb nach Möglichkeit auf einer Saite gespielt werden, was u. U. einen Lagenwechsel nötig macht.
  • Vor allem in schnelleren Tempi ist es einfacher, mehrere aufeinanderfolgende Töne auf derselben Saite zu greifen statt die Saite zu wechseln, wozu meist die Lage gewechselt werden muss.

Das Lagenspiel (Gitarre)

Bei der Gitarre wird die Lage in der Notation durch groß geschriebene römische Ziffern über dem Notensystem angegeben. Sie bezeichnet im allgemeinen die Position des ersten Fingers (bei Rechtshändergitarren der linke Zeigefinger) auf dem Griffbrett in Bezug auf den Bund.

Beispiel: Greift man auf einer normal gestimmten (EADGHE) Gitarre den Akkord G#(-Dur), so muss der Zeigefinger einen vollen Barrégriff über den vierten Bund durchführen. Wir sprechen also von einem Griff in der vierten Lage, etc.

Ist der erste Finger zum Spielzeitpunkt nicht in einen Griff / Ton / Akkord involviert, so bezeichnet die Lage den Bund, in dem der erste Finger liegen würde, wenn man ihn ohne Spreizgriff auflegen würde.

Geschichte

In ihrer Frühzeit wurde die Violine gegen die Brust, die Schulter oder das Schlüsselbein gehalten, ohne dass das Kinn eingesetzt wurde; diese Spielweisen sind bis heute in vielen Volksmusiken gebräuchlich. Da dabei die linke Hand in erster Linie notwendig war, um das Instrument zu halten, war ihre Beweglichkeit eingeschränkt, freies Lagenspiel kaum möglich. Lagenwechsel nach unten konnten nur durch „Kriechen“ mittels Daumen, Zeigefinger und Handgelenk ausgeführt werden. Ab der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde es deshalb üblich, das Instrument zwischen Kinn und Schlüsselbein mehr oder weniger fest zu halten, wobei das Kinn links oder rechts vom Saitenhalter auf der Decke aufgelegt wurde.

Die Violinliteratur seit dem Spätbarock sieht das Spiel bis etwa zur 12. Lage vor, in Einzelfällen auch darüber hinaus. Die Schilderung eines Zeitgenossen, dass Vivaldi beim Lagenspiel mit dem kleinen Finger „nur einen strohhalm breit an den steg“ kam, „daß der bogen keinen platz hatte“, ist aber sicher übertrieben.

1820 führte Louis Spohr einen Kinnhalter ein, der über dem Saitenhalter montiert wurde und die Fixierung des Instruments beim Lagenwechsel weiter verbesserte; heute wird er meist links vom Saitenhalter angebracht.

Literatur

Walter Kolneder: Das Buch der Violine. ISBN 3-254-00026-9


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