Vendor Managed Inventory

Vendor Managed Inventory

Vendor Managed Inventory (VMI), auch Lieferantengesteuerter Bestand oder Supplier Managed Inventory (SMI), ist ein logistisches Mittel zur Verbesserung der Performance in der Lieferkette, bei dem der Lieferant Zugriff auf die Lagerbestands- und Nachfragedaten des Kunden hat.

Inhaltsverzeichnis

Grundlagen

Beim VMI übernimmt der Lieferant die Verantwortung für die Bestände seiner Produkte beim Kunden. Der Bestand beim Kunden wird vollständig vom Lieferanten veranlasst. Häufig wird dem Kunden im Gegenzug das volle Retourenrecht eingeräumt. Grundlage für die Berechnung der Lieferungen sind z. B. Verbrauchs- oder Abverkaufszahlen, die entweder bei der regelmäßigen Aufstockung durch den Lieferanten erfasst, oder auch elektronisch übermittelt werden können.

Konzept

Prinzipiell gibt es drei Konzepte. In der ersten Form (Continuous Replenishment) besucht der Lieferant in regelmäßigen Abständen den Kunden, ermittelt dort den Fehlbestand für die nächste Lieferung und liefert die beim letzten Besuch ermittelten Fehlbestände (typisch z. B. für Verbindungselemente in der Industrie).

In der zweiten Form (klassisches VMI) ermittelt der Kunde seinen Verbrauch (z. B. durch Verkaufsdatenerfassung oder durch vollständige Telemetriesysteme wie die MEP Telemetrie)[1] und übermittelt diese Daten an den Lieferanten, der mit Hilfe von vereinbarten Daten den Zeitpunkt bestimmt, zu dem weitere Lieferungen erfolgen. Für diese Lieferung wird aber kein expliziter Bestellauftrag des Kunden benötigt. Die nachgelagerten kaufmännischen Prozesse (Rechnungsstellung) werden durch VMI im Allgemeinen nicht verändert.

In der dritten Form (Consignment Inventory) ist der Lieferant faktisch Inhaber eines Teils des Händlerlagers, das er nach Bedarf bestücken kann.

Zunehmend werden diese Prozesse über sogenannte elektronische Marktplätze abgebildet.

Kritik

Vorteile

  • schnelle Reaktion des Lieferanten auf Bedarfsschwankungen
  • höherer Servicegrad, Vermeidung von Out-of-Stock-Situationen im Handel
  • höhere Verantwortung und mehr Freiheit des Lieferanten beim Disponieren der Lieferungen
  • kostengünstigere Losgrößen
  • geringe Lagerbestände bei dem Händler
  • steigende Abverkäufe und reduzierte Retourenmengen durch bedarfsgerechte Nachlieferungen
  • Optimierung der Transporte des Vendors

Nachteile

  • hohe Investitionskosten
  • schwierige Erfolgsmessung
  • nicht zwingend auf komplettes Sortiment anwendbar
  • Einblick in die „innere Struktur“ (u. a. Geschäftsdaten) einer Unternehmung durch den Lieferanten

Siehe auch

Literatur

  • Karl Simacek: Vendor Managed Inventory (VMI) - Oder wer in der Zukunft disponieren sollte. In: Andreas von der Heydt (Hrsg.): Handbuch Efficient Consumer Response. Franz Vahlen, München 1999, ISBN 3-8006-2279-3.
  • Horst Tempelmeier: Bestandsmanagement in Supply Chains. 2. Auflage. Books on Demand, Norderstedt 2006, ISBN 3-8334-5032-0.
  • Peter D. Franke; Frank Straube (Hrsg.): Vendor-Managed Inventory for High Value Parts. 1. Auflage. Universitätsverlag der TU Berlin, Berlin 2010, ISBN 978-3-7983-2211-0.

Einzelnachweise

  1. MEP Telemetrie http://www.mep.de/pdf/Telemetrie.pdf

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Vendor-managed inventory — (VMI) is a family of business models in which the buyer of a product provides certain information to a supplier of that product and the supplier takes full responsibility for maintaining an agreed inventory of the material, usually at the buyer s …   Wikipedia

  • Supplier Managed Inventory — Vendor Managed Inventory (VMI), auch Lieferantengesteuerter Bestand oder Supplier Managed Inventory, ist ein logistisches Mittel zur Verbesserung der Performance in der Lieferkette, bei dem der Lieferant Zugriff auf die Lagerbestands und… …   Deutsch Wikipedia

  • Inventory — means a list compiled for some formal purpose, such as the details of an estate going to probate, or the contents of a house let furnished. This remains the prime meaning in British English.[1] In the USA and Canada the term has developed from a… …   Wikipedia

  • Vendor (supply chain) — A vendor, or a supplier, is a supply chain management term meaning anyone who provides goods or services to a company. A vendor often manufactures inventoriable items, and sells those items to a customer. Contents 1 History 2 See also 3 External… …   Wikipedia

  • Vendor Relationship Management — VRM, or Vendor Relationship Management, is the reciprocal of CRM or Customer Relationship Management. VRM describes a set of tools, technologies and services that help individuals go to market and manage relationships with vendors. In turn,… …   Wikipedia

  • Phantom inventory — is a common expression for goods that an inventory accounting system considers to be on hand at a storage location, but are not actually available. This could be due to the items being moved without recording the change in the inventory… …   Wikipedia

  • VMI — vendor managed inventory …   Military dictionary

  • Lieferantengesteuerter Bestand — Vendor Managed Inventory (VMI), auch Lieferantengesteuerter Bestand oder Supplier Managed Inventory, ist ein logistisches Mittel zur Verbesserung der Performance in der Lieferkette, bei dem der Lieferant Zugriff auf die Lagerbestands und… …   Deutsch Wikipedia

  • Just-in-time (business) — Just in time (JIT) is an inventory strategy implemented to improve the return on investment of a business by reducing in process inventory and its associated carrying costs. In order to achieve JIT the process must have signals of what is going… …   Wikipedia

  • Stock management — is the function of understanding the stock mix of a company and the different demands on that stock. The demands are influenced by both external and internal factors and are balanced by the creation of Purchase order requests to keep supplies at… …   Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”