Zülfiye Kaykin

Zülfiye Kaykin
Zülfiye Kaykin (2010)

Zülfiye Kaykin (* 21. Dezember 1968) ist eine deutsche Politikerin (SPD) und Staatssekretärin für Integration beim Minister für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen.

Inhaltsverzeichnis

Schulischer und beruflicher Werdegang

Kaykin kam als Neunjährige aus der Türkei in das Ruhrgebiet. Sie wuchs in Duisburg auf und besuchte zunächst eine spezielle Schulvorbereitungsklasse für ausländische Kinder.[1] 1985 schloss ihre Schulausbildung mit Erreichen der Mittleren Reife an einer Hauptschule ab. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau und war von 1985 bis 2003 in diesem Beruf tätig, zuletzt als Verkaufsstellenleiterin eines Schuhladens.

Von 2003 bis 2005 war sie in Familienzeit. Von 2005 bis Mai 2010 war sie als hauptamtliche Geschäftsführerin der Begegnungsstätte an der DITIB-Merkez-Moschee in Duisburg-Marxloh tätig.[2][3]

Politische und gesellschaftliche Tätigkeiten

Kaykin ist seit 1994 Mitglied der SPD (Ortsverein Duisburg-Röttgersbach). Von 2008 bis Februar 2010 gehörte sie dem SPD-Unterbezirksvorstand Duisburg an. Seit 1999 ist sie Sachkundige Einwohnerin im Jugendhilfeausschuss der Stadt Duisburg. Von 1999 bis 2001 war sie Vorsitzende des Runden Tischs Marxloh. Sie ist Initiatorin des Elternvereins ELIF e.V. und war dessen Vorsitzende von 2000 bis 2003. Von 2001 bis 2002 war sie Mitglied des Vorstands des Duisburger Stadtverbandes der DITIB. Von 2002 bis 2005 war sie Koordinatiorin des integrativen Moscheeprojektes Zusammenleben. Außerdem war Kaykin Mitglied der 14. Bundesversammlung.

Seit dem 16. Juli 2010 ist sie Staatssekretärin für Integration im Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen.[4][5]

Kritik

2011 kritisierten mehrere türkeistämmige Migrantenverbände, u. a. die Türkische Gemeinde NRW, die Armenische Gemeinde Köln und die Föderation der Aramäer in Deutschland, Kaykin unterstütze türkische Rechtsextremisten und forderten ihren Rücktritt. Außerdem wurde ihr zum Vorwurf gemacht, einer Studie zum Thema Rechtsextremismus und Islamismus unter Türkeistämmigen die Unterstützung verweigert zu haben. Kaykin erklärte, sie habe „zu keiner Zeit und an keinem Ort bewusst Kontakt zu rechtsextremen türkischen Organisationen, Verbänden, Gruppen oder Parteien gehabt." Außerdem behielt sich Kaykin vor, im Falle öffentlicher Behauptungen, die „ihr eine politische Nähe zu rechtsextremen türkischen Gruppen unterstellen", „Strafanzeige zu erstatten". Parallel erklärte sich Kaykin bereit, den Fragebogen zum Thema Rechtsextremismus und Islamismus unter Türkeistämmigen durch die Landeszentrale für politische Bildung beantworten zu lassen.[6][7][8] Am 16. Juni 2011 erwirkte Kaykin eine einstweilige Verfügung des Landgerichts Köln, in der eine Gegendarstellung des Christlich-Alevitischen Freundeskreises der CDU (CAF) gefordert wird.[9]

Einem Bericht des Spiegel zufolge habe eine interne Untersuchung des Ditib bei der Moschee in Marxloh finanzielle Unregelmäßigkeiten festgestellt, die in den Zeitraum von Kaykins Geschäftsführung fielen. Sowohl Kaykin als auch der Ditib bestreiten die Vorwürfe als haltlos und unbegründet.[10]

Mitgliedschaften

Kaykin ist Mitglied folgender Organisationen:

  • DITIB Bildungs- und Begegnungsstätte e. V.
  • DITIB Merkez Moschee Duisburg
  • Elterninitiative ELIF e.V.
  • Phönix e.V.

Ehrungen

  • 2004: Preis für Toleranz und Zivilcourage des Bündnisses für Toleranz und Zivilcourage in Duisburg.
  • 2007: Bundesverdienstkreuz am Bande für ihren Einsatz um "die Verständigung von Menschen mit unterschiedlicher Herkunft, Religion und Hautfarbe".

Sonstiges

Zülfiye Kaykin ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sie wohnt in Duisburg.

Einzelnachweise

  1. Matthias Korfmann: Warum Migranten sich nicht willkommen fühlen. In: Der Westen, 30. Dezember 2010 (online)
  2. Gregor Herberhold: Begegnungsstätten-Geschäftsführerin ZÜLFIYE KAYKIN: Hemmschwelle niedrig halten. In: Der Westen, 14. September 2008 (online)
  3. Gregor Herberhold: Kaykin gibt Job bei Ditib in Duisburg auf - und bleibt doch. In: Der Westen, 27. April 2010 (online)
  4. Siehe Website der Landesregierung NRW.
  5. Tobias Bolsmann: Kaykin – Krafts umstrittene Frau für Integration. In: Der Westen, 16. Juli 2010 (online)
  6. "Rechtsextreme wurden gedeckt", Die Welt, 15. Mai 2011.
  7. SPD und Grüne "machen Radikale salonfähig", Die Welt 22. April 2011.
  8. Hat Integrationsbeauftragte Kontakt zu Grauen Wölfen?, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 20. Mai 2011.
  9. Nun auch rechtliche Rückendeckung für Kaykin. In: Turkishpress, 22. Juni 2011.
  10. Krafts Staatssekretärin für Integration unter Druck. In: SpOn. 23.10.2011

Weblinks


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