Oberheim

Oberheim

Das US-amerikanische Unternehmen Oberheim war einer der bekanntesten Hersteller von Synthesizern in den 1970er und 1980er Jahren.

Allgemeines

Oberheim Synthesizer

Oberheim (Oberheim Electronics) wurde 1970 von Tom Oberheim gegründet. Ursprünglich stellte er elektronische Effektgeräte her und war kurzzeitig Vertreter von ARP Instruments. Oberheim gehörte zu den Pionieren bei der Entwicklung des Synthesizers in den frühen 1970er Jahren. So produzierte Oberheim mit dem DS-2 den ersten digitalen Sequenzer und mit dem Synthesizer Expansion Module (SEM) den ersten polyphonen Synthesizer.

Ursprünglich nur als monophones Expander-Modul für den Minimoog gedacht, erschien das SEM-Modul ab Mitte der 70er Jahre auch als zwei-, vier- und achstimmige Tastaturversion (dementsprechend "Two Voice", "Four Voice" und "Eight Voice" genannt) in einem Flightcase-Gehäuse. Hierbei wurden die SEM-Module einfach nebeneinander (bzw. beim Eight-Voice sogar in zwei Vierer-Reihen übereinander) angeordnet. Diese Synthesizer waren die ersten multi-timbralen Synthesizer der Welt, da man jedem enthaltenen Modul bei Bedarf einen eigenen Tastaturbereich zuordnen konnte.

Ab 1980 war das SEM-Modul dann der Ausgangspunkt einer ganzen Reihe spektakulärer, einfach zu bedienender Synthesizer. Hierzu gehören die Modelle OB-X, OB-Xa (beide jeweils als vier-, sechs- und achtstimmig polyphone Variante erhältlich), die reine Preset-Version OB-Sx (4-, 5- oder 6-stimmig) sowie der 1983 erschienene, 8-stimmige OB-8.

Der multi-timbrale Grundgedanke wurde bei diesen Geräten zunächst wieder aufgegeben, wobei aber zumindest die Modelle OB-Xa und OB-8 immerhin noch bi-timbral waren, da hier Split- und Dual-Klänge möglich sind. Gegenüber den alten Vorgängern waren die SEM-Module nun als kompakte "Voice-Cards" unter der Gehäusehaube verschwunden und wurden durch ein einziges, einheitliches Bedienpanel bedient.

Die späteren OB-8-Modelle (Version "B") waren mit einer Midi-Schnittstelle ausgerüstet und verfügten auf dem Bedienpanel über eine zusätzliche Beschriftung bezüglich der Zweitfunktionen diverser Bedienknöpfe.

1984 erschien der Xpander, ein Synthesizer-Modul mit der von Oberheim entwickelten "Matrix Modulation". Diese erinnert an die Möglichkeiten der freien Patchverbindungen eines Modularsystems. Der Xpander hatte keine Tastatur und musste über eine via MIDI angeschlossene externe Tastatur gespielt werden. Die Controller-Möglichkeiten, die MIDI-Implementation, sowie die sehr üppige Ausstattung mit sechs Stimmen (2xVCO, 15-fachem Multimode-Filter VCF, 5 Hüllkurvengeneratoren, 5 LFOs, Matrix-Modulation etc...) waren ein Novum zu dieser Zeit. Der Xpander kostete damals rund 10.000 DM. Die sechs Stimmen konnten einzeln mit individuellen Klängen über MIDI angesteuert und gespielt werden, was dazumal bei keinem anderen Gerät zu finden war. Der Clou war die *hybride* Bauweise. Oszillatoren, Filter waren analoge Schaltungen. LFO, EG, Matrix-Modulation etc. wurde auf zwei Intel-8088-Prozessoren berechnet. Einerseits ermöglichte diese Aufteilung den großen Funktionsumfang, andererseits sind die Hüllkurven, vor allem aus heutiger Sicht, eher etwas träge und eignen sich besser für Pad-Sounds als scharfe Attack-, oder Bass-Sounds. Für die Entwicklung des Xpanders und dessen 12-stimmig polyphoner Tastaturversion Matrix-12 war im Wesentlichen Marcus Ryle verantwortlich.

Besagter Matrix-12 kam 1985 für ca. 15.000 DM auf den Markt und war im Prinzip ein doppelter Xpander mit Tastatur.

1986 wurde der Matrix-6 ins Leben gerufen. Vielleicht mehr eine Antwort auf die Fertigungsweise und Preispolitik aus Fernost als ein *halber* Matrix-12. Der Matrix-6 war ein stark abgespeckter Matrix-12/Xpander und hatte neben den beiden DCOs, zwei LFOs, einen einfachen 24dB/oct LP-Filter und drei Hüllkurven. Trotz dieser Einbußen klang der Matrix-6 aber ganz eindeutig nach Oberheim. Der Matrix-6 kostete damals rund 4.500 DM. Vom Matrix-6 gab es eine Rackversion, den Matrix-6R. Der Matrix-1000 ist de facto ein Matrix-6 / 6R mit 1000 Patches (davon 800 ROM-Presets) aber ohne Bedienfeld auf einer HE. Er ist via Midi vollständig editierbar.

Den Matrix 1000 gab es zunächst in einer schwarzen und später in einer weißen Gehäusevariante. Bei den jüngeren Modellen wurde ein störendes Netzteil-Brummen beseitigt.

Der Modell-Name "Matrix" ist auf die integrierte Matrix-Modulation zurückzuführen.

Die Oberheims hatten ihren eigenen und sehr spezifischen Klang, der auf vielen, im speziellen 80er-, respektive spät 80er- LA / WestCoast Produktionen zu finden war. Gerade die Synth-Horn Patches werden unweigerlich mit den Toto Hits aus den 80ern in Verbindung gebracht.

Alle Oberheim-Synthesizer basierten auf der analogen subtraktiven Synthese. Der Oberheim-Klang war dafür bekannt, besonders kraftvoll aber auch warm und weich zu sein. Eines der berühmtesten Beispiele für den druckvollen Klang der Oberheim-Synthesizer, ist auf dem Lied "JUMP" von Van Halen zu hören, welches mit einem OB-Xa eingespielt wurde. Das ausgesprochen hochklassige harmonische Zusammenspiel des DSX-Sequencers mit dem Synthesizer OB-8, gegen Ende des Liedes "Every Little Thing She Does Is Magic" der Gruppe The Police, ist ein Meisterwerk der Synthesizerprogrammierung. Beispiele für weiche Klänge hört man auch auf den frühen Aufnahmen der Pat Metheny Group.

Wie viele der Pionier-Unternehmen zwangen die wirtschaftliche Konkurrenz aus Fernost und neue Techniken wie FM-Synthese und Sampling das Unternehmen in die Knie. Heute gehört der Name Oberheim der Firma Gibson, die Effektgeräte für E-Gitarren, sowie MIDI-Module und Keyboards darunter verkauft. Schon 1987 gründete Tom Oberheim das Unternehmen Marion Systems, aber erst 1994 folgten mit dem OB-MX und einem neuen Matrix-1000 wieder Synthesizer unter neuem Namen, aber im typischen Oberheim-Design.

Ende der 90er Jahre produzierte das mit Sakralorgeln bekannt gewordene italienische Unternehmen Viscount einige Geräte unter dem Markennamen "Oberheim-Viscount Joint Venture". Unter den Produkten fand sich auch der Synthesizer OB-12, der jedoch außer dem Namen nicht viel mit den alten Geräten von Oberheim gemeinsam hatte.

Weblinks

 Commons: Oberheim Electronics – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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