Line Dance

Line Dance

Line Dance ist eine Tanzform, bei der einzelne Tänzer unabhängig von der Geschlechtszugehörigkeit in Reihen und Linien vor- und nebeneinander tanzen. Die Tänze sind passend zu Musik choreografiert, die meist aus den Kategorien Country und Pop stammt.

Linedancer aus verschiedenen Gruppierungen in Neustadt/Spree beim 31. Neustadttreffen 2009

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die ursprüngliche Form des Tanzes ist - wie die Entwicklung des Volkstanzes in vielen Kulturen zeigt - der Gruppentanz. Der Paartanz ist eine spätere Form, die sich nicht in allen Völkern der Erde findet. Dabei gibt es häufig eigene Tanzformen für Männer und Frauen. Insofern ist der Line Dance die moderne Ausprägung des ursprünglichen Tanzes.

Der Line Dance entwickelte sich im Laufe des 20. Jahrhunderts hauptsächlich in den USA, teilweise aus dem Showtanz. In den europäischen Diskotheken wurde etwa ab den 1960er Jahren in der Öffentlichkeit zu Pop- und Rockmusik getanzt, und es entwickelte sich eine Tanzkultur neben dem traditionellen Paartanz.

In Deutschland ist Line Dance als Freizeitsport seit 2002 anerkannt. Im Rahmen des Deutschen Tanzsportabzeichens (DTSA) gibt es eine eigene Prüfung für Line Dance.

Musik und Tänze

Meist hat ein Autor eine Choreografie speziell für einen Musiktitel entwickelt, oft werden für die Schrittfolgen aber auch alternative Musiktitel angegeben. Die Fixierung von Choreografien erfolgt per Schrittbeschreibung (häufig auch engl. step sheet). Traditionell wird zu Country-Musik getanzt. Aktuelle Interpreten des Genres wie Shania Twain oder Keith Urban werden gerne aufgegriffen, häufig werden auch Choreografien zu aktuellen Popsongs oder Rock-’n’-Roll-Oldies verfasst.

Die Choreografien tragen Namen wie beispielsweise Bread and Butter, Electric Slide oder Just a Kiss. Während Anfänger mit einem Repertoire von 20 Tänzen zu fast jeder Musik einigermaßen passende Schrittfolgen finden, beherrschen Fortgeschrittene oft mehrere hundert Tänze.

Die einzelnen Tänze lassen sich nach ihrer Verwandtschaft zu anderen Tanzstilen in Gruppen kategorisieren. Es finden sich dabei Begriffe wie Walzer, Cha-Cha-Cha, Rumba, Polka und viele weitere Klassen und Bezeichnungen des Paartanzes wieder. Mittels der Oberbegriffe Rise & Fall, Smooth, Cuban und Lilt wird eine Zuordnung zu den jeweiligen Musikrichtungen und Rhythmen vorgenommen:

  • Rise & Fall: Langsamer Walzer, Wiener Walzer, Waltz
  • Smooth: Quick Step, Tango, Hustle, Texas Two Step, West Coast Swing
  • Cuban: Cha Cha, Mambo, Rumba, Merengue
  • Lilt: East Coast Swing/Jive, Polka, Samba, Irish etc.

Um den zur Verfügung stehenden Platz auf Veranstaltungen nicht zu sehr zu beanspruchen, wurde aufbauend auf den schon länger existierenden Tanzordnungen der Tanzflächen bei Standard und Latein eine Aufteilung entwickelt, die auch Line Dance einschließt.

Aufbau

Die Schrittfolgen wiederholen sich je nach Schwierigkeitsgrad oft nach 16, 32, 48, 64 oder 72 Schritten. Je nach Anzahl und Abfolge der im Tanz enthaltenen Drehungen können die Tänzer nach Ende der Schrittfolge in eine andere Richtung (zur Wand, Englisch: Wall) blicken. Man spricht daher von 1-Wall-, 2-Wall- oder von 4-Wall-Tänzen.

Es gibt Tänze, die als phrased bezeichnet werden und die sich durch eine Aneinanderreihung von Einzelsequenzen darstellen. Hierbei werden mehrere Passagen so kombiniert, dass sie dem Musikstück weitestgehend angeglichen sind. Kleinere Abweichungen von einem Standard-Muster werden dagegen als restart (Abbruch der Sequenz mit Neustart) oder tag/Brücke (spezielle Überleitung mit wenigen Takten) bezeichnet; weiterhin gibt es Initial- und Final-Sequenzen, die allesamt nur mit einer speziellen Interpretation des entsprechenden Musikstücks sinnvoll zu kombinieren sind.

Dancefloor-Etiquette

Aufteilung für Standardtänzer, Line Dancer und Couple Dancer

Die Dancefloor-Etiquette (auch: Line-Dance-Etikette) regelt als sogenannter „Knigge des Tanzbodens“ die zeitgleiche Ausführung verschiedener Tanzstile auf demselben Tanzboden zur selben Musik. Dabei bewegen sich mobile Paartänzer auf zwei Kreisbahnen gegen den Uhrzeigersinn um die nicht so mobilen Line Dancer und andere mehr auf der Stelle tanzenden Paartänzer herum. Neben den Platzierungsfragen hält die Dancefloor-Etiquette auch das Verhalten neben der Tanzfläche fest.

Kleidung

Bei Tanzveranstaltungen gibt es keine Kleiderordnung. Sofern eine bestimmte Musikrichtung vorgegeben ist, wählen viele Tänzer passende Accessoires. Die Bekleidungsrichtlinien für Meisterschaften finden sich in ihren Regelwerken.

Turniertänzer wählen oft aufwändige Tanzkleidung, wie sie in ähnlicher Form im Bereich der Standard- und Lateintänze zu finden ist. In der Turnierkategorie „Funky-Tanz“ werden gerne dem Hip-Hop und verwandter Stile zugehörige Kleidung gewählt. Bei Country-Musik gehören oft Stiefel, Gürtel mit dekorativer Schnalle, Bolotie (eine Art Krawatte aus Lederschnur) und Cowboyhut dazu.

Internationalität

Beim Line Dance können Personen, die sich nicht kennen und möglicherweise keine gemeinsame Sprache sprechen, miteinander tanzen. Als das grundsätzliche Verbreitungsgebiet gilt der Süden und der mittlere Westen der USA. Heute finden sich auch in europäischen Ländern wie Deutschland, England, den Niederlanden und Österreich sowie in Ostasien zahlreiche Anhänger in lokalen und nationalen Organisationen.

Weltrekorde

Zahlenmäßige Weltrekorde sind:

  • Redwood City, Kalifornien, 4. Juli 1994, Cowgirls Twist mit mehr als 3.700 Tänzern
  • Tamworth (Australien), 1997 bis 2002, Boot Scootin' Boogie mit bis zu 6.700 Tänzern
  • Singapur, 1. Mai 2002, Singapore Swing mit rund 12.000 Tänzern
  • Hongkong, 29. Dezember 2002, Baby Likes To Rock It mit ebenfalls rund 12.000 Tänzern

Meisterschaften

Vor allem die größeren Line-Dance-Meisterschaften werden meistens im Kontext von Meisterschaften für Country- und Westerntanz abgehalten. Die Teilnehmer in den diversen Disziplinen des Line Dance stellen dabei häufig das Gros der antretenden Tänzer dar.

Meisterschaften werden von drei großen internationalen Organisationen veranstaltet. Die UCWDC (United Country Western Dance Council), gegründet 1989 in den USA,[1] organisiert Turniere in Line- und Couple-Dance in den USA und Europa. 2002 entstanden die Masters in Line (MIL), die hauptsächlich in Europa, aber mittlerweile auch in Afrika, Nordamerika und Asien Turniere und Social-Dance-Events ausrichten. Die neueste Organisation nennt sich World Country Dance Federation (WCDF) und veranstaltet Meisterschaften in Europa. Alle drei richten neben lokalen und nationalen Turnieren auch Weltmeisterschaften aus. Bei den nationalen Turnieren werden teilweise auch nationale Meister für die jeweilige Turnierserie in den einzelnen Wertungskategorien gekürt.

Die Deutsche Meisterschaft wird vom Bundesverband für Country- und Westerntanz (BfCW) als dem zuständigen Fachverband mit besonderer Aufgabenstellung des DTV ausgerichtet.

Publikationen und Periodika

  • Living Linedance - deutsche Zeitschrift
  • Linedancer Magazine - englische Zeitschrift
  • NTA-Mitgliederblatt (Englisch, interne Publikation der NTA, enthält jeweils mehrere Artikel im Umfang einer A4-Seite über Tanztechnik für Trainer)
  • NTA-Dance-Fundamentals-Referenzhandbuch (Englisch, fasst Grundlagen von Tanztechnik zusammen)
  • „Rosenbriefe“ (Deutsch, private Lehrbriefe und Neuigkeiten für den süddeutschen Raum von Rose Grimmer, um ca. 2000, heute eingestellt)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Origins and History. Website der UCWDC, 6. August 2006. Abgerufen am 5. August 2010.

Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Нужно сделать НИР?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • line dance — n. a kind of partnerless dance in which the dancers stand side by side in a line or lines and perform, in unison, a series of set, often complex, steps to various kinds of popular music * * * …   Universalium

  • line dance — n. a kind of partnerless dance in which the dancers stand side by side in a line or lines and perform, in unison, a series of set, often complex, steps to various kinds of popular music …   English World dictionary

  • line-dance — line dancing ► NOUN ▪ a type of country and western dancing in which a line of dancers follow a choreographed pattern of steps. DERIVATIVES line dance verb line dancer noun …   English terms dictionary

  • Line dance — A line dance is choreographed dance with a repeated sequence of steps in which a group of people dance in one or more lines (British English, rows ) without regard for the gender of the individuals, all facing the same direction, and executing… …   Wikipedia

  • line dance — noun Date: 1948 1. contredanse 1 2. a dance performed by a group usually in single file 3. a dance in which the dancers stand in ranks while performing a particular set of steps in unison • line dancer noun • line dancing noun …   New Collegiate Dictionary

  • line dance — noun 1. : contredanse 1 2. : a dance performed by a group usually in single file 3. : a dance in which the dancers stand in ranks while performing a particular set of steps in unison • line dancer noun • line dancing noun …   Useful english dictionary

  • line dance — noun A dance in where a group of people perform the same dance while in a line …   Wiktionary

  • Armenian line dance — The Armenian Line dance is an Armenian folk dance, danced at parties and other special occasions. It is performed by a group of people who join hands and do a specific step while walking counter clockwise. Please note that this is just one… …   Wikipedia

  • Dance Marathon — is a charity event originating from Penn State University. Many schools host dance marathons across the country raising more than $125 million per year benefiting local children s hospitals and other charities. On almost every campus where it is… …   Wikipedia

  • line dancer — line dancing ► NOUN ▪ a type of country and western dancing in which a line of dancers follow a choreographed pattern of steps. DERIVATIVES line dance verb line dancer noun …   English terms dictionary

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”