Carassius auratus auratus

Carassius auratus auratus
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Goldfisch war auch der frühere Name des heutigen Sternbildes Schwertfisch..
Goldfisch
Goldfische

Goldfische

Systematik
Überklasse: Kiefermäuler (Gnathostomata)
Klasse: Knochenfische (Osteichthyes)
Ordnung: Karpfenartige (Cypriniformes)
Familie: Karpfenfische (Cyprinidae)
Gattung: Karauschen (Carassius)
Art: Goldfisch
Wissenschaftlicher Name
Carassius gibelius forma auratus
Bloch, 1782
Carl Fredric von Breda, Porträt einer jungen Dame mit Goldfischen, um 1800.

Beim Goldfisch handelt es sich um einen Vertreter aus der Familie der Karpfenfische (Cyprinidae) und um ein Haustier. Er ist eine Zuchtform des eurasischen Giebels Carassius gibelio (Bloch, 1782). Die natürliche Verbreitung des Giebels und seiner Unterarten erstreckt sich von den südlichen Ostseestaaten bis weit nach Ostasien (Amurbecken). Bis in die jüngere Vergangenheit wurde angenommen, dass die Karausche Carassius carassius die Urform des Goldfisches ist. Die Karausche ist zwar nahe mit dem Goldfisch verwandt, kann von ihm und vom Giebel aber durch die konvex geformte Rückenflosse relativ leicht unterschieden werden. Im Gegensatz dazu besitzen Giebel und Goldfisch eine gerade oder konkav gebogene Rückenflosse. Von jungen Karpfen lässt der wildfarbene Goldfisch sich sehr gut durch fehlende Barteln unterscheiden. Goldfische sind aus dem Giebel durch Auslese gezüchtete Haustiere, die nach Untersuchungen von Herre über typische Haustiermerkmale verfügen: erheblich vergrößerte Schuppen auf der Bauchseite, abweichende Maulöffnungen, verringerte Stabilität der Flossen, kräftiger entwickelte Eingeweide sowie ein in Form und Position deutlich verändertes Schädelskelett. Es ist darum nur logisch, der zoologischen Namensgebung für domestizierte Tiere zu folgen: der Goldfisch heißt wissenschaftlich Carassius gibelio forma auratus.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale und Besonderheiten

Goldfische besitzen ein knöchernes Skelett und erreichen abhängig von ihren Haltungsbedingungen eine Größe von ca. 35 cm, Hochzuchten bleiben aber meist kleiner. Als Auftriebsorgan dient ihnen die Schwimmblase, welche zweikammerig ist und im hinteren Teil durch einen Luftblasengang (Ductus Pneumaticus) mit dem Vorderdarm verbunden ist (vgl. Fänge, 1966). Goldfische besitzen wie alle Karpfenfische keinen Magen, die Verdauung findet ausschließlich im Darm statt, dazu wird die in der Regel am Boden mit dem vorstülpbaren Maul aufgenommene Nahrung durch die Schlundzähne zuvor zerkleinert (vgl. Reichenbach-Klinke, 1970). Dabei ist allerdings nur von einer geringen Kauleistung auszugehen (vgl. Steffens 1985). Zur Atmung und für weitere physiologische Vorgänge besitzen sie Kiemen (vgl. Evans et al. 2005), welche neben denen der nahverwandten Karausche Carassius carassius Besonderheiten in der Anpassung an Sauerstoffmangel aufweisen (vgl. Sollid et al. 2003 und Sollid et al. 2005).

Der Goldfisch weist ein tetrachromatisches Farbensehen auf, das heißt er besitzt vier unterschiedliche Zapfentypen. Neben drei Zapfentypen, die in etwa den menschlichen entsprechen, weist er einen zusätzlichen UV-Zapfen auf (vgl. Neumeyer, 1988). Ebenso besitzt er ein sehr gutes Hörvermögen, das sich in einem gewissen Rahmen anscheinend zur Stressvermeidung an die Umwelt anpassen kann (vgl. Smith et al. 2004)

Hochzucht-Formen neigen bedingt durch ihre künstlich angezüchtete Anatomie (Verkürzte Körperlänge einhergehend mit möglicher Fehlentwicklung der inneren Organe, insbesondere der Schwimmblase) zu Erkrankung am Auftriebs-Syndrom. Hierbei handelt es sich um Schwimmstörungen, deren Ursache sich auf die Nebenmerkmale der Hochzucht zurückführen, aber keinen konkreten Auslöser erkennen lassen. Dabei werden besondere Ansprüche an die Ernährung nicht ausgeschlossen (vgl. Lewbart, 1998). Diese Störungen treten als pathologisch zu wertende Erkrankung der Schwimmblase auch bei anderen Arten wie dem Diskus oder Koi auf.

Bedeutung

Neben seiner immer noch beliebten Haltung in Aquarien und Gartenteichen hat der Goldfisch auch eine bedeutende Rolle als Versuchstier (vgl. Piechocki 1990). Dies beruht darauf, das er relativ leicht zu halten ist, er wird insbesondere aufgrund der hervorragenden Regenerationsfähigkeit seines Sehnerves herangezogen.

Zuchtformen

Während der gewöhnliche Goldfisch neben Goldorfe (eine Farbform des Aland) ein beliebter Teichfisch ist, sind seine Zuchtformen in Europa recht unbekannt. Viele "unwissende" Aquarianer halten die ihnen meist sogar unbekannten Zuchtformen für Qualzuchten. Die Thematik der Qualzucht führt oft zu unfundierten Disputen, muss allerdings gerade im Bereich der Goldfisch-Hochzucht, welche eine Selektion nach rein optischen Merkmalen fördert, stets mit betrachtet werden.

Bekannteste Formen sind neben dem Schleierschwanz der Teleskopfisch, der Löwenkopf, der Perlschupper, das Blasenauge und der Ranchu. Ihnen ist zumeist gemein, dass die Fische der verschiedenen Zuchtformen ihren Halter aufgrund eines verstärkten und vielleicht bewusst entsprechendem Kindchenschema ansprechen.

Selbst der Name Goldfisch ist eigentlich nicht mehr passend. So gibt es ihn als Zuchtform in gold, silber, rot, gelb, blau, schwarz, weiß, orange sowie als in den verschiedensten Farben gefleckte Kaliko-Form. Das Hauptexportland für Goldfisch-Zuchtformen ist vermutlich das traditionelle China, dicht gefolgt von Thailand und Singapur, dann Japan mit seinen speziellen Formen wie den Ranchu, den Ryukin oder den Tosakin und Jikin.

Hauptabnehmer für Zuchtgoldfische sind neben Asien im Allgemeinen heute insbesondere die USA. In Europa ist die Kultur von Hochzucht-Goldfischen anscheinend nur noch in Großbritannien weiter verbreitet. In Deutschland sind Goldfisch-Liebhaber größtenteils ausschließlich auf Massenware, die in Hochzuchtkreisen ausselektiert werden und i. d. R. unter Schutz und Gesundheit der Fische bedrohenden Umständen importiert werden, angewiesen.

Selektierte Goldfische können einen Preis von weit mehr als 100 Euro besitzen und sind daher wahrscheinlich nur für echte Liebhaber interessant.

Bekannte Zuchtformen

  • Komet
  • Shubunkin
  • Wakin
  • Jikin
  • Schleierschwanz (Veiltail)
  • Oranda o. Holländischer Löwenkopf
  • Black Moor
  • Teleskop Auge
  • Fächerschwanz o. Fantail
  • Perlschupper
  • Eierfisch
  • Löwenkopf
  • Ranchu
  • Celestial o. Himmelsgucker
  • Pompon
  • Blasenauge
  • Ryukin
  • Tosakin
  • Demekin
  • Guckyn

Ernährung

Der Goldfisch ist hauptsächlich ein Kleintierfresser (vgl. Reichenbach-Klinke, 1970), der ebenfalls ballaststoffreiche Pflanzenanteile zu sich nehmen kann. Bezüglich seiner Nahrungsbedürfnisse kann man sich grob an denen des Karpfens orientieren, da beide Fische nahe verwandt sind und deren Wildformen nahezu gleiche Habitate bewohnen (vgl. Terofal, 1984) und ihre jeweilige Aminosäure-Zusammensetzung recht ähnlich ist (vgl. Lochmann and Phillips, 2002).

Bei der Ernährung des Karpfens kann man gut auf die Erkenntnisse der Teichwirtschaft zurückgreifen, da dort "die optimale Befriedigung aller stoffwechselphysiologischen Anforderungen des Organismus [...] durch Schaffung günstiger Umweltverhältnisse und sorgfältige Fütterung mit zweckmäßigen Futtermitteln angestrebt wird" (Steffens, 1985).

Guter Naturnahrung, wie z.B. "Mückenlarven" ist immer Vorzug zu geben, da Karpfenfische sich die Enzyme der Nahrungstiere zur eigenen Verdauung zu Nutze machen können (vgl. Reichenbach-Klinke, 1970)

Gutes Pellet-Basisfutter sollte entsprechende (tierische) Protein- (ca. 35-40%) und ungesättigte Fettsäure-Anteile (ca. 1/2 bis 1/3 des Proteinanteils) (vgl. Schreckenbach 1994) besitzen. Die handelsüblichen "Goldfisch"-Futtersorten sind daher nicht ausreichend für eine Alleinfütterung.

Da der Goldfisch keinen Magen besitzt, der u.a. tierische Proteine "vorverdaut", ist vollextrudiertes Futter (Extrusion) stets vorzuziehen, da hier für den Goldfisch schwerer verdauliche Bestandteile bereits verdauungsfördernd aufgespalten sind.

Haltung

Der Goldfisch ist primär ein Teichfisch. Die Hochzuchtformen sind empfindlicher und im mitteleuropäischen Klima nur bedingt für die Überwinterung im Freien in ungeheizten Teichen geeignet. Unbedingt erforderlich für die Überwinterung ist eine ausreichende Teichtiefe von mindestens 80 bis 100cm.

Goldfische der verschiedenen Zuchtformen können in sogenannten Kaltwasseraquarien ausreichender Größe gehalten werden. Da sie über einen intensiven Stoffwechsel verfügen, muss auf regelmäßige und intensive Teilwasserwechsel geachtet werden, um erhöhte Nitritbelastung und verstärktes Algenwachstum zu vermeiden.

Goldfische fressen im Aquarium gern Wasserpflanzen ab. Insbesondere feingliedrige Pflanzen wie die Wasserpest werden innerhalb kurzer Zeit vollständig abgeweidet. Die Bepflanzung ist deshalb nur mit widerstandsfähigeren Pflanzen wie dem Javafarn sinnvoll. Da Goldfische gern im Bodengrund wühlen, muss kleinkörniger Kies oder Sand verwendet werden, der nicht scharfkantig sein soll, um Verletzungen der Mundpartien zu vermeiden.

Siehe auch

Literatur

  • Evans D. H., Piermarini P. M., Choe K. P.: "The Multifunctional Fish Gill: Dominant Site of Gas Exchange, Osmoregulation, Acid-Base Regulation, and Excretion of Nitrogenous Waste". in: Physiol Rev, 2005, 85: 97–177.
  • Fänge R.: "Physiology of the swimbladder". Physiol. Rev.,1966; 46: 299-322.
  • Günther Starba: Süsswasserzierfische der Welt. Weltbild Verlag, Augsburg 2002, ISBN 3-89350-991-7.
  • Hedrick, Waltzeck, McDowell: "Susceptibility of Koi-Carp, Common-Carp, Goldfish X Common-Carp-Hybrids to Cyprinid Herpes Virus-2 and Herpesvirus-3". Journal of Aquatic Animal Health, 18: 26-34, 2006.
  • W. Herre & M. Röhrs (1990): Haustiere – zoologisch gesehen. Gustav Fischer Verlag, Stuttgart. ISBN 3-8274-0722-2
  • Lewbart G.A.: "Self-Assessment Colour Review of Ornamental Fish". Manson Publishing Ltd., 1998.
  • Lochmann R. and Phillips H., "Baitfish" in Webster C.D., Lim C.E.: "Nutrient Requirements and Feeding of Finfish for Aquaculture". Cabi-Publishing, 2002.
  • Neumeyer Chr., "Das Farbensehen des Goldfisches /Eine verhaltensphysiologische Analyse" (Habilitations-Schrift), Georg Thieme Verlag (Thieme Copythek), 1988
  • Piechocki R., "Der Goldfisch",Neue Brehm Bücherei-Westarp, 1990
  • Pullian S. and Smith P.J., "Identification of Hybrids between Koi (Cyprinus carpio) and Goldfish (Carassius auratus)", New Zealand Journal of Marine and Freshwater Research, 1987, Vol. 21: 41-46,
  • Reichenbach-Klinke H., "Grundzüge der Fischkunde", Gustav Fischer Verlag Stuttgart, 1970
  • Schreckenbach K., "Kiemenerkrankungen und Ernährung bei Karpfen", Fischer & Teichwirt, 1994, 45 : 3-7
  • Smith M.E. et al., "Noise-induced stress response and hearing loss in goldfish (Carassius auratus)", J. Exp. Biol. 2004 207: 427-435
  • Smith P.J. and Veagh S.M., "Genetic Analysis of Carp, Goldfish and Carp-Goldfish-Hybrids in New Zealand", DOC Research and Development Series 29, New Zealand Department of Conservation, 2005
  • Sollid J. et al., "Hypoxia induces adaptive and reversible gross morphological changes in crucian carp gills", J. Exp. Biol. 2003 206: 3667-3673
  • Sollid J. et al., "Temperature alters the respiratory surface area of crucian carp Carassius carassius and goldfish Carassius auratus", J. Exp. Biol. 2005 208: 1109-1116
  • Steinle, C.-P. & S. Lechleiter (2000): Goldfische für Gartenteich und Aquarium. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart. ISBN 3-8001-7481-2
  • Steffens W., "Grundlagen der Fischernährung", Gustav Fischer Verlag Jena, 1985
  • Terofal F.: "Süßwasserfische in europäischen Gewässern". Mosaik-Verlag., München 1984, ISBN 3-576-10564-6.

Weblinks


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