- Konservative Judentum
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Das Konservative Judentum ist eine Strömung innerhalb des Judentums, die ab Mitte des 19. Jahrhunderts entstand und sich zwischen der Orthodoxie und den Liberalen ansiedelt. Als sein Gründer gilt Rabbiner Zacharias Frankel (1801–1875), der erste Direktor des 1854 eröffneten Jüdisch-theologischen Rabbinerseminars in Breslau.
Inhaltsverzeichnis
Grundsätzliches
Die Richtung des konservativen Judentums wird vor allem mit den Vereinigten Staaten (conservative judaism) in Verbindung gebracht, während man das, was man in den USA unter conservative verstand und versteht, in Deutschland eher unter Reform- oder liberalem Judentum subsumierte (was aber in keiner Weise dem conservative judaism entsprach), allerdings entsteht seit einigen Jahren auch in Deutschland eine (zahlenmäßig noch kleine) sich bewusst konservativ nennende Denomination des Judentums, die sich von den als zu libertär empfundenen Reformgemeinden, deren jüdisches Erbe zerfließe, bewusst abgrenzen will.
Im heutigen Deutschland ist das konservative Judentum vor allem in Berlin vertreten, aber auch in der jüdischen Gemeinde Weiden. Der Masorti Verein in Berlin unterhält unter anderem einen jüdischen Kindergarten und kümmert sich um die sprachliche und religiöse Integration von Einwanderern aus den GUS-Staaten.
Ziel der konservativen Bewegung ist das Bewahren der Tradition, soweit sie mit modernen Erkenntnissen und Lebensumständen vereinbar ist, also die Annahme einer historisch bedingten Veränderlichkeit des Judentums bei voller Wahrung einer übergeschichtlichen Substanz. Dabei besteht eine feste Bindung an die Halacha, d. h. das jüdische Religionsgesetz, das als „Grundnorm“ des konservativen Judentums gilt. Es können hierbei aber auch rechtliche Grundlagen gelten, die von der heute praktizierten Halacha abweichen, wenn sie eine Basis in der jüdischen Rechtsliteratur haben.
Heute gibt es auch im konservativen Judentum verschiedene Ausprägungen, so z. B. das neologe Judentum in Ungarn, das sich liturgisch an das Altliberale Judentum in Deutschland anlehnt, die Masorti-Bewegung mit dem Hauptsitz in Jerusalem oder das Conservative Movement in den USA.
Mitglieder der konservativen Bewegung werden angehalten, die Speisegebote (Kaschrut) und die Ruhevorschriften für den Schabbat strikt einzuhalten, wobei einige Regelungen etwas milder als in der Orthodoxie ausgelegt werden. Konservative Gemeinden halten sich außerdem weitgehend an die traditionelle Form der Liturgie.
Allerdings gibt es Unterschiede zur Orthodoxie im Geschlechterrollenverständnis: Außer den neologen Strömungen setzt sich das konservative Judentum für eine konsequente Gleichberechtigung von Männern und Frauen ein, das konservative Rabbinerseminar in New York lässt seit 1984 Frauen zum Rabbinerstudiengang zu.
Auch wenn bei der Observanz (Einhaltung der religiösen Vorschriften) und der Liturgie eine gewisse Nähe zur Orthodoxie besteht, werden Entscheidungen konservativer Rabbiner von den Orthodoxen nicht anerkannt. Hingegen sind die Grenzen zwischen dem konservativen und dem liberalen Judentum eher fließend.
Entwicklung in den Vereinigten Staaten
Über deutsche Auswanderer kam die konservative Bewegung in die USA, wo sie heute eine der stärksten Strömungen innerhalb der jüdischen Religion ist. Hier wurden auch Gremien geschaffen, die sich mit halachischen – religionsgesetzlichen – Regelungen für Fragen des jüdischen Alltags und des Ritus befassten und allgemeine Richtlinien für die konservative Bewegung schufen. Unter den Vordenkern des Konservativen Judentums in den USA sind vor allem Isaac Leeser (1806–1868) und Sabato Morais (1823–1897) zu nennen.[1] Diese Männer waren Reformen keineswegs abgeneigt; Leeser z. B. war es, der erstmals englischsprachige Elemente in die traditionell hebräische Liturgie des jüdischen Gottesdienstes einführte. Ziel der Konservativen war es vielmehr, Juden eine Anpassung an die amerikanische Kultur zu ermöglichen, ohne dabei ihre religiösen Grundsätze zu beugen. Morais gründete 1885 das „Jewish Theological Seminary“ (in Anlehnung an das Breslauer Jüdisch-theologische Seminar), das zum akademischen und geistigen Zentrum der Bewegung wurde.[2] Als sich nach einer Einwanderungswelle osteuropäischer und russischer Juden (1880–1920) das Problem des massenhaften Glaubensverfalls stellte, versuchte das Seminar unter Cyrus Adler und Solomon Schechter, ein Gegengewicht zu bilden. Eine weitere prominente Institution des konservativen Judentums in den USA war die 1913 gegründete „United Synagogue of America“, in der die Synagogen der konservativen Tradition organisiert waren.
Entwicklung in Deutschland
In Deutschland gründete sich in Berlin im Jahr 2002 das Masorti-Lehrhaus. Seit Mitte 2006 amtiert mit Rabbinerin Gesa Ederberg eine konservative Rabbinerin in der jüdischen Gemeinde zu Berlin, seit Mitte 2007 auch offiziell als Gemeinderabbinerin.
In Hamburg gibt es seit 2008 den Masorti Minyan Beit Shira.
Quellen
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