Jiri Weil

Jiri Weil

Jiří Weil (* 6. August 1900 in Praskolesy (bei Horovice); † 13. Dezember 1959 in Prag) war ein tschechischer Schriftsteller, Literaturkritiker, Journalist und Übersetzer.

Biographie

Nach dem Abitur 1919 studierte er an der Karls-Universität in Prag slawische Philologie und vergleichende Literatur. Das Studium schloss er 1928 mit einer Doktorarbeit zum Thema Gogol und englischer Roman des 18. Jahrhunderts ab. Schon während seines Studiums arbeitete er bis 1931 als Übersetzer für die Presseabteilung der sowjetischen Vertretung in Prag.

Weil, überzeugter Kommunist, war Mitglied mehrerer avantgardistischer Gruppen wie "Devětsil" und lebte von 1933 bis 1935 in der Sowjetunion. 1937 schloss man ihn wegen seines im gleichen Jahr erscheinenden Romans "Moskau Die Grenze" (1937), in dem er sich kritisch mit der sowjetischen, stalinistischen Wirklichkeit u.a. des politischen Terrors um 1935 auseinandersetzte, aus der Partei aus. Er ging ein halbes Jahr nach Mittelasien (Kirgisien und Kasachstan). Ende 1935 kehrte er zurück und widmete sich publizistischer Arbeit. Als ihm als Juden die Deportation drohte, ging er in die Illegalität (1942-45).

Von 1946 bis 1949 arbeitete er als Redakteur des Europäischen literarischen Clubs bevor er 1950 für acht Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter an das Jüdische Museum in Prag ging. 1951 schloss man ihm aus dem Syndikat tschechischer Schriftsteller aus. 1956 durfte er in den Verband wieder eintreten, der größte Teil seiner Werke erschien jedoch später.

Werke

Weil publizierte in zahlreichen Zeitschriften und Zeitungen, darunter Literární noviny und Rudé Právo.

Sein Werk wirkte wegweisend für die moderne Prosa. Er war ein sehr bedeutender Übersetzer russischer Literatur, vor allem von Werken der Schriftsteller Wladimir Wladimirowitsch Majakowski, Nikolaj Assejew, Boris Leonidowitsch Pasternak, Maxim Gorki, Michail Michailowitsch Soschtschenko und Nadeschda Konstantinowna Krupskaja.

In seinem 1947 erschienenen dokumentarischen Roman Erinnerungen an Julius Fučík (Vzpomínky na Julia Fučíka), ist die Hauptfigur ein zu Unrecht angeklagter Kommunist. Dieser nutzt die Möglichkeit einer Flucht nicht, sondern bekennt sich im Interesse der Partei zu Taten, die er nicht begangen hat und nimmt die Bestrafung an. Dieses Werk war in seiner Zeit eine der härtesten Kritiken am Stalinismus. Nicht-Kommunisten störte dabei vor allem die frühere Zugehörigkeit Weils zur kommunistischen Partei. Dieses Buch wurde seinerzeit von allen tschechischen Stalinisten hart kritisiert. Der schärfste Kritiker war dabei sein Freund Julius Fučík.

In deutscher Sprache wurden publiziert:

  • Leben mit dem Stern, 2000 - Roman mit autobiographischen Hintergrund. Der Held weigert sich in einen Deportationszug zu steigen.
  • Elegie für 77297 Opfer, 1999
  • Mendelssohn auf dem Dach, 1995 - Ein Roman über Antisemitismus
  • Moskau, die Grenze, 1992
  • Exil in der Sowjetunion, 1976

Quelle

  • Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Der Brockhaus multimedial premium 2005, 2005
  • Tschechische Literatur seit 1945 (Česká literatura od r. 1945)

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