Sonnenwagen

Sonnenwagen

Als Sonnenwagen oder Sonnenschiff wird in der frühen Mythologie die scheinbare tägliche Sonnenlauf von Ost nach West und der seinerzeit noch vollkommen unklare Rückweg dargestellt. Je nach dem Konzept der Kosmologie steuert der Sonnengott etwa einen Wagen oder ein Schiff (auch andere Transportmittel sind überliefert) und ist Verehrungsobjekt eines Sonnenkults. Kennzeichnend in Darstellungen ist die Sonnenscheibe.

Inhaltsverzeichnis

Griechisch/römischer Mythenkreis

Apoll und der Sonnenwagen

Den Sonnenwagen fährt die altgriechische Sonnengottheit Helios Ἥλιος , ebenso der römische Apoll (lateinisch Solis currus ‚Sonnenwagen, Sonnenlauf‘). Gezogen wird der Wagen von vier Feuerrössern. Überliefert ist auch der Mythos von der Wagenfahrt seines Sohnes Phaethon Φαέθων damit, wo er die Bahn verlässt und die Erde verbrennt, bis er von Zeus in den Eridanus gestürzt wird. Bei Hesiod ist Phaeton aber der Morgenstern (Planet Venus), was Zusammenhänge mit jeweiligen Kalendersystemen vermuten lässt.

Germanische und keltische Mythen

Auch in der germanischen Mythologie findet sich der Sonnenwagen, nachgewiesen etwa im bronzezeitlichen Sonnenwagen von Trundholm (Nationalmuseums Kopenhagen). Ob der Kultwagen von Peckatel (Arch. Landesmuseum Mecklenburg Vorpommern) und der keltisch angenommene Strettweger Opferwagen (Joanneum Graz), beide mit Kessel, als Sonnenwagen gedeutet werden können, ist unsicher.

Auch die Namen der Sternbilder Großer und Kleiner Wagen (heute: Bär) werden in diesem Zusammenhang interpretiert, als Zirkumpolarsternbilder zeigen sie dem frühen Sterndeuter die Sonnenbahn.

Altes Ägypten

Die Sonnenbarke der ägyptischen Mythologie ist die himmlische Königssbarke des Re/Ra
C2
,
C1
oder
N5
, dargestellt in zahlreichen Sonnenheiligtümern: Re steigt jeden Abend von der Sonnen- in die Nachtbarke um, mit der er durch die unterweltlichen Wässer wieder zum Aufgangsort fährt. Auch Hathor
C9
, Trägerin der Sonnenscheibe, oft in Gestalt der Kuh, soll im Sonnenschiff unterwegs gewesen sein.

Chinesische Mythologie

In der chinesische Mythologie ist es Xi He chinesisch 羲和 xīhé, die den Sonnenwagen fährt, Mondgöttin ist die Chang E 嫦娥 cháng'é. Früher hatte Xi He für jeden Tag einer zehntägige Periode einzelne Sonnen geboren, dreifüßige Vögel namens 陽烏 yángwū oder 金烏 jīnwū, aber Houyi 后羿, der Bogenschütze, hatte sie erschossen, weil sie sich versammelten, und die Erde zu verbrennen drohten (es gibt auch einer Version, in der er die zehnte Sonne am Leben ließ, und ihr befahl, regelmäßig auf- und unterzugehen).[1] Diese Legende wird als Nachklang des Versagens eines frühen Kalendersystems und dessen Reform interpretiert.

Einzelnachweise

  1. 甘晶莹: 中秋节 Mid-Autumn Festival. 8. September 2008, abgerufen am 19. September 2009 (engl.). Vergl. Xihe, Houyi, Chang'e, Three-legged bird, Mid-Autumn Festival, engl. Wikipedia

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