ID3-Tag

ID3-Tag
Anzeige des ID3-Tags im Eigenschaftenfenster einer mp3-Datei im Dateimanager Konqueror

Als ID3-Tag bezeichnet man ein Format für Zusatzinformationen (Metadaten), die in Audiodateien des MP3-Formats enthalten sein können. ID3 steht für Identify an MP3 („Identifiziere eine MP3-Datei“); der englische Begriff Tag bedeutet so viel wie Schildchen oder Etikett.

Inhaltsverzeichnis

Motivation

Bevor es ID3-Tags für Informationen wie den Namen des Albums, des Künstlers oder des Musik-Stils gab, mussten der Datei- oder Verzeichnisname diese Angaben aufnehmen. Die Folge waren sehr lange Dateinamen und daher unübersichtliche Verzeichnisse. Ferner eignen sich Dateisysteme oft nicht für alle Sonderzeichen, die für manche Titel, Interpreten oder Albennamen nötig sind, sowie für die Länge der benötigten Dateinamen; des Weiteren unterscheiden sich oft die Zeichenkodierungen, z. B. ISO 8859 und Unicode, Sonderzeichen wurden falsch interpretiert zwischen den verschiedenen code pages von ISO 8859 oder die Dateinamen werden bei der Übertragung über ein Netzwerk (genauer durch die Protokolle oder deren Implementierungen) verfälscht.

Deshalb entschloss man sich, diese Metadaten in einem reservierten Teil der Audiodateien unterzubringen.

In Anlehnung an ID3 entwickelte sich ein ähnliches Verfahren für Bilddateien im JPEG-Format, welche das Datum und ähnliche Informationen, die Exif-Information, enthalten.

Funktionsweise und Geschichte

Im MP3-Dateiformat sind Metainformationen standardmäßig nicht vorgesehen. ID3 ist auch in der neuesten Version ID3v2.4 nur ein informeller Standard, der bislang keinen Einzug in den MP3-Standard gefunden hat. Im Gegensatz zu neueren Formaten bzw. Containerformaten gibt es keine Unterscheidung zwischen Audio- und Metadaten, weshalb durch Mustererkennung herausgefunden werden muss, ob eines der nachfolgenden Formate in Betracht kommt.

Im Wesentlichen existieren zwei große Versionen des ID3-Tag-Formats, ID3v1 und ID3v2, die im Folgenden näher beschrieben werden.

Versionen

ID3v1

Die erste Version, ID3v1, wurde 1996 von Eric Kemp mit dem Programm „Studio3“ eingeführt. Um zu verhindern, dass ein Player versucht, die ID3v1-Daten als Audio-Informationen zu interpretieren, werden diese am Dateiende angefügt. Da standardkonforme MPEG- und MP3-Datenströme mit einer Datenende-Markierung versehen sind, ignorieren die Player alle darauf folgenden Daten.

ID3v1 ist einfach gehalten und besteht einzig aus einem 128 Byte großen Block mit festem Aufbau:

Offset Länge Bedeutung
0 3 Kennung „TAG“ zur Kennzeichnung eines ID3v1-Blocks
3 30 Songtitel
33 30 Künstler/Interpret
63 30 Album
93 4 Erscheinungsjahr
97 30 Beliebiger Kommentar
127 1 Genre

Mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:224 ≈ 0,000006 % beginnt ein normaler Datenblock in einem MP3-Datenstrom mit den drei Byte TAG und würde somit fälschlich als ID3v1-Block identifiziert. Eine mehr oder weniger sichere Lösung für dieses Identifikationsproblem besteht beispielsweise darin, die MP3-Datei nicht von vorne zu durchsuchen, sondern vom Dateiende her, indem man 128 Byte rückwärts springt und dort wieder vorwärtslesend die TAG-Marke sucht. Eine vollkommene Sicherheit gibt es aber auch dafür nicht.

Der Zeichensatz für die Textfelder ist nicht spezifiziert, üblich sind ASCII, ISO 8859-1 und Unicode, enkodiert als UTF-8. Dadurch kann es zu Fehlinterpretationen bei Umlauten und Sonderzeichen kommen.

Das Genre des Titels wird als einzelnes Byte kodiert. Es existiert dazu eine Liste, die angibt, welcher Wert welchem Genre entspricht.

Obwohl ID3v1 zahlreiche Schwächen aufwies, verbreitete es sich sehr schnell. Nachteile sind u. A.:

  • Begrenzung der Länge der Datenfelder auf weniger als 30 Zeichen, was insbesondere bei Titel und Album eine starke Einschränkung darstellt
  • fehlende Aussage über die Zeichenkodierung der Zeichenketten
  • keine Möglichkeit, ID3-Tags zu streamen, da die Kennung am Ende der Datei liegt, die ID3-Datenstruktur mithin an (durchsuchbare) Dateien gebunden ist, aber nicht in Datenströme eingeflochten werden kann
  • zu wenige Metadatenfelder

ID3v1.1

Eine Weiterentwicklung des ID3v1-Standards gestaltete sich schwierig, da die vorhandenen Felder bereits starr vorgegeben waren. Michael Mutschler gelang eine Erweiterung zu ID3v1.1. Dafür wurde das Kommentarfeld von 30 auf 28 Byte gekürzt. Darauf folgt ein Nullbyte, das sicherstellt, dass alle ID3-Reader mit der Auswertung der Zeichenketten aufhören. Das freigewordene Byte an Position 126 bekam die Bedeutung Titelnummer.

ID3v2

Aufgrund der Schwächen von ID3v1 wurde 1998 von Martin Nilsson und anderen ein neues Format entworfen, das den Namen ID3v2 erhielt. Die Zusatzinformationen werden dabei in einem Block vor oder seit ID3v2.4 auch nach den Audiodaten (dem MPEG-Stream) in die Datei eingefügt. Nach wie vor aktuell ist Version 4.0 vom 1. November 2000, auch als ID3v2.4.0 bekannt.

Einen ID3v2-Block erkennt man am Header, dessen erste fünf Byte aus der Zeichenkette "ID3" und der ID3v2-Version (z. B. $04 00 für ID3v2.4) bestehen.[1] ID3v2-Tags können außerdem so kodiert werden, dass Player, die ID3v2 nicht verstehen, diese Tags überspringen und nicht versuchen, sie als Audiodaten zu interpretieren.

In der aktuellen Version 2.4 werden viele Zusatzinformationen spezifiziert, es gibt jedoch kaum eine Implementierung, die den vollen Funktionsumfang unterstützt.[2] Eine Besonderheit sind zum Beispiel Cover-Bilder oder ganze Slideshows (zusammen auch als Album Art bekannt), die im ID3-Tag abgelegt werden können und durch das PIC-Flag identifiziert werden. Maximal sind 256 MiB große PNG- oder JPEG-Bilder spezifiziert, im Normalfall werden aber zwischen 32×32 bis zu 320×320 große Bilder abgelegt, die zum Beispiel vom Windows Media Player angezeigt werden können.[3]

ID3v2.2, v2.3 und v2.4

Einige Versionen von ID3-Tags sind inkompatibel zueinander. Die Hauptunterschiede sind:

  • v1 bis v2.2 gelten als veraltet; nur wenige Programme schreiben in der Standardeinstellung noch diese Tag-Version. Selbst der Grund der einfachen Implementierbarkeit in Abspielgeräten oder -programmen spricht nicht mehr dafür.
  • Ab Version 2.3 werden bestimmte zu verwendende Zeichenkodierungen festgelegt. v2.3 unterstützt die Kodierungen ISO 8859-1 und UTF-16, v2.4 unterstützt darüber hinaus UTF-8.
  • Normalerweise stehen v2-Tags am Anfang einer Datei, v2.4 erlaubt sie aber auch am Ende. Bislang unterstützen jedoch weder Tagging-Programme, noch Software- oder Hardware-Player diese Variante.
  • Ab Version 2.4 können Text-Attribute wie das Genre oder der Künstler Mehrfachwerte bekommen. So kann ein Lied beispielsweise zwei Genres oder ein Duett beiden Sängern zugeordnet werden, statt die Namen manuell zu einer Zeichenkette „Künster A, Künstler B“ bzw. „Jazz-Pop“ zusammenzufassen.

Die am weitesten verbreitete Version v2.3 wird von fast allen neueren Programmen und Geräten unterstützt; einige haben jedoch Probleme beim Lesen von Unicode-Tags, obwohl der Standard diese Kodierung spezifiziert.

UTF-8-kodierte Tags der Version 2.4 bilden die neueste und flexibelste Version des v2-Standards. Trotz deutlicher Fortschritte in jüngerer Zeit werden die Neuerungen von v2.4 oft nur teilweise unterstützt. So wird bei Text-Attributen mit Mehrfachwerten oft nur der erste angezeigt, oder die Werte zusammengehängt, so dass aus den beiden Genres „Pop“ und „Jazz“ dann beispielsweise „PopJazz“ oder „JazzPop“ werden.

Anzeigen von ID3-Tags

Die meisten mobilen MP3-Player sind in der Lage, ID3-Tags darzustellen. Außerdem haben viele moderne Betriebssysteme und Arbeitsumgebungen von Grund auf eine ID3-Unterstützung implementiert. Unter Linux gibt es neben den Kommandozeilenwerkzeuge id3 (für ID3v1-Tags) und id3v2 (für ID3v2-Tags) auch grafische Anzeige- und Editiermöglichkeiten, z. B. in KDE das kfile-Plugin – siehe das Bild zu Konqueror weiter oben. Unter Windows ermöglicht der Explorer das Anzeigen und Bearbeiten von ID3-Tags. Von diesen Möglichkeiten abgesehen bieten die meisten Audioplayer diese Funktion ebenfalls.

Bearbeiten von ID3-Tags

Siehe auch den Hauptartikel Tag-Editor.

Um ID3-Tags zu bearbeiten, wird ein sogenannter Tag-Editor benötigt. In den meisten Abspielprogrammen ist ein solcher bereits integriert. Zudem gibt es eine Reihe spezialisierter Editoren (Standalone-Tag-Editoren) mit erweitertem Funktionsumfang.

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Martin Nilsson: ID3 tag version 2.4.0 - Main Structure. Abgerufen am 5. September 2011 (englisch).
  2. ID3.org Home. abgerufen am 7. September 2011 (englisch): „While there are legacy and future standards for ID3 tags, the most popular version implemented today is ID3 version 2.3. A follow on version, 2.4, is documented on this website but has not achieved popular status due to some disagreements on some of the revisions and the tremendous inertia present in the software and hardware marketplace.“
  3. Richard Farrar: Embedding Album Art in MP3 Files. 18. Juni 2008, abgerufen am 7. September 2011 (englisch).

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