Manacha

Manacha
Manacha
Manacha
Basisdaten
Gouvernement Sanaa
Koordinaten 15° 4′ N, 43° 44′ O15.07194444444443.740833333333Koordinaten: 15° 4′ N, 43° 44′ O
Höhe 1.500 m ü. NN[1]
Einwohner 7237 (2010) [2]
Im Verlauf des Unternehmens Magic Carpet (1949–1950) wanderte die gesamte Gemeinde der Teimanim-Juden aus Jemen nach Israel aus, über 49.000 Personen. Die meisten hatten nie ein Flugzeug gesehen, gleichwohl glaubten sie an die biblische Prophezeiung: Gott versprach den Kindern Israels zurückzukehren, getragen auf Adlerflügeln
Manacha. Die Stadt zieht sich über einen exponierten Bergrücken

Manacha (auch Manāhah, Menacha, Manakha geschrieben; arabisch ‏مناخة‎, DMG Manāḫa) ist eine jemenitische Distrikts-Hauptstadt im Gouvernement Sanaa. Die Stadt liegt auf einem schmalen Hangrücken zwischen zwei Bergmassiven. Lange Zeit war die Ortschaft Stützpunkt der osmanischen Besatzungsarmee.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Manacha wurde im 17. Jahrhundert unweit einer kleinen jüdischen Siedlung gegründet. Größere Bedeutung erlangte der Ort dann 1872, als die Osmanen über al-Hudaida in Richtung Sana’a vorrückten und in Manacha aus orografischen Gründen einen wichtigen strategischen Punkt erkannten. Dieser sich bietende Geländevorteil führte dazu, dass die Stadt zum militärischen Standort und Handelskontrollpunkt für den Warenverkehr vom Roten Meer ins Hochland ausgebaut wurde. Schließlich schwang sie sich während der zweiten osmanischen Besatzungszeit (1872–1918) zur Garnisonsstadt und zum Verwaltungszentrum auf. Noch heute bezeugen diverse Regierungsgebäude (in einem residiert noch heute der Distrikt-Gouverneur (Mudir al-Mudiriyya)), das ehemalige Telegrafenamt, die Zitadelle mit Getreidespeicher und ein Militärhospital die osmanisch-architektonischen Einflüsse in der Stadt. Aufgrund seiner exponierten Lage hatte die Stadt nie eine Stadtmauer besessen.[3]

Bis kurz nach dem 2. Weltkrieg lebte in Manacha durchgehend eine jüdische Minderheit. Im Rahmen der Operation Magic Carpet verließen die jüdischen Mitbürger die Stadt, um in den neu gegründeten Staat Israel zu ziehen. Das bedeutete für die verbliebene Bevölkerung einen herben Verlust, denn mit dem Weggang der Juden fielen viele wichtige handwerkliche Berufe (insbesondere die Silberschmiedekunst) aus, die zumeist allein in jüdischen Händen lagen. Mit ihrer Massenauswanderung ging das traditionelle Handwerk nahezu im ganzen Land verloren. Erschwerend für die Stadt, ließen mehrere Dürrejahre in den 1950er Jahren das Interesse an Manacha weiter sinken, sodass die Stadt heute gerade noch knapp über 7200 Einwohner zählt.[4]

Siehe auch: Judentum im Jemen

Wirtschaft

Manacha ist ein wichtiger Marktflecken im Harāzgebirge. Ein stationärer Markt wird täglich abgehalten. Sonntags ist Wochenmarkt. Dem Wochenmarkt dient ein in Größe eines Fußballfeldes ausgebautes Segment der von Sanaa in die Stadt hereinführenden Straße. Seit jeher wird Manacha von den umliegenden Stämmen zu einer Art neutralen Zone erklärt, deren Schutz sie gemeinsam garantieren. Dies gilt insbesondere für den Markt und seine Besucher. Dem Marktleiter kommt die gewohnheitsrechtlich anerkannte Ḥaram-Regel zugute, die es untersagt, dass die Marktteilnehmer sich streiten oder sich gar tätlich auseinandersetzen; diese Regel dient dem Marktfrieden.[5] Verstöße werden schwer geahndet und können zum Verlust der eigenen Güter, als ultima ratio sogar des Lebens führen. Durch die Sanktionsdrohung wird gewährleistet, dass Handel und Warenaustausch zwischen den Stämmen auch in kriegerischen Zeiten nicht völlig zum Erliegen kommen.

Sehenswürdigkeiten

Hoch über der Stadt liegt die aus osmanischer Zeit herrührende Zitadelle und der große Getreidespeicher. Letzterer ist von einer Mauer umgeben und neben einer Zisterne befinden sich mehrere in den Boden eingelassene Vorratskammern. Die Einlagerung des Getreides erfolgte unterirdisch. Die Kammern wurden mit Erdreich verschlossen. Die angeschlossenen Kasernen werden heute noch genutzt.

Ein interessantes osmanisches Bauwerk – heute allerdings stark angegriffen – ist daneben das Lazarett. Der Zugang erfolgt über eine breite Außentreppe. Folgenutzungen des Lazaretts waren eine Koranschule, dann eine Grundschule, heute Erziehungsministerium. Der Platz vor dem Lazarett wird „Gate of the Shrine“ (Bab al-Guba) genannt, wo die ismailitischen Pilgertouren nach Hutayb ihren Ausgangspunkt nehmen.

Die Stadt weist etwa zehn Moscheen auf. In Ansehung der Einwohnerzahl ist das eine hohe Quote. Die meisten sind klein und unauffällig.

Umgebung

Ganz in der Nähe von Manacha liegt etwa 5 km entfernt und ca. 500 m höhergelegen, das aufgrund seiner prachtvollen Bergarchitektur als eine der schönsten Städte des Jemen geltende Al-Hajjarah.

Siehe auch

Weiterführende Literatur

  • Horst Vogel, Bodenerosion im Terrassenfeldbau: Kulturlandzerstörung durch Landnutzungswandel im Haraz-Gebirge/Nordjemen, Reichert, 1988 – 156 Seiten, ISBN 978-3-88226-427-2
  • Ladj, Georg: Agrarstruktureller Wandel im Haraz-Gebirge (Arabische Republik Jemen). – Jemen-Studien Band 11, 384 pp., 1992 [Umfassende Studie über das Harazgebirge], L. Reichert.
  • Helfritz, Hans: Entdeckungsreisen in Süd-Arabien. Auf unbekannten Wegen durch Hadramaut und Jemen (1933 und 1935). – DuMont Reiseberichte und Dokumente. DuMont Buchverlag, Köln 1977.

Einzelnachweise

  1. Manakha mit bebilderten Stadteindrücken
  2. Jemen: Die wichtigsten Orte mit Statistiken zu ihrer Bevölkerung. World Gazetteer (Berechnung)
  3. Max Kasparek, Jemen: das Harazgebirge
  4. Manakha
  5. Haram und Halal in Kapitalmarktprodukte nach islamischem Recht Von Bachelor of Arts Ibrahim Cihan

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