Paulos Faraj Rahho

Paulos Faraj Rahho
Paulos Faraj Rahho

Paulos Faraj Rahho (arabisch ‏ بولص فرج رحو‎, DMG Būlus Farağ Raḥū; * 20. November 1942 in Mosul, Irak; † 12. März 2008) war Erzbischof der chaldäisch-katholischen Kirche.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Rahho lernte und studierte ab 1954 am Seminar „Sankt Peter“ in Bagdad und empfing am 10. Juni 1965 die Priesterweihe. Er war anschließend in der Seelsorge an der „Isaias-Kirche“ in Mosul tätig. Nach seinem Lizentiat in Pastoraltheologie an der Päpstlichen Universität Heiliger Thomas von Aquin in Rom wirkte er ab 1977 wieder als Seelsorger in den Pfarrgemeinden „Mutter der Immerwährenden Hilfe“ (= Maria) und „St. Paulus“ in Mosul. Er ließ die Herz-Jesu-Kirche in Telkif errichten, einem neuen Stadtteil von Mosul, und gründete ein Kinderheim für Behinderte.

Erzbischof von Mosul

Papst Johannes Paul II. ernannte ihn 2001 zum Erzbischof der Erzeparchie Mosul. Die Bischofsweihe spendete ihm am 16. Februar 2001 Erzbischof Raphael I. Bidawid, der Patriarch von Babylon der chaldäisch-katholischen Kirche; Mitkonsekratoren waren André Sana, chaldäischer Erzbischof von Aqra, und Abdul-Ahad Sana, chaldäischer Bischof von Alqosh.

Bekannt als Mann des Ausgleichs der Christen und Muslime im Irak, wurde Rahho seit 2003, auch mit Waffengewalt, bedroht. Nach dem Tode von Papst Johannes Paul II. kamen Bischöfe der Christlichen Kirchen im Irak zu einer Messfeier mit Rahho im St. Georgs-Kloster zusammen. Nach einem Bombenattentat im Juni 2004 auf seinen Bischofssitz stellte ihm der muslimische Imam eine Unterkunft zur Verfügung. 2004/2005 engagierte er sich mit vielen Veranstaltungen zum „Jahr der Eucharistie“. Im November 2007 begleitete er Emmanuel III. Delly, den Patriarchen von Babylon der Chaldäer, zu dessen Kardinalserhebung nach Rom.

Zunehmend engagierte sich Rahho gegen eine aufkommende Christenverfolgung im Irak mit Bedrohungen durch islamistische Milizen, Einführung von Sondersteuern oder der Drohung, christliche Töchter mit muslimischen Männern zu verheiraten.[1]

Am 29. Februar 2008 wurden sein Fahrer und seine beiden Begleiter auf dem Rückweg von einem Kreuzwegsgottesdienst, den er im Stadtteil Al-Nour (Mosul) gefeiert hatte, erschossen, er selber entführt.[2]

Am 13. März 2008 wurde Erzbischof Rahho tot aufgefunden.[3] Der Fundplatz der Leiche war eine Müllkippe in der Nähe von Mosul.[4] Die Meldungen über die genaue Todesursache sind widersprüchlich. Nach Aussagen des Gouverneurs von Ninive wies der Körper Schusswunden auf.[5] Die irakische Polizei teilte dagegen mit, dass keine Hinweise auf Schussverletzungen gefunden wurden.[6] Am 15. März wurde er in Karamles einen Dorf bei Mosul unter der Anteilnahme von mehreren tausend Menschen beigesetzt. Die Begräbnisfeierlichkeiten leitete der Patriarch der Chaldäer Emmanuel III. Delly. Auf dem Friedhof des Dorfes wurden auch sein ermordeter Fahrer und Leibwächter begraben.[7]

Am 19. Mai 2008 wurde Ahmed Ali Ahmed (auch Abu Omar genannt) als einer der Attentäter von einem irakischen Gericht zum Tode verurteilt. Die chaldäisch-katholische Kirche hat das Todesurteil gegen Abu Omar kritisiert. [8]

Weblinks

 Commons: Paulos Faraj Rahho – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ORF: „Das schwere Los der Christen im Irak“, 14. März 2008
  2. Kaldaya.net: „Archbishop Paulos Faraj Rahho was seized as he left a church in the eastern al-Nour district, it added“, 29. Februar 2008
  3. Radio Vatikan: „Irak: Entführter Erzbischof ermordet“, 13. März 2008
  4. Vatican Magazin: Die Säuberung ist bald abgeschlossen v. Stefan von Kempis, Jahrgang 3, Heft 1
  5. Source: U.S. is sent severed fingers of Iraq kidnap victims (Englisch). CNN (14. März 2008). Abgerufen am 15. März 2008.
  6. Funeral Mass for Iraqi archbishop (Englisch). BBC (14. März 2008). Abgerufen am 15. März.
  7. Radio Vatikan: Meldungen vom 15.3.2008 - Irak Christenverfolgungen auf dem Höhepunkt 15. März 2008.
  8. Irak: Kirche gegen Todesurteil für mutmaßlichen Bischofs-Entführer. ORF. Abgerufen am 20. Mai 2008.


Vorgänger Amt Nachfolger
Georges F. Garmou Erzbischof von Mosul
20012008
Emil Shimoun Nona

Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Нужно сделать НИР?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Paulos Faraj Rahho — Archbishop of the Eparchy of Mosul See Archeparchy of Mosul In Office 12 January 2001 – 2008, Killed body fou …   Wikipedia

  • Paulos Faraj Rahho — Archevêque de Mossoul Naissance 20 novembre 1942 à Mossoul Ordination sacerdotale 10 juin 1965 Ordination épiscopale ( …   Wikipédia en Français

  • Paulos Faraj Rahho — Mar Paulos Faraj Rahho Arzobispo de Mosul de los Caldeos El Arzobispo Rahho el 27 de enero de 2008 Ordenación 10 de junio de 1965 Consagración episcopal …   Wikipedia Español

  • Faraj Rahou — Paulos Faraj Rahho Archevêque de l Église catholique Paulos Faraj Rahho …   Wikipédia en Français

  • Paulos Faradsch Raho — Paulos Faraj Rahho Paulos Faraj Rahho (arabisch ‏ بولص فرج رحو‎, DMG Būlus Farağ Raḥū; * 20. November 1942 in Mosul, Irak; † 12. März 2008) war Erzbischof der …   Deutsch Wikipedia

  • Rahho — Paulos Faraj Rahho Paulos Faraj Rahho (arabisch ‏ بولص فرج رحو‎, DMG Būlus Farağ Raḥū; * 20. November 1942 in Mosul, Irak; † 12. März 2008) war Erzbischof der …   Deutsch Wikipedia

  • Religionsgemeinschaften im neuen Irak — Die Religionsgemeinschaften im Irak sind nach dem dem Sturz Saddam Husseins wichtige Faktoren im politischen Geschehen. Inhaltsverzeichnis 1 Einführung 2 Die Religionsgemeinschaften 2.1 Schiiten 2.1.1 Dawa Partei …   Deutsch Wikipedia

  • Erzeparchie Mosul (Chaldäer) — Basisdaten Kirche Chaldäisch Katholische Kirche Staat Irak …   Deutsch Wikipedia

  • Chaldean Catholic Archeparchy of Mosul — Archeparchy of Mosul Archieparchia Mausiliensis Chaldaeorum Location Country Iraq Statistics Area …   Wikipedia

  • 2008 in Iraq — ««« 2007 2006 2005 2008 in Iraq »»» 2009 2010 2011 …   Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”