Lit de justice

Lit de justice
Lit de justice de Vendôme 1458. Darstellung von Jean Fouquet.

Lit de justice (Bett der Justiz) ist ein Ausdruck der königlichen Justiz der mittelalterlichen Herrschaft (Ancien Régime) in Frankreich und bedeutet eine besondere Sitzung des Parlements in Anwesenheit des französischen Königs. Abgeleitet wurde der Ausdruck vom baldachin-überdachten Königsthron in der Ecke des Versammlungssaales, der an ein Himmelbett erinnert. Fünf Kissen bildeten das Bett, auf einem davon saß der König, zwei stützten die Arme, eins den Rücken und das fünfte die Füße. Für private Gespräche war der Platz vor dem Thron leer.

Diese Sitte geht weit zurück vor die Zeit der Parlements, als der merowingische oder fränkische König seine Gerichtssitzung unter freiem Himmel abhielt, bei der er durch den Baldachin geschützt wurde. An der Sitzung, die normalerweise in der „Großen Kammer“ (frz. la Grande Chambre, Grand' Chambre, Grand-Chambre) des Pariser Parlements im königlichen Palast, heute der Justizpalast, abgehalten wurde, waren die Großen des Reiches anwesend: Prinzen von Geblüt, Herzöge und Pairs, Kardinäle und Marschälle, der Dauphin. Der König pflegte diese Versammlungen nach einem festen Ritus zu eröffnen und gab das Wort mit der Formulierung: „Mein Kanzler wird den Rest vortragen“ («Mon chancelier dira le reste.») an den Kanzler als Sprecher, der dann die königliche Erklärung vorlas - Regierungserklärung, Edikt, Kriegserklärung, Friedenserklärung. Auch Verbrechen Adliger wie Hochverrat wurden besonders im 14. Jahrhundert in dieser Versammlung abgehandelt. Die Anwesenheit des Herrschers übertrug die Gerichtsbarkeit des Parlements, das dann als Berater fungierte, auf den König - gemäß „adveniente principe, cessat magistratus“ - latein. für „Bei Erscheinen des Herrschers schweigt der Magistrat (als Richter)“. Allerdings war nicht jede Anwesenheit des Königs im Parlement auch gleichzeitig ein „Bett der Justiz“. Besonders Philipp IV. und seine drei Söhne Ludwig X., Philipp V. und Karl IV. wohnten oft der Parlement-Sitzung bei, die vor jedem beliebigen der 12 Parlements stattfinden konnte. Seit Ludwig XIII. blieb das Lit de justice auf das Pariser Parlement beschränkt, unter Ludwig XIV. wurde es kaum einberufen, da er das Parlement nahezu vollständig entmachtete, unter Ludwig XV. erneut belebt, das letzte wurde unter Ludwig XVI. in Versailles abgehalten.

Literatur

  • Elizabeth A. R. Brown, Richard C. Famiglietti, The Lit de Justice. Sematics, Ceremonial, and the Parlement of Paris 1300-1600 (Beihefte der Francia 31), Thorbecke, Sigmaringen 1994. ISBN 3-7995-7331-3

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  • LIT DE JUSTICE — À l’origine, le lit de justice, ou lit de parement, était le lieu de la chambre royale où le roi recevait lors des séances solennelles. Plus tard, le terme a désigné à la fois le trône du roi au parlement de Paris, quand il y présidait une séance …   Encyclopédie Universelle

  • Lit de Justice — Lit de Jus|tice [lidəʒy stis] der; <aus gleichbed. fr. lit de justice> Thron od. Sitz, auf dem der ehemalige König von Frankreich einer feierlichen Sitzung des Pariser Parlaments, des höchsten Gerichts, beiwohnte …   Das große Fremdwörterbuch

  • Lit de justice — (fr., spr. lih d Schüstiß, d.i. Gerechtigkeitsbett), ursprünglich der höchste Sitz, auf welchem die Könige von Frankreich Gericht hielten, dann die Sitzung des Königs von Frankreich im Pariser Parlamente, worin er demselben von dem Thron aus, in… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Lit de justice — (franz., spr. li dö schūstīß , »Gerechtigkeitsbett«), ursprünglich der erhabene Sitz, auf dem die alten Könige von Frankreich, umgeben von ihren Baronen und Pairs, Gericht zu halten pflegten; später die feierliche Parlamentssitzung, in welcher… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Lit de justice — (frz., spr. lih dĕ schüstihß, »Gerechtigkeitsbett«), ursprünglich der erhöhte Sitz, auf dem die Könige von Frankreich Gericht hielten; dann die feierliche Parlamentssitzung, in welcher der König selbst erschien, später benutzt, um die verweigerte …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Lit de justice — (frz. li dö schüßtihs), d.h. Bett der Gerechtigkeit, ursprünglich der erhöhte Sitz der französ. Könige, wenn sie zu Gerichte saßen; später Parlamentssitzung, wo der König mit seinen ersten Hofbeamten persönlich erschien u. den Kanzler den Vortrag …   Herders Conversations-Lexikon

  • Lit de justice —   [lidʒys tis, französisch], der Thron oder Sitz, auf dem der König von Frankreich einer feierlichen Sitzung des Pariser Parlaments, des höchsten Gerichts, beiwohnte; auch die Sitzung selbst, in Gegenwart des Königs.   …   Universal-Lexikon

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