Molla Bjurstedt Mallory

Molla Bjurstedt Mallory
Mallory 1924

Anna Margarethe "Molla" Bjurstedt Mallory (* 6. März 1884 in Oslo; † 21. November 1959 in Stockholm) war eine norwegisch-US-amerikanische Tennisspielerin.

Inhaltsverzeichnis

Bilanz einer außergewöhnlichen Karriere

Molla Mallory gewann die amerikanischen Tennismeisterschaften (heute US Open) 1915, 1916, 1917, 1918, 1920, 1921, 1922 und 1926 insgesamt acht mal. Als ihr größter Triumph gilt der Sieg des Jahres 1921 , bei dem sie in der zweiten Runde die französische Tennislegende Suzanne Lenglen bei deren einzigem Auftritt in Amerika durch Abbruch besiegt. Davor war Mallory auch bei norwegischen Meisterschaften ebenfalls acht mal siegreich gewesen. Mit Bill Tilden zusammen siegte sie bei den amerikanischen Meisterschaften 1922 im Mixed. Bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm gewann sie zudem die Bronzemedaille im Dameneinzel.

Molla Mallory erreichte als 46-jährige Spielerin 1929 noch einmal das Viertelfinale in Forest Hills.

Im Jahr 1958 wurde sie in die Hall of Fame des Tennissports aufgenommen.

Anfänge in Norwegen und den Staaten

Molla Bjurstedt wurde 1884 in Oslo als Tochter eines norwegischen Offiziers in Oslo geboren. Im Jahre 1915 beschließt die 31-jährige Molla, auf Grund besserer beruflicher Perspektiven in die USA zu gehen, wo man ihr eine Arbeitsstelle als Masseurin anbietet. Bjurstedt ist zu diesem Zeitpunkt bereits achtfache nationale norwegische Tennismeisterin und hat bei den Olympischen Spielen 1912 eine Bronzemedaille im Damen-Einzel errungen. Trotzdem ist sie in den USA als Tennisspielerin nahezu unbekannt.

Im selben Jahr meldet sie bei den Amerikanischen Hallenmeisterschaften und besiegt als Ungesetzte die Titelverteidigerin Marie Wagner mit 6:4 und 6:4. Es ist dies der erste von insgesamt fünf Titeln bei den US Hallenmeisterschaften. Im selben Jahr siegt Bjurstedt auch in Cincinnati.

Die Tochter eines norwegischen Offiziers verfügt bei ihren Schlägen zwar nicht über die Bandbreite und den Variantenreichtum vieler anderer erfolgreicher Tennisspielerinnen; sie macht diesen kleinen Makel aber dank einer überragend hart geschlagenen Vorhand, immensem Kampfgeist und überragender Athletik mehr als wett. Molla Bjurstedt ist eine klassische Grundlinienspielerin. Das Charakteristikum ihres Spiels besteht darin, den Ball sehr früh im Aufsteigen zu treffen und ihn dann von Ecke zu Ecke zu jagen und so die Gegnerin stets in Bewegung zu halten. Ihre kurz gespielten Aufschlag-Returns sind zudem die ideale strategische Antwort auf ans Netz stürmende Angriffspielerinnen.

Legendenumwobenes Gipfeltreffen: Mallory schlägt Lenglen

Ihren bemerkenswertesten Erfolg und die größte Berühmtheit erlangte Mallory aber im Jahre 1921 in einem Zweitrunden-Spiel der Amerikanischen Meisterschaften, das mit einem Abbruch-Sieg für die norwegisch-stämmige Amerikanerin endete. Gegnerin Mallorys war Suzanne Lenglen. Die Französin, fraglos die berühmteste Spielerin ihrer Zeit, bekannt für ihre skandalösen Extravaganzen und bereits zu Lebzeiten eine Legende, war der erste weibliche Weltstar des Sports. Insofern erhielt das erste Zusammentreffen zwischen der die europäischen Turniere nach Belieben dominierenden Spielerin mit der unbestrittenen amerikanischen Tenniskönigin eine ganz besondere, mit Spannung erwartete Brisanz.

Mallory gewann den ersten Satz mit 6:2 und spielte - so sagen es die amerikanischen Presseberichte jener Zeit - besonders auf ihrer starken Vorhandseite mit einer Schlaghärte und Präzision, die ihre Gegnerin ganz offensichtlich überraschte. Lenglen, die um Mallorys Schläge überhaupt noch zu erreichen, viel laufen musste, wurde im Verlaufe des Spiels von immer stärker werdenden Hustenanfällen und Weinkrämpfen gepeinigt und erklärt schließlich nach den ersten beiden Punkten des zweiten Satzes ihre Aufgabe. Der Abgang der Französin durch das enttäuschte amerikanische Publikum geriet zum ungalanten, von Buhrufen begleiteten Spießrutenlauf.

Molla Mallory Bjurstedts Abbruch-Sieg über Suzanne Lenglen sollte die einzige Niederlage der Französin zwischen dem Kriegsende 1919 und deren Übertritt zu den Profis im Jahre 1927 bleiben. Dieser Umstand sowie der Charakter eines Gipfeltreffens zwischen alter und neuer Welt machten und machen das Spiel und sein unerwartetes Ergebnis zu einem viel- und kontrovers diskutierten Tagesgespräch dies- und jenseits des Atlantiks.

Hatte die Amerikanerin die in Europa unbesiegte "Göttliche" vom Platz gefegt und diese durch die Stärke ihres Spiels zur Aufgabe gezwungen? Zu einer Aufgabe, die nur die drohende Niederlage verschleiern sollte und die die Französin mit dem Vorwand krankheitsbedingter Probleme ummäntelte? Oder sind vielmehr die Einlassungen der Französin richtig, die später äußerte, überhaupt nie eine Zusage zur Teilnahme an den Amerikanischen Meisterschaften gegeben zu haben und stattdessen von den Organisatoren ohne ihr Wissen gemeldet worden zu sein? Ein Umstand, der sie trotz asthmatischer Probleme und einer gerade überstandenen Seekrankheit veranlasst habe, dem amerikanischen Publikum zu Liebe doch zu spielen?

Lenglens lebenslange asthmatische Probleme sind wohl dokumentiert. Ein Arzt, so ihr italienischer Biograph Gianni Clerici, habe nach dem Spiel Keuchhusten diagnostiziert. Der eigentliche Grund der Reise habe in der Absicht Lenglens bestanden, durch Schaukämpfe Geld für das kriegszerstörte Frankreich zu sammeln.

Welche Interpretation der Umstände auch immer der Wirklichkeit entspricht - die gedemütigte "Göttliche" nimmt ein Jahr später beim nächsten Zusammentreffen auf dem heiligen Rasen von Wimbledon bittere Rache: Sie fegt Mallory in 26 Minuten mit 6:2 und 6:0 vom Platz. Einige Wochen später bleibt für Mallory im Finale des Turniers in Cannes beim 0:6 und 0:6 nicht ein einziges Spiel. Es ist das letzte Mal, dass sich die Wege der beiden Spielerinnen kreuzen.

Rekordsiege bei den Amerikanischen Meisterschaften

Molla Mallory gewinnt die US Open insgesamt acht Mal - ein noch immer bestehender Rekord. Ihre 1915 beginnendende Rekordserie von sieben US Open-Triumphen bei 8 Finalteilnahmen (einzige Finalniederlage 1919) endet erst im Jahre 1923. Sie unterliegt gegen die junge Helen Wills Moody mit 2:6 und 1:6. Doch ein Jahr später mit nun schon 42 Jahren gelingt ihr ein letzter großartiger Erfolg: Mallory, die im Finale schon 0:4 zurückliegt und später gegen die aufschlagende Elizabeth Ryan einen Matchball abwehren muss, vermag das Spiel noch zu drehen . Ein Jahr später erreicht Mallory 43-jährig das Viertelfinale - es ist das schlechteste Resultat, das Mallory in all den Jahren in Forrest Hills erzielte. Ihren endgültigen Abschied von den US Open gibt Mallory 1929 im Halbfinale. Sie ist zu diesem Zeitpunkt 45 Jahre alt.

Molla Mollory stirbt am 21. November 1959 im Alter von 75 Jahren.

Quellen

  • Gianni Clerici: Suzanne Lenglen – La Diva du Tennis (1984)

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