Veji

Veji
Lage der Städte Rom und Veji

Veji (lateinisch Veii, heute Veio beim römischen Stadtteil Isola Farnese) war eine wichtige antike etruskische Stadt; sie lag am Cremera, einem Nebenfluss des Tiber, 18 Kilometer nordnordwestlich von Rom und ist aus Siedlungen der Villanovakultur entstanden. In der Blütezeit der etruskischen Kultur hatte Veji mehrere tausend Einwohner.

Als mächtiges Mitglied des Zwölfstädtebunds führte es dauerhaft Krieg mit der Römischen Republik. Rom geriet in Gefahr, im Schatten Vejis zu verschwinden. Ostia, Anlieferungspunkt für Salz, und der Tiber als wichtiger Transport- und Handelsweg waren für beide Städte ökonomisch lebenswichtig, Konflikte also unvermeidlich. Die Stadt fiel 396 v. Chr. nach zehnjährigem legendärem Krieg und langer Belagerung durch den römischen General Marcus Furius Camillus. Sie wurde zerstört, die Einwohner wurden versklavt, der Grund und Boden zum ager publicus erklärt. Zur Zeit des Kaisers Augustus wurde Veji als municipium neu gegründet, im 5. Jahrhundert dann aber endgültig verlassen.

Die Stadt blieb bekannt durch Aufzeichnungen von Dionysios von Halikarnassos und von Titus Livius, aber die Bedeutung und Macht geriet in Vergessenheit. Die Stadt selbst, deren Ruinen zum Teil auf das 6. Jahrhundert v. Chr. zurückgehen, liegt auf einem Plateau, das von einer teilweise sogar noch gut erhaltenen Mauer aus Tuffstein aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. umgeben ist. Eine technische Meisterleistung ist der in den Fels geschlagene Wassertunnel (Ponte Sodo), der ebenfalls bereits aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. stammt.

Säulen aus Veji, die Papst Gregor XVI. zur Piazza Colonna in Rom transportieren ließ (Palazzo Wedekind).

Im Südosten befindet sich ein befestigter Hügel, außerhalb der Stadt im Nordosten das Minerva-Heiligtum von Portonaccio, mit einem Tempel innerhalb einer Umfriedung, von dessen Dach die berühmten Terrakottaplastiken des Museo Nazionale Etrusco di Villa Giulia in Rom stammen. Für diese Art der Plastik, insbesondere der Großplastik aus der Zeit um 500 v. Chr., war Veji berühmt, sie gilt als Hauptbeitrag der Stadt zur Kunst. Zu diesen Zeugnissen gehört die Statue des Apollo von Veji (ebenfalls in der Villa Giulia), der Kopf eines Hermes und eine Göttin mit einem Knaben. Es wird vermutet, dass mit diesen Plastiken der Name des Bildhauers Vulca verbunden ist.

Aus der zweiten Zeit Vejis stammt die Statue des Kaisers Tiberius, die sich nun im Vatikan befindet.

Außerhalb der Reste der Stadt wurden Tumuli gefunden, große Nekropolen, ausgemalte etruskische Gräber, die in den Fels geschnitten sind, darunter als berühmteste die Tomba delle Anatre (Grab der Enten) und die Tomba Campana, entdeckt 1843, ein Grab mit den ältesten bekannten etruskischen Fresken aus der Zeit zwischen 650 und 600 v. Chr.

Zeittafel

  • 8. Jahrhundert v. Chr. - erste etruskische Siedlung (stadtähnlich)
  • 650 v. Chr. - Errichtung der ersten Tempelanlagen
  • 474 v. Chr. - Erster Krieg zwischen Rom und Veji
  • 438 bis 425 v. Chr. - Zweiter Krieg mit Rom
  • 428 v. Chr. - Tod von Lars Tolumnius (König von Veji)
  • 406 v. Chr. - Beginn der römischen Belagerungen
  • 396 v. Chr. - Zerstörung von Veji
  • 1. Jahrhundert v. Chr. - Neugründung unter Augustus
  • 5. Jahrhundert n. Chr. - endgültige Aufgabe der Stadt

Weblinks

 Commons: Veji – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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  • Veji —   [v ], lateinischVeii, etruskische Stadt (heute Veio bei Isola Farnese), etwa 18 km nordwestlich von Rom, aus Siedlungen der Villanovakultur entstanden; gehörte zum etruskischen Zwölfstädtebund; nach langer Belagerung 396 v. Chr. von den Römern… …   Universal-Lexikon

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  • ВЕЙИ (Veji) — город 1 й пол. 1 го тыс. до н. э. нач. 4 в. до н. э., к северу от Рима. Остатки акрополя, домов, храмов, гробницы и др …   Большой Энциклопедический словарь

  • vėjingas — vėji̇̀ngas, vėji̇̀nga bdv. Vakarai̇̃ bùvo vėji̇̀ngi …   Bendrinės lietuvių kalbos žodyno antraštynas

  • vėjinga — vėji̇̀ngas, vėji̇̀nga bdv. Vakarai̇̃ bùvo vėji̇̀ngi …   Bendrinės lietuvių kalbos žodyno antraštynas

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