Solokonzert

Solokonzert

Als Solokonzert bezeichnet man ein Konzert, in dem ein vom Orchester begleitetes Solo-Instrument im Mittelpunkt steht.

Ein Konzert für zwei Soloinstrumente wird als Doppelkonzert bezeichnet, eines für drei als „Tripelkonzert“ und eines für vier Instrumente als „Quadrupelkonzert“.

Bis ins 17. Jahrhundert wurden Musikstücke selten für bestimmte Instrumente komponiert. In der Regel waren nur die Stimmlagen Sopran, Alt, Tenor und Bass notiert; die Wahl der Instrumente blieb den ausführenden Musikern überlassen und wurde den verfügbaren Gegebenheiten angepasst. Mit dem Aufkommen des vierstimmigen Streichorchesters in Italien, das bald zum Standard für Oper, Kirchen- und weltliche Musik wurde, ergaben sich neue klangliche und spieltechnische Möglichkeiten. In den oft mit Laien besetzten Orchestern übernahmen die Berufsmusiker an den ersten Pulten die schwierigeren Stellen („um größere Verwirrung zu vermeiden“, Giuseppe Torelli im Vorwort zu seinem op. 8); hieraus entwickelten sich das Solokonzert mit einem und das Concerto grosso mit mehreren Solisten.

Inhaltsverzeichnis

Barock

Während für das Concerto grosso ein oft relativ kleingliedriges Wechselspiel zwischen Concertino und Ripieno charakteristisch ist, folgen die ersten Solokonzerte dem Vorbild der Opernarie mit einem Wechsel von Orchester-Ritornellen und nur vom Continuo begleiteten Solopassagen, z.B. bei Torelli.

Antonio Vivaldi entwickelte diese Form in den Ecksätzen seiner Konzerte weiter; das Ritornell wird nicht starr in der Tonart der Tonika wiederholt, sondern harmonisch und im Umfang variiert, das Orchester kann auch die Begleitung der Soloteile übernehmen. Zwischen zwei Ecksätze in raschem Tempo ist ein langsamer, sanglicher Satz mit sparsamer Begleitung eingeschoben. Vivaldi galt als einer der besten Violinisten seiner Zeit; die Solopartien seiner Violinkonzerte sind teilweise höchst virtuos (Spiel bis in die 12. Lage, Bariolage, extreme Streckung der linken Hand) und kontrastieren mit den deutlich einfacheren Orchesterstimmen. Vivaldi schrieb insgesamt 477 Konzerte, davon allein 228 für Violine, viele auch für zwei und mehr Soloinstrumente. Die von ihm standardisierte dreisätzige Anlage blieb bis ins 20. Jahrhundert die Grundform des Solokonzerts, wenn auch Umfang und Gliederung der Sätze sich wesentlich änderten.

Johann Sebastian Bach kopierte mehrere Vivaldi-Konzerte eigenhändig und bearbeitete sie für Tasteninstrument (Orgel, Cembalo). Seine reiferen Werke weichen vom Vivaldi'schen Typ deutlich ab. Die Solo- und die Orchesterstimmen werden kontrapunktisch verwoben; im Kopfsatz des Violinkonzerts E-dur BWV 1042 tritt das Solo stellenweise mit typischen Begleitfiguren hinter die Tutti-Violinen zurück. Kompositorische und satztechnische Kunstfertigkeit ist wichtiger als virtuose Wirkung. Neben den beiden erhalten gebliebenen Violinkonzerten BWV 1041 und 1042 und dem Doppelkonzert für zwei Violinen BWV 1043 schrieb Bach Konzerte für ein bis vier Cembali. Seine sechs Brandenburgischen Konzerte enthalten Elemente von Concerto grosso und Solokonzert.

Von Georg Friedrich Händel stammen zwei Sätze von je 6 Orgelkonzerten (op. 4 und op. 7), die als Zwischenaktmusiken in seinen Oratorienaufführungen gespielt wurden, mit teilweise improvisierten Soli.

Klassik

Mit dem Aufkommen der bürgerlichen Konzertkultur in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stieg der Bedarf an stets neuen Attraktionen für eine breite Hörerschicht. Dieser wurde durch Solokonzerte in besonderer Weise befriedigt. Neben dem musikalischen Gehalt der Komposition trat immer mehr auch die Persönlichkeit des Solisten in den Vordergrund. Bereits die Barockkomponisten Vivaldi, Bach und Händel waren bei ihren Zeitgenossen als Virtuosen mindestens ebenso bekannt wie als Komponisten; für die klassischen Komponisten Mozart und Beethoven gilt dasselbe.

Formal entwickelt sich das klassische Solokonzert parallel zur Sinfonie, von der es zahlreiche Einflüsse übernimmt. Im schnellen Kopfsatz – meist in Sonatensatzform angelegt - stellt üblicherweise das Orchester das erste Thema vor, bevor das Soloinstrument mit einer Variante oder einem eigenen Thema einsteigt. Der zweite Satz in langsamerem Tempo, oft in Liedform, gibt dem Solisten Gelegenheit, Tonschönheit und lyrische Qualitäten zu demonstrieren, während im Finalsatz wieder schnelleres Tempo und Virtuosität vorherrschen. Ähnlich wie in der Sinfonie ist der dritte Satz meist in Sonaten- oder Rondoform oder in einer Kombination aus beiden gehalten. Ein neues kompositorisches Element im klassischen Konzert ist die Solokadenz, in der der Solist unbegleitet sein technisches Können und ursprünglich auch sein Talent zur Improvisation vorstellen konnte.

Bevorzugte Soloinstrumente der klassischen Periode waren Violine und Klavier (z.B. Mozart, Beethoven). Bestand das begleitende Orchester im Barock üblicherweise nur aus Streichern und Continuo, wird es in der Klassik erweitert um Bläser, anfangs meist je zwei Oboen und Hörner, später bis zum vollen Sinfonieorchester. Auch Umfang und musikalischer Gehalt der Kompositionen steigen; während ein Vivaldi'sches Violinkonzert selten mehr als 10 Minuten dauert und in erster Linie der anspruchsvollen Unterhaltung dient, benötigt Beethovens Violinkonzert, eines der größten Meisterwerke „absoluter“ Musik, eine Aufführungsdauer von rund 40 Minuten.


Spätere Perioden

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Experimentierfreudige Komponisten schrieben vereinzelt auch Konzerte für in dieser Rolle sehr unübliche Instrumente, beispielsweise den Kontrabass, die Pauke und sogar die Nasenflöte. Auch in der neuen Musik gibt es weiter Solokonzerte, hier wird mit den nun stark erweiterten Möglichkeiten der Instrumente und der traditionellen Form in experimenteller Weise umgegangen. Als Beispiel seien hier die Instrumentalkonzerte von Helmut Lachenmann genannt. Verschiedene Komponisten verfassten auch unter dem Titel Konzert für Orchester Konzerte, die ganz ohne Soloinstrumente auskommen, aber die Orchesterinstrumente teilweise solistisch und virtuos behandeln.


Allgemeiner Aufbau

Oftmals ist das Solokonzert in drei Sätzen angelegt: schnell - langsam - schnell.

1.Satz - Ritornell (Barock), Sonatensatzform (Klassik/Romantik) > gesamte Exposition als Orchestereinleitung; das Soloinstrument setzt erst bei der Wiederholung der Exposition ein.

2.Satz - z.B Liedform, ABA oder ABA'B' (= SHF ohne Durchführung)

3.Satz - Rondo: abacadaea... im Barock; abacaba in Klassik/Romantik = Parallele zur SHF.

Jedoch entstanden auch zahlreiche Solokonzerte in zwei (schnell - langsam) beziehungsweise vier (schnell -langsam - moderato - schnell) Sätzen. So stellt das 2. Klavierkonzert von Johannes Brahms ein bedeutendes Beispiel für ein viersätziges Konzert dar. In der Epoche der Romantik entstanden zusehends Konzerte ohne feste Satzbindung oder Bezeichnung.

Literatur

  • Rudolf Kloiber: Handbuch des Instrumentalkonzerts.
    • Band 1: Vom Barock zur Klassik. Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 1972, ISBN 3-7651-0052-8
    • Band 2: Von der Romantik bis zu den Begründern der Neuen Musik. 3. revidierte Auflage. Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 1987 (1973), ISBN 3-7651-0064-1
  • Michael Thomas Roeder: Das Konzert. Handbuch der musikalischen Gattungen, Bd. 4. Laaber-Verlag, Laaber 2000, ISBN 3-89007-127-9

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