Valentinstag-Massaker

Valentinstag-Massaker

Das Valentinstag-Massaker bezeichnet die Erschießung von sieben Personen am 14. Februar 1929, die Teil eines Bandenkrieges in Chicago war. Es wurden sieben Mitglieder bzw. Assoziierte aus dem Umfeld der North Side Gang erschossen. Obwohl keine Prominenten unter den Opfern waren, erlangte die Tat auf Grund ihrer Brutalität große Aufmerksamkeit in den Medien.

Inhaltsverzeichnis

Ablauf

Ein fünfköpfiges Killer-Team fuhr in zwei schwarzen Limousinen, die denen der Chicagoer Kriminalpolizei täuschend ähnlich sahen, um 10.30 Uhr an einer Garage (2122 N. Clark Street) vor, welche der „S-M-C Cartage Company“ gehörte. Die S-M-C war eine Scheinfirma der North Side Gang unter Bugs Moran, die vorgab, ein Umzugsunternehmen zu sein.

Drei der Killer trugen Polizeiuniformen und inszenierten eine Razzia. In der Garage trafen sie auf sieben Personen, welche mehr oder minder der „Nordseite“ zuzurechnen waren. Diese ließen sich widerstandslos entwaffnen und an die Wand stellen. Dort wurden sie mit zwei Thompson-Maschinenpistolen gegen 10.40 Uhr niedergeschossen. Bei ihrer sofortigen Flucht täuschten die Mörder eine Verhaftung vor, indem die beiden nicht uniformierten Täter von den uniformierten mit erhobenen Händen scheinbar abgeführt wurden.[1]

Opfer

Die Polizei identifizierte später die sieben Toten:

  • John May (25), der Mechaniker der Garage; hatte wegen Raub und Diebstahl bereits vor Gericht gestanden.
  • Adam Heyer (40-45) alias „Frank Snyder“ betrieb eine Hunderennbahn für Moran.
  • Albert Kachellek (39) alias „James Clark“; der Räuber und Einbrecher war mit den Gusenberg-Brüdern am Mord an Pasqualino „Patsy“ Lolordo, Präsident der Unione Siciliane und Freund von Al Capone, beteiligt.
  • Peter Gusenberg (40) und Frank Gusenberg (36) waren die wichtigsten Schläger der Gang. Frank Gusenberg überlebte den Überfall noch drei Stunden, machte aber keine Angaben zu den Tätern.
  • Reinhart H. Schwimmer (29); ein Optiker, der seinen Laden hatte schließen müssen, aber hoffte, einen neuen eröffnen zu können. Er war vermutlich mit Dean O'Banion befreundet und gehörte zum Umfeld der Mobster.
  • Albert R. Weinshank (36) galt als ein wichtiger Vertrauter Morans. Angeblich hatte sein gesamtes Auftreten Ähnlichkeit mit dem von Moran, weshalb die Killer sich entschieden haben sollen, zuzuschlagen.

Theorien und Täter

Auf Grund des lokalen Charakters wurde der Fall nicht vom FBI bearbeitet und verblieb bei der Polizei von Chicago. Schnell kamen einige Theorien über den Hintergrund der Tat in Umlauf.

Auf Grund der Verwendung von Polizei-Uniformen entstand das Gerücht, korrupte Polizisten hätten den Mord ausgeführt. Demnach hätten diese und ein Prohibitionsagent nach einem LKW-Überfall einen Laster und dessen Schnapsladung beschlagnahmt. Daraufhin habe laut dem stellvertretenden Leiter des Prohibitionsbüros, Frederick D. Silloway, Moran die Schmiergeldzahlungen an die Polizei eingestellt, woraufhin diese das Massaker veranstaltete.

Es wurde auch spekuliert, dass es sich um eine interne Abrechnung innerhalb der Nordseite gehandelte hätte, da die Gusenberg-Brüder einige Entführer von Alkoholtransporten umgebracht hätten.

Als die bis heute fundierteste Theorie wird die Auseinandersetzung der Nordseite mit dem Chicago Outfit angesehen. Demnach sollte eigentlich Bugs Moran, der Anführer der Nordseite, ermordet werden. Die Aktion war sorgfältig geplant und zur Beobachtung wurden offenbar Räume auf der gegenüberliegenden Straßenseite angemietet. Dieser Modus Operandi wurde in ähnlicher Form bereits bei der Ermordung von Hymie Weiss 1926 angewendet, der aus derartig angemieteten Räumen niedergeschossen worden war. Joseph Aiello wurde im Oktober 1930 ebenfalls auf ähnliche Weise ermordet.

Demzufolge können als Täter folgende Personen in Betracht gezogen werden; zunächst der Italiener Jack „Machine Gun“ McGurn, der die Tat organisiert haben soll, und James „Revolvers“ McLain vom Chicago Outfit; dann die Gruppe der Auftragskiller um Fred Burke (Egan's Rats) mit J.George Zeigler, August „Gus“ Winkeler und Byron „Monty“ Bolton.[2]

Eine weitere (ergänzende und verbindende) These besagt, dass - als Variante der ersten Theorie über eine entführte Alkoholladung - die Opfer eine Schmuggelladung von Abe Bernstein und seiner Purple Gang erwarteten, es sich jedoch dabei um eine Falle von Al Capone gehandelt haben soll, der mit der Purple Gang zusammenarbeitete. Fred Burke von den Egan's Rats war bereits 1926 in Detroit für die Purple Gang in ähnlicher Weise mit einer Maschinenpistole tätig gewesen.[3]

Folgen

  • Bezogen auf das Motiv, Bugs Moran zu töten, war das Massaker ein Fehlschlag; Bugs Moran hatte sich dem Tatort genähert, als die Aktion schon lief, und flüchtete.[4]
  • Al Capone konnte als mutmaßlicher Drahtzieher nicht angeklagt werden, er befand sich zur Tatzeit auf Urlaub in Florida. McLain wurde 1934 ermordet. McGurn hatte für das Massaker ein Alibi seiner Freundin Louise Rolfe, wurde aber wegen des Mordes an Frankie Yale von 1928 verurteilt; 1936 wurde er ermordet.
  • Fred Burke, bei dem später die Tatwaffen (Serien-Nr.: 2347 und 7580) gefunden wurden, tötete auf der Flucht einen Polizisten, wurde auf Grund dieser Tat verurteilt und starb 1940 im Gefängnis an Herzversagen. Zudem will eine Zeugin bei einem Täter eine Zahnlücke gesehen haben; über eine solche verfügte Burke tatsächlich.[2]
  • Wegen ihrer Vergangenheit als Auftragskiller der Genna-Familie und ihrer aktuellen Zugehörigkeit zum Chicago Outfit wurden auch John Scalise und Albert Anselmi bezüglich des Blutbads befragt. Aber nur Scalise wurde, zusammen mit Jack McGurn, angeklagt. Wenige Tage nach der Anklage in den frühen Morgenstunden des 8. Mai 1929 wurden Scalise, Anselmi und Joseph Giunta tot auf einer Straße nahe Hammond (Indiana) aufgefunden. Alle drei sollen am 8. Mai 1929 von Al Capone persönlich auf einem Bankett mit einem Baseballschläger niedergeschlagen worden und dann erschossen worden sein. Die drei galten als (potentielle) Überläufer, die sich mit Joey Aiello verbündet hatten.
  • Das Massaker trug mit dazu bei, das Image der Mobster in Chicago zu ändern; im April 1930 stellte Frank J. Loesch, der Vorsitzende der Chicago Crime Commission, eine Liste mit 28 Leuten zusammen, die als „Staatsfeinde“ (en: „Public Enemy“) Chicagos gesehen wurden. Diese Aufmerksamkeit erhöhte den Verfolgungsdruck auf die dort Genannten enorm. Ab diesem Zeitpunkt wurde es (insbesondere in der Presse) üblich, Al Capone, der die Liste anführte, als „Staatsfeind No.1“ zu titulieren.
  • Als die Garage an der 2122 N. Clark Street 1967 abgerissen wurde, wurde die Wand verkauft und Stein für Stein zu George Patey transportiert, einem Kanadier, der die Wand in der Herrentoilette einer Bar im Stil der 1920er wiederaufbaute. Nachdem die Bar geschlossen wurde, begann Patey, die Steine als Souvenirs zu verkaufen.

Valentinstag-Massaker in den Medien

Das Thema wurde in verschiedenen Filmen aufgegriffen, insbesondere 1967 von Regisseur Roger Corman in Chicago Massaker (St. Valentine's Day Massacre) und diente auch als Vorlage für die Garagenmordszene in Billy Wilder's berühmter Komödie Manche mögen’s heiß (Some like it hot) (1959).

Quellen

Einzelnachweise

  1. „St.Valentine's Day Massacre with Pictures“ auf www.mysterynet.com (englisch)
  2. a b „Valentine Killers?“ auf www.myalcaponemuseum.com (englisch)
  3. „The Big Time“ auf www.crimelibrary.com (englisch) ⇒ „On February 13, 1929, Bernstein called Bugs Moran and told him a hijacked load of booze was on its way to Chicago.“
  4. *„Blood, Roses and Valentines“ auf www.prairieghosts.com (englisch)

Weblinks


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