Khun Borom

Khun Borom

Khun Borom ist eine legendäre Figur der Tai-Völker in Südostasien, der insbesondere von den Laoten und anderen als ihr Stammvater angesehen wird.

Inhaltsverzeichnis

Mythos

Gemäß einer allgemein unter den Laoten verbreiteten Legende waren die Menschen in der Frühzeit barbarisch und böse, weshalb sie eine Gottheit mittels einer Sintflut vernichtete. Nur drei würdige Häuptlinge ließ die Gottheit am Leben, verbrachte sie kurzzeitig in den Himmel, so dass sie später Gründer und Leiter einer neuen Art von Menschen werden konnten. Die Gottheit sandte die drei Häuptlinge zusammen mit einem Wasserbüffel zurück auf die Erde, der ihnen bei der Bestellung des Landes helfen sollte. Sie kamen im Land Mueang Then (möglicherweise im heutigen Dien Bien Phu in Vietnam) auf die Erde zurück. Nachdem das Land für den Reisanbau bereit war, starb der Wasserbüffel und aus seinen Nüstern entspross ein Flaschenkürbis. Von den Kalebassen entstammen die neuen Menschen: die relativ dunkelhäutigen Aborigines entstammen den mit einem Schürhaken geöffneten Kalebassen, die heller getönten Lao entstammen den mit einer Sichel geöffneten Kalebassen.

Die Götter lehrten die Tai-Völker dann das Bauen von Häusern und wie man Reis anbaut. Die Menschen wurden auch in den richtigen Ritualen und gutem benehmen unterrichtet. So vermehrten sie sich schnell. Nachdem ihre Zahl rasch angestiegen war, benötigten sie Hilfe bei der Administration und der Lösung von Konflikten. Die Hauptgottheit sandte deshalb ihren Sohn, Khun Borom, auf die Erde, der als Anführer der Tai-Völker auftrat. Fünfundzwanzig Jahre lang regierte er das Gemeinwesen, wobei er die Verwendung neuer Werkzeuge und anderer Künste einführte.

Nach seiner Regierung teilte er das Königreich der Tai unter seinen sieben Söhnen auf, die jeder einen Teil des Königreichs als Herrschaftsbereich zugesprochen erhielten. Der älteste Sohn, Khun Lo, erhielt das Königreich Sawa, das heutige Luang Phrabang. Die anderen herrschten über Siang Khwang, Ayutthaya, Chiang Mai (im heutigen Thailand), Sipsong Panna (in Südchina) und in Hongsawadi (im heutigen Birma). Ein weiterer Sohn kam in das zentrale Nordvietnam.

Forschungsergebnisse

Die Legende wird von einigen Forschern auf reale Ereignisse der Auswanderungsbewegungen der Tai-Völker aus Südchina zurückgeführt. China, mythisch als Himmel identifiziert, gilt als deren Ursprung, und auch die Art der Erbfolge mit ihrer Teilung des Königreiches ist in allgemeiner Übereinstimmung mit den gepflogenheiten der alten Tai-Fürstentümer, der Mueangs.

Mehrere Herrscher Südostasiens führen ihren Ursprung auf Khun Borom zurück:

David K. Wyatt glaubt, dass der Mythos um Khun Borom Einblicke in die frühe Geschichte der Tai-Völker Südostasiens geben könne. Versionen der Legende finden sich bereits 698 in Siang Khwang und nennen Tai-Königreiche, die erst Jahre später entstehen sollten. Dies kann einen Hinweis liefern, warum die Tai-Völker über Südostasien so weit verbreitet sind.

Literatur

  • David K. Wyatt: Thailand : a short history. Yale University Press, New Haven 2003, ISBN 0300084757.

Weblinks


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