Foodwatch

Foodwatch

Foodwatch e. V. (engl. food – Nahrung, watch – Wacht) ist eine Nichtregierungsorganisation, die sich mit den Rechten von Verbrauchern und der Qualität von Lebensmitteln auseinandersetzt. Foodwatch wurde im Oktober 2002 in Berlin vom ehemaligen Greenpeace-Geschäftsführer Thilo Bode gegründet, der seither als Vorstand im Sinne des Gesetzes und als Geschäftsführer fungiert.

Inhaltsverzeichnis

Ziele

Zweck des Vereins ist laut Satzung die "Beratung und Information von Verbrauchern auf dem Gebiet der Agrar- und Lebensmittelproduktion, des Handels und des Absatzes von Verbrauchsgütern sowie der Bereitstellung von Dienstleistungen".

Mitglieder

Derzeit hat die Organisation nach eigenen Angaben mehr als 14.000 Förderer (Stand: Jan. 2009), worunter nicht stimmberechtigte Fördermitglieder, stimmberechtigte Fördermitglieder und Einmalspender fallen. Die Zahl der stimmberechtigten Mitglieder ist nicht veröffentlicht. Laut Satzung sollen es jedoch nicht mehr als 100 werden;[1] entsprechend konzentriert sich die Werbung von Foodwatch auf Förderer und Spender, die kein Mitspracherecht fordern.

Finanzen

Nach eigenen Angaben finanziert sich Foodwatch "aus den Beiträgen der Fördermitglieder und aus Spenden". Auf staatliche Zuschüsse werde verzichtet, Spenden der Wirtschaft würden nur angenommen, wenn dadurch keine Interessenkonflikte entstünden. Zum Aufbau der Organisation hätten 2002 bis 2005 rund 1,5 Millionen Euro, hauptsächlich durch langfristige Darlehen von der GLS Gemeinschaftsbank und von Privatpersonen, zur Verfügung gestanden.[2] 2007 verfügte der Verein über ein laufendes Budget von rund 1 Mio. Euro, das zu 78 Prozent aus Förderbeiträgen und Kleinspenden unter 5.000 Euro und zu 20 Prozent aus Großspenden und von Stiftungen stammte. Dies wurde verwendet für Kampagnen (39 Prozent), Mitgliederbetreuung und -werbung (27 Prozent), Medien- und Öffentlichkeitsarbeit (18 Prozent) und Verwaltung (16 Prozent).[3] Für 2009 kündigt Foodwatch an, die laufenden Ausgaben vollständig durch Beiträge von Fördermitgliedern und Kleinspenden decken zu wollen.[4]

Aktivitäten

Foodwatch greift vor allem mediengängige Themen wie beispielsweise Lebensmittelskandale auf und versucht sich dadurch öffentlich als Lobbyorganisation der Verbraucher gegenüber der Nahrungsmittelindustrie zu positionieren. Dazu fährt die Organisation Kampagnen nach Greenpeace-Vorbild; die bekannteste gilt der Substanz Acrylamid, die beim Erhitzen kohlenhydrathaltiger Lebensmittel entstehen kann. Seit einigen Jahren testet Foodwatch regelmäßig Kartoffelchips und Weihnachtsgebäck auf das krebsverdächtige Acrylamid. Kartoffelchips wurden im August 2007 getestet.[5]

Ende 2006 deckte Foodwatch eine Lüge in der Werbung von McDonald’s auf. Diese hatten versprochen, Brötchen ohne chemische Zusatzstoffe anzubieten, was nicht den Tatsachen entsprach. Nach Intervention von Foodwatch änderte man den Slogan auf „natürliche Backmittel“ um. Dies wiederum war ein erneuter Verstoß (hier gegen das Lebensmittelgesetz). Erneut schritt Foodwatch ein und McDonald’s unterschrieb eine Unterlassungserklärung.

Anfang 2007 erstattete Foodwatch Anzeige gegen die Unternehmen SNP (gehört zum Nahrungsmittelkonzern Vion N.V.), GePro (PHW-Gruppe), den Düngemittelhändler Beckmann und die Veterinärämter der Landkreise Diepholz, Emsland, Oldenburg und Vechta, da die Unternehmen illegalen Handel mit Tiermehl (K3-Material) betreiben und die Ämter Beihilfe dazu leisten würden. Obwohl entsprechende Abfälle und das daraus hergestellte Tiermehl keinesfalls in die menschliche Nahrungskette gelangen dürfen, fand die Verbraucherschutzorganisation dafür entsprechende Hinweise. Die daraufhin eingeleiteten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ergaben, dass der Handel mit den Mehlen tatsächlich stattfand, jedoch mit Genehmigung der zuständigen Behörden und daher keine Straftat war. Die Genehmigungen selbst haben allerdings gegen geltende Gesetze verstoßen. Da Beihilfe aus juristischer Sicht jedoch nur vorliegt, wenn die Haupttat strafbar ist, wurden die Ermittlungen sowohl gegen die Unternehmen als auch gegen die Ämter Ende 2007 eingestellt. Die Genehmigungspraxis der Behörden wurde geändert.[6][7]

Im Jahr 2008 bemängelte die Organisation anhand einer eigenen Datensammlung amtlicher Messwerte aus den Bundesländern, dass an manchen Orten in Deutschland das Trinkwasser stärker mit Uran belastet sei als bisher bekannt. Dabei wurde vor allem die Informationspolitik der Behörden kritisiert und die Forderung aufgestellt, dass der Verbraucher mit der nächsten Wasserrechnung über den Urangehalt seines Trinkwassers informiert werden sollte. Die Trinkwasserverordnung sieht keinen Höchstwert für Uran vor. 2006 war nach Foodwatch-Recherchen und einer Klage auf Informationserteilung ein Grenzwert für Uran in die Mineralwasserverordnung aufgenommen worden: Mineral- und Tafelwasser, das als „geeignet für die Zubereitung von Säuglingsnahrung“ beworben wird, darf seitdem nicht mehr als 2 µg Uran pro Liter enthalten.[8] Zuvor hatte schon das Bundesinstitut für Risikobewertung gefordert, Mineralwasser für Säuglingsnahrung müsse frei von Uran sein.[9] Das Umweltbundesamt kritisierte allerdings, dass es aufgrund der neuen Verordnung zu einer Risikoüberbewertung käme, da Wasser erst ab 10 µg Uran pro Liter für die Zubereitung von Babynahrung gefährlich werde. [10]

Im März 2009 vergab die Organisation erstmals den Negativpreis "Goldener Windbeutel", um auf den Unterschied zwischen beworbenen Qualitätsversprechen und den tatsächlichen Eigenschaften von Lebensmitteln hinzuweisen. [11]

Quellen

  1. Die Satzung von foodwatch e. V.
  2. Foodwatch-Homepage Finanzen
  3. Foodwatch-Homepage Finanzen
  4. Foodwatch-Homepage Finanzen
  5. Nachgefragt: Wie viel giftiges Acrylamid steckt noch in Kartoffel-Chips? NDR Fernsehen, 24.9.2007
  6. Dieter Nürnberger: Foodwatch zu neuem Fleischskandal, Deutschlandradio, 21.02.2007
  7. Pressemitteilung Foodwatch, 8.04.2007
  8. Vierte Verordnung zur Änderung der Mineral- und Tafelwasser-Verordnung, BGBl. I 2006, 2762 f. vom 11.12.2006 Nr. 56
  9. BfR-Pressemitteilung 22/2005, 30.06.2005
  10. Newsletter Berufsverband Baden-Württemberg
  11. Wahl des "goldenen Windbeutels"

Weblinks


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