Solutreen

Solutreen

Das Solutréen ist eine jüngere Kulturstufe oder Industrie der Altsteinzeit (Paläolithikum), benannt nach der Fundstätte eines fossilen Korallenriffs bei Solutré-Pouilly, nahe Mâcon im Département Saône-et-Loire in Burgund, Frankreich.

Inhaltsverzeichnis

Zeitliche Stellung und regionale Verbreitung

Das Solutréen folgte auf das Gravettien und wird auf den Zeitraum von ca. 22.000 bis 16.500 vor heute datiert. Weit verbreitet war es in Frankreich, Portugal und Spanien, daneben finden sich auch Funde in Deutschland, Ungarn, Tschechien und der Slowakei. Das früheste Solutréen findet sich im Ardèche-Tal und im Périgord.

Der sogenannte Kennewick-Mann, gefunden in Washington, der der Clovis-Kultur zugerechnet wird und etwa 9.500 Jahre alt ist, wurde von einigen Forschern als kaukasoid identifiziert, was zu Spekulationen über eine Besiedelung Amerikas durch Europäer führte. Auch wird eine Beeinflussung der Clovis-Kultur durch das allerdings deutlich ältere Solutréen vermutet. Solutréen-Funde in Ostasien oder Sibirien fehlen aber.

Die nachfolgende Kultur war das Magdalénien.

Funde

Blattspitze des Solutréen

Typisch für das Solutréen sind Gegenstände, die durch Abschlagen dünner Lamellen aus Feuerstein hergestellt wurden. Charakteristisch sind flächenretuschierte Blatt- und Kerbspitzen, wovon ein Depot von ca. 20.000 Jahre alten Blattspitzen in Volgu (nahe Digoin) gefunden wurde. Die im Musée Dénon in Chalon-sur-Saône ausgestellten, bis zu 40 cm großen, hauchdünnen Spitzen zählen bis heute zu den eindrucksvollsten Steingeräten des gesamten europäischen Paläolithikums. Viele Geräte des Aurignacien blieben weiterhin in Gebrauch. Selten finden sich Stichel, Rückenmesser, Bohrer und Schaber - ebenfalls oft mit Rand- und Flächenretuschen.

In Frankreich lässt sich eine Dreiteilung anhand des Fundinventars feststellen: Im unteren Solutréen finden sich einfache, glatte Doppelspitzen, das mittlere ist durch doppelseitig retuschierte Lorbeer- und Weidenblattspitzen gekennzeichnet und das obere durch Kerbspitzen. Aus Geweih oder Knochen wurden Geschossspitzen hergestellt.

Entdeckungen und Erfindungen

Die Menschen des Solutréen nutzen als erste Nadeln

Auch die Erfindung der Nadel mit Öhr ist den Menschen der Altsteinzeit im Solutréen zuzuordnen, hergestellt aus Knochen. Das erlaubt den Rückschluss auf genähte (Fell-)bekleidung. Erstmals treten Lochstäbe auf und es wurden weit vom Eingang entfernte Höhlenbereiche erkundet, was sich etwa an Felszeichnungen und Reliefs von Tieren zeigt. Auch Kleinkunst findet sich: Gravierte Knochen, bemalte Steinplättchen mit Figuren [1] weisen auf ein entwickeltes Kunstverständnis hin, es fehlen allerdings fast vollständig Vollplastiken.

Riesige Feuerstellen fanden sich, bis zu 18 x 9 Meter groß, auf denen mehrere Tiere gleichzeitig gebraten werden konnten. Fast alle gefundenen Knochen sind zur Gewinnung des Knochenmarks aufgeschlagen worden. Beim namensgebenden Solutré fand man an einem steilen Berghang die Knochen von über 100.000 Wildpferden.

Anmerkungen

  1. Etwa in der ostspanischen Parpalló-Höhle, wo sich etwa 5.000 Steinplatten mit Tierfiguren fanden.

Literatur

  • Adrien Arcelin: Les fouilles de Solutré. Mâcon (1873)
  • H. Breuil: Quatre cents siècles d'art pariétal. (1952)
  • F. Djindjian, J. Koslowski, M. Otte : Le Paléolithique supérieur en Europe, A. Colin (1999) ISBN 2-200-25107-6
  • Ph. Smith: Soulutréen en France. Bordeaux (1966)

Weblinks


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