Panthera tigris sondaica

Panthera tigris sondaica
Java-Tiger

Java-Tiger (Panthera tigris sondaica)

Systematik
Überfamilie: Katzenartige (Feloidea)
Familie: Katzen (Felidea)
Unterfamilie: Großkatzen (Pantherinae)
Gattung: Panthera
Art: Tiger (P. tigris)
Unterart: Java-Tiger
Wissenschaftlicher Name
Panthera tigris sondaica
(Temminck 1844)

Der Java-Tiger (Panthera tigris sondaica) ist eine ausgestorbene Unterart des Tigers, die auf der indonesischen Insel Java beheimatet war. Der Java-Tiger war einer von drei insularen Tigern. Weitere insulare Tiger sind der Bali-Tiger (ausgestorben) sowie der Sumatra-Tiger.


Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Körperbau

Der Java-Tiger gehörte zusammen mit dem Sumatra-Tiger und dem Bali-Tiger zu den kleineren Subspezies des Tigers. Diese drei Unterarten sind wie erwähnt insulare Tiger; waren also territorial auf die Größe der Insel beschränkt. Dies führte dazu, dass sie sich dem Lebensraum anpassen mussten und in ihre körperliche Entwicklung in Bezug auf die Größe eingeschränkter blieb, als bei Subspezies mit größerem territorialem Habitat: in Zeiten weiter Verbreitung des Java-Tigers mussten sich viele Exemplare ein kleines Territorium teilen. Somit war der Java-Tiger die zweitkleinste Tiger-Subspezies vor dem Bali-Tiger. Das Männchen erreichte eine Körperlänge von 200 bis 240 cm, bei einem Gewicht um ca. 130kg. Weibchen wurden bis zu 200 cm lang und hatten ein maximales Gewicht von 100kg.

Fell

Der Java-Tiger hatte nie rein weiße Stellen im Fell. Insgesamt ist sein Fell deutlich dunkler als bei anderen Arten. Bemerkenswert ist die Tendenz zur Streifenreduktion im vorderen Bereich des Felles. Zu sehen ist dies bei drei Exemplaren im Rijksmuseum in Leiden und der Sammlung des Zoologischen Museum Amsterdam, sowie im Museum Wiesbaden.

Ernährung

Das Beutespektrum des Java-Tigers erstreckte sich auf alle in seinem insularen Habitat vorkommenden Groß- und Kleinsäugetiere, selten auch Wasservögel oder Reptilien.

Fortpflanzung und Lebensdauer

Die Tragzeit des Java-Tigers wurde nie durch zoologische Untersuchungen evaluiert. Da es sich jedoch um ein endemisches Exemplar ähnlich dem Sumatra-Tiger handelte, ist ebenfalls eine max. Trächtigkeit von 100 Tagen anzunehmen. Da der Java-Tiger als ausgestorben gilt und zwar Zootiere gehalten wurden, jedoch über diese keine verwertbaren Aufzeichnungen gemacht wurden, kann die Lebensdauer in Gefangenschaft nicht näher spezifiziert werden. In freier Wildbahn betrug sie maximal 15 Jahre.


Verbreitungsgebiet des Java-Tigers

Verbreitung

Anfang des 19. Jahrhunderts erstreckte sich der Lebensraum des Java-Tigers ursprünglich über die gesamte Fläche der indonesischen Insel Java. Letzte Rückzugsregion dieser Subspezies waren nach Ende des zweiten Weltkriegs die unzugänglichen Gebirgsregionen im Südosten Javas. Vornehmlich in den bewaldeten Bergen um die Region Meru Betiri, einem der Nationalparks in Indonesien in Südost-Java.

Ausrottung

Der Java-Tiger stand ähnlich wie der ausgestorbene Bali-Tiger und dem extrem bedrohten Sumatra-Tiger vor der Problematik durch die insular bedingte geographische Begrenzung kaum Rückzugsgebiete zu haben.

Grundsätzlich sind folgende Gründe für das Aussterben des Java-Tigers zu sehen:

Überbevölkerung und Kultivierung

Der extreme Bevölkerungsanstieg im 20. Jahrhunderts auf der Insel Java führte zu einer extremen Zerstückelung und Einengung des natürlichen Lebenshabitates des Java-Tigers. Mehr Menschen bedeutete mehr Bedarf an Nahrung. Dies führte zur Zerstörung natürlicher Regenwälder zu Gunsten der Kultivierung für landwirtschaftliche Zwecke.

Bejagung

Schon sehr früh wurde der Java-Tiger durch Einheimische, aber auch westeuropäische Kolonialisten (Niederländer, Briten; siehe auch: Java, Abschnitt Kolonialzeit) extensiv bejagt. Der Java-Tiger wurde von der einheimischen Bevölkerung als Bedrohung angesehen und hatte nicht den mystischen Charakter, wie in anderen südostasiatischen Kulturen. Der mystisch-religiöse Charakter (siehe: Animismus) bot zumindest einen rudimentären Schutz für den Tiger - dies war auf Java nicht der Fall. Sowohl niederländische, als auch britische Kolonialisten bejagten den Java-Tiger aus mehr als zweifelhaften Gründen. Die Jagd war ähnlich wie in der britischen Kolonialzeit in Indien ein "abenteuerlicher" Sport. Nicht zu vernachlässigen ist auch die Bejagung durch Wilderer um aus den Fellen des Java-Tigers Profit zu schlagen. Eine Verwendung von weiteren Körperteilen des Tigers (wie in der traditionellen chinesischen Medizin) spielte hingegen keine Rolle.

Datierung

Schon in den 1960er Jahren fürchteten Umweltaktivisten und Naturschützer, dass der Java-Tiger endgültig von der Insel verschwunden sei. Es wurden vereinzelt Spuren gefunden (Fußabdrücke, Kot, Reste von Beute), die dem Java-Tiger zugeordnet wurden, jedoch als solche von Leoparden nachgewiesen werden konnten. 1971 schließlich konnte sicher eine kleine Restpopulation im Bereich Gunung Betiri (südöstliches Java) nachgewiesen. Zu diesem Zeitpunkt der Wiederentdeckung des Java-Tigers wurde das Gebiet zum Meru Betiri Nationalpark ausgewiesen. Dieser Nationalpark war jedoch durch Plantagenanbau (Kaffee und Kautschuk) extrem zersetzt; zudem gab es nur wenige Wildhüter, um die Ressourcen gegen Wilderer zu schützen. 1980 wurde der sogenannte "Management plan" durch die indonesische Umweltbehörde zur Sicherung der extrem geringen Bestände des Java-Tigers ins Leben gerufen (siehe: The Javan Tiger auf Save The Tiger Fund). Dieser Plan kam jedoch offensichtlich zu spät. In diesem Jahr (1980) wurden fünf wild lebende Exemplare angenommen, von denen drei Exemplare in Meru Betiri nachgewiesen werden konnten. Zusammen mit der indonesischen Regierung wurde vom WWF (World Wildlife Foundation) eine Suche nach weiteren Exemplaren durchgeführt. Diese verlief erfolglos. 1994 schließlich wurde vom WWF der Java-Tiger als ausgestorben datiert.

Dennoch wurde im Jahre 1999 im Meru Betiri Nationalpark eine weitere Suche initiiert, um möglicherweise das Vorkommen von Java-Tigern zu beweisen. Es wurden zwölf Parkranger speziell für die Tiger-Suche ausgebildet, eine Vielzahl von Kamerafallen installiert und die Leitung dieses Projektes lag bei dem zuständigen Direktor des Nationalparks Indra Arinal in Kooperation mit dem "Director of Conservation of Flora and Wildife for Java" (Ir. Koes Saparjadi). Doch auch diese Suche blieb letztlich erfolglos[1].

Schließlich wurde der Java-Tiger in der Roten Liste im Jahre 2003 auf den Status EX (extinct) gesetzt [2].

Es gilt gemeinhin als gesichert, dass der Java-Tiger zumindest bis Anfang der 1980er Jahre in den abgelegenen Gebirgsregionen des südöstlichen Javas überlebte. In Gefangenschaft (Zoos, Wildparks, Privatbesitz) befinden sich keine Exemplare.

Unbestätigte Sichtungen

Bis in die späteren 1990er Jahre wurden wiederholt durch Einheimische Sichtungen berichtet. Diese wurden jedoch nie von offiziellen Stellen bestätigt. Diese Berichte zogen sich bis Anfang dieses Jahrhunderts. Danach wurden vorerst keine weiteren bekannt.

Neuere Sichtungen

Zwei Meldungen, datierend auf den 17. November 2008 sowie den 24. Januar 2009, schüren Gerüchte über die Existenz des Java-Tigers und sorgten für große Aufmerksamkeit in der Fachwelt. Diese Meldungen sind in soweit ernst zu nehmen, als dass sie durch Quellen belegbar sind und unter der javanesischen Bevölkerung für großes Aufsehen sorgten und offizielle Stellen sich damit beschäftigten. Am 17. November 2008 wurde die weibliche Leiche einer nicht identifizierten Bergsteigerin im Mount Merabau Nationalpark auf Zentraljava gefunden. Nach indonesischen Medienberichten sei diese einer Tigerattacke zum Opfer gefallen. Die Bewohner eines naheglegenen Dorfes gaben zudem an, verschiedentlich Tiger gesichtet zu haben. Die zweite Sichtung bezieht sich auf den 24. Januar 2009. In der Provinz Magetan gaben verschiedene Dorfbewohner an, in der Nähe des Mt. Lawu eine Tigerin mit zwei Jungen gesichtet zu haben. Diese Meldung führte zu einer Panik unter den Dorfbewohnern und es wurde eine Untersuchung durch lokale Behörden durchgeführt. Diese führte jedoch nur zur Feststellung von Fußabdrücken, die jedoch auch von einem sehr großen Leoparden stammen könnten.[3] Auch wenn Behörden in beiden Vorfällen involviert waren, gibt es bis jetzt keine offizielle Bestätigung.

Der Pressesprecher des Meru Betiri Nationalparks, Herry Subagiadi, bestätigte, dass nach wie vor Kamerafallen installiert sind und im Jahre 2010 eine Expedition zur Wiederentdeckung des Java-Tigers angedacht ist, nachdem im Jahre 2006 eine Expedition keine Ergebnisse lieferte.[4]

So lange kein unantastbarer Beweis für die Existenz dieser Subspezies geliefert wird, gilt der Java-Tiger als ausgestorben.

Etymologie

Sprachlich-zoologische Zuordnung

Der zoologische Fachterminus Panthera tigris sondaica geht auf den Wortstamm Sunda zurück. Sunda bezeichnet eine ehemalige Landmasse (Sunda_(Geologie)), die die heutigen Sunda-Inseln umfasst, also vor allem Java, Borneo (der indonesische Teil wird als Kalimantan bezeichnet), Sumatra und Sulawesi. Der Begriff Sunda-Inseln ist eine geographische Zuordnungsbezeichnung und hat keine staatsrechtliche Relevanz. Große Teile der Sunda-Inseln gehören zum indonesischen Staatsgebiet (Ausnahme: Teile der Insel Borneo, die zu Malaysia gehören).

Landessprachliche Besonderheiten

Bei Befragungen der ländlichen Bevölkerung der Insel Java kommt es immer wieder zu sprachlichen Verwirrungen in der javanesischen Landessprache Bahasa Indonesia. Das indonesische Wort für "Tiger" lautet harimau oder auch macan. Die indonesische Übersetzung für "Leopard" lautet macan tutul. Oftmals wird diese Bezeichnung abgekürzt und auch Leoparden werden umgangssprachlich als macan bezeichnet. Viele Berichte über Tiger könnten so in Wirklichkeit Leoparden meinen [5].

Quellen

  • Vratislav Mazák: Der Tiger. A.Ziemsen Verlag, Wittenberg Lutherstadt, DDR, 1983

Einzelnachweise

  1. Javan Tigers in Meru Betiri National Park
  2. ICUN 2008 Red List - Panthera tigris sondaica
  3. Pressemitteilung (indon., Übersetzung ins Englische auf Anfrage) auf Java Pos, Jakarta, Java
  4. Schriftliche Bestätigung auf Anfrage an Meru Betiri Nationalpark vom 26. Februar 2009; Korrespondenz einsehbar über Autor des Abschnitts.
  5. [1] siehe Sederet.com; Indonesian - English Dictionary]

Weblinks


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