Convair Charger

Convair Charger

Die Convair Model 48 Charger (Schlachtross) ist ein zweisitziges, durch zwei Turboprops angetriebenes, leichtes Beobachtungs-, Angriffs- und Transportflugzeug mit Kurzstart- und Landeeigenschaften der Firma Consolidated Vultee Aircraft Corporation, kurz Convair. Es ist zugleich das letzte von dieser Firma entwickelte Flugzeug, da sich Convair nach Auslaufen des Convair Coronado Programms und dem Verlust des Auftrages für die Charger anderen Aufgabengebieten zuwandte. Der Prototyp der Charger blieb somit ein Einzelstück.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklungsgeschichte

Die Erfahrungen aus dem Korea-Krieg resultierten am 28. Oktober 1963 in einer Ausschreibung des US-Verteidigungsministeriums, wonach ein leichtes, bewaffnetes Aufklärungsflugzeug gesucht wurde, das speziell für den „Dschungelkampf“ geeignet und von sämtlichen Teilstreitkräften einsetzbar sein sollte. Die zu dieser Zeit existierenden Modelle O-1 Bird Dog und O-2 Skymaster – beide aus propellergetriebenen Privatflugzeugen abgeleitet – waren hierfür ungeeignet.

Stellvertretend übernahm die US Navy die Leitung des Projekts LARA (Light Armed Reconnaissance Aircraft), dessen Spezifikationen wie folgt aussahen:

Es sollte ein zweimotoriges, propellergetriebenes Flugzeug mit zwei Mann Besatzung sein, das bestimmte Kriterien sowohl eines Hubschraubers als auch eines strahlgetriebenen Flugzeugs in sich vereinen sollte. So war eine sehr geringe Spannweite vorgegeben, um von Straßen aus operieren zu können. Bei einer Geschwindigkeit von bis zu 560 km/h, einem extrem belastbaren Flugverhalten (−3 bis +8 g) und einer maximalen Start- und Landestrecke von 250 m sollte es zudem eine Fracht von bis zu 1.100 kg mit sich führen können. Diese sollte beispielsweise aus bis zu sechs voll ausgerüsteten Fallschirmjägern oder zwei Krankentragen samt einem Sanitäter bestehen können. Ferner sollte es von Flugzeugträgern aus operieren können.

Die interne Bewaffnung sollte aus vier Maschinengewehren vom Kaliber 7,62 mm inkl. je 500 Schuss Munition bestehen, und es sollten Außenstationen für Sidewinder-Raketen sowie eine externe Maschinenkanone vom Kaliber 20 mm vorhanden sein.

Unter den insgesamt 9 eingesandten Entwürfen war auch die Convair Charger.

Im August 1964 entschied sich die US-Navy jedoch für sehr ähnlich aussehende Modell NA-300 bzw. Rockwell OV-10 des Firmenkonsortiums North American/Rockwell. Dennoch wurde ein Auftrag für Flugversuche mit der Charger für einige Flüge im Rahmen einer Pilotenerprobung erteilt.

So hatte wenige Monate nach dem Programmstart, am 25. November 1964 der anfangs in Eigeninitiative von Convair gebaute Prototyp seinen Erstflug. Er startete mit Testpilot Johnny Knebel vom Lindbergh Field in San Diego zu einem kurzen Testflug, der jedoch einige Probleme offenbarte. So war die Steuerung und das Flugverhalten infolge der kurzen Tragflächen und des großes Höhenleitwerkes problematisch. Daraufhin wurde die Tragfläche um rund 92 Zentimeter verlängert und deren Enden abgerundet. Eine weitere Unschönheit war die extreme Lautstärke beim Start (vor allem im Cockpit), was an den sehr nah an der Cockpitwand vorbeistreichenden Propellerspitzen lag.

Das endgültige aus für die Maschine (man hatte immer noch Hoffnung auf die Änderung des Auftrages) kam am 19. Oktober 1965, als der Prototyp infolge mehrerer Pilotenfehler des Navy-Piloten Dave Harden bei der Landung außer Kontrolle geriet und abstürzte. Der Pilot konnte sich mit dem Schleudersitz retten, die Maschine wurde jedoch komplett zerstört. So blieb der Prototyp der Charger ein Einzelstück.[1]

Technische Daten

Bild der optisch sehr ähnlichen OV10 Bronco

Die Charger war ein ungewöhnlich aussehendes Flugzeug mit kurzem Rumpf, dafür zwei dicken hinter den Triebwerken auslaufenden, das Doppel-T-Leitwerk tragenden Fortsätzen. Die Triebwerke waren eine militärische Version der PT6A-24 Turboprops von Pratt & Whitney. Um die Kurzstart- und Kurzlandeeigenschaften zu gewährleisten, wurden an den Tragflächenhinterkanten sehr große ausfahrbare Klappen angebracht, die den Luftstrom der 2,74 m großen Propeller nach unten lenkten und so einen gewaltigen Auftrieb erzeugten. Damit war die Charger in der Lage mit 70 m Startstrecke und mit weniger als zehn Metern Landestrecke (der Pilot betätigte dazu schon vorher die Bremsen und ließ die Maschine aus 10 m Höhe unter Einsatz des Umkehrschubes praktisch fallen) auszukommen. Das für den Einsatz von Straßen robust ausgelegte Fahrwerk mit Niederdruckreifen und Stoßdämpfern machte diese nicht sehr schonende Landeart möglich. Das auf einfache Bedienung ausgelegte Cockpit verfügte für den Notfall für Pilot und Beobachter über einen Schleudersitz.

Model 48 Charger
Typ Leichtes Angriffsflugzeug
Besatzung 1 – 2
Spannweite 8,38 m
Länge 10,61 m
Höhe 4,14 m
Flügelfläche 17,84 m²
Leermasse 2.022 kg
Max. Startmasse 3.220 kg
Höchstgeschwindigkeit (in Meereshöhe) 510 km/h
Startstrecke (über ein 15 m Hindernis) Unter 150 m
Landestrecke Unter 150 m
Überführungsreichweite 4.825 km
Einsatzdauer 2 Stunden
Triebwerke 2 x Pratt & Whitney Canada YT74-CP-8 mit je 410 kW (später 559 kW)
Bewaffnung
  • 552 kg Außenlasten an 5 Aufhängungen einschließlich vier 7,62 mm MGs in Behälter seitlich am Rumpf
  • oder 900 kg Fracht bzw. bis zu 8 Soldaten

Quellen

  1. FlugRevue August 2008, S. 100–103, Das letzte Schlachtross

Weblinks


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