Theater St. Gallen

Theater St. Gallen
Das Theater St. Gallen

Das Theater St. Gallen (vormals Stadttheater St. Gallen) ist ein Mehrspartentheater mit Oper, Operette, Musical, Schauspiel, Kindertheater und Tanz in St. Gallen. Es gilt als ältestes Berufstheater der Schweiz.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

In St. Gallen war Theater zum ersten Mal im Mittelalter ein Thema. Treibende Kräfte waren die Mönche Tutilo und Notker Balbulus. So entstand in St.Gallen ein Laien-Theater. Leider stand die in der Klosterstadt sehr dominante Kirche dem Theater ablehnend gegenüber, weswegen bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts kein Theaterbetrieb Fuss fassen konnte. Die Theatergruppe «Deutsche Löhlein'sche Theatergesellschafte» beantragte im Frühjahr 1801 bei der Stadtbehörde vergebens eine Spielerlaubnis. Ihr Bühnenstück, «Die edle Lüge» von August von Kotzebue, wurde in einer Bretterbude in St. Fiden gezeigt.

Später durfte die Truppe doch noch in die Fürstäbtliche Kloster-Remise ausserhalb der städtischen Grenzen einziehen. Diese war erst 1795 unter Abt Beda erstellt worden. Am 14. Oktober 1801 fand in dem einfach ausgestatteten Raum die Première des ersten St. Galler Theaters statt, mit «Die silberne Hochzeit oder das Glück des zufriedenen Landmanns» erneut mit einem Stück des damaligen Erfolgsautoren Kotzebue. Von 1801 bis 1856 diente die Remise zwischen Karls- und Spisertor als Theatergebäude. Anfangs des 19. Jahrhunderts wurde eine kleine Erweiterung vorgenommen, das die Billettkasse und einen kleinen Erfrischungsraum beherbergte.

Mit seiner «Theater-Actionnairs-Gesellschaft» schuf der erste Landammann des neuen Kantons St.Gallen, Karl Müller-Friedberg, 1805 die Grundlage für das erste schweizerische Berufstheater mit Dreispartenangebot auf privater Basis und stand ihr bis zu seinem Rücktritt im Jahr 1831 vor.

1850 beauftragte die Stadt Johann Christoph Kunkler, sich nach einem geeigneten Bauplatz umzusehen. Er wählte den ehemaligen Klostergarten von St. Katharinen und des alten Zeughauses, den heutigen Bohl. Am 5. November 1857 wurde der Kunkler-Neubau am Bohl mit Mozarts «Don Giovanni» festlich eröffnet. Während über einem Jahrhundert waren in diesem Gebäude die Produktionen des Stadttheaters zu sehen, bis sich im Januar 1968 der Vorhang nach Millöckers «Der Bettelstudent» zum letzten Mal schloss. Der Kunkler-Bau wurde im Jahre 1971 abgerissen. Heute steht dort eine McDonalds-Filiale.

Treppe

Neubau

Am 15. März 1968 wurde das neue Theater des Zürcher Architekten Claude Paillard mit Ludwig van Beethovens «Fidelio» eröffnet. Im markanten sechseckigen Gebäude finden bis heute die Vorstellungen des Theaters St. Gallen statt. Aus Anlass des Neubaus wurde die Aktiengesellschaft durch eine Genossenschaft, bei der auch Stadt und Kanton mit dabei waren und immer noch sind, ersetzt.[2]. Die angrenzenden Kantone und Gemeinden beteiligten sich nach und nach am Theaterbetrieb. Im Rahmen des Neuen Finanzausgleiches soll das Theater als Infrastrukturleistung für die Region berücksichtigt werden.

Seit 2000 firmieren das Sinfonieorchester St. Gallen und das ehemalige Stadttheater St. Gallen unter Konzert und Theater St. Gallen. Durch diese Rechtsform konnte eine Mehrwertsteueroptimierung erzielt werden, da das Orchester für das Theater bei Opern, Operetten und Musicals Dienstleistungen erbringt. Der Name Stadttheater wurde fallengelassen, nachdem der Kanton beschloss, mehr als die Hälfte der Subventionen zu tragen.

Gastspiele

Während von 1926 bis 1977 das Ensemble des Theaters im Sommer das Kurtheater Baden bespielte, finden heute regelmässig Schauspiel-Abstecher in Baden und Visp, sowie seltener in Chur und im Stadttheater Schaffhausen statt.

Spielplan

Das Theater St. Gallen als Dreispartenbetrieb geführt, bringt jede Spielzeit etwa 20 Neuinszenierungen heraus und wird bei rund 430 Vorstellungen von 146.000 Zuschauern (Zahlen 2008/09[3]) aus dem ganzen Bodenseeraum besucht. Im grossen Saal finden 742 Personen Platz, auf der Studiobühne 100. In der Reihe „Schauplatz“ werden Orte ausserhalb des Theaters bespielt, die mit dem gezeigten Stück in Verbindung stehen (z.B. Top Dogs in der Empfangshalle der Kantonalbank St. Gallen oder Kunst im Kunstmuseum St. Gallen. Ausserdem wird in der Spielzeit 2009/10 ein Spiegelzelt, das vor dem Theater aufgebaut wurde, bespielt, während die zukünftigen Aussenspielstätten in der Lokremise St. Gallen umgebaut werden.

Vielbeachtete Premieren der letzten Zeit waren z. B. die Uraufführung des Musicals Der Graf von Monte Christo[4] von Frank Wildhorn im Jahr 2010, die deutschsprachige Erstaufführung von Hairspray, die Erstaufführung des restaurierten Notenmaterials für Medea in Corinto von Johann Simon Mayr 2009 und die Wiederentdeckung des Schweizer Musicals Bibi Balù 2010.

Generell hat sich das Theater St. Gallen in den letzten Jahren mit vielbeachteten Produktionen von Musicals profiliert, obwohl die Bühne nicht die technischen Möglichkeiten einer Broadwaybühne bieten kann. Nicht zuletzt dank der Einnahmen durch die Musicalproduktionen, aber auch durch eine allgemein gute Auslastung ist das Haus in der Lage, mit einem für deutschsprachige Theater sehr grossen Eigenanteil von etwa 35% zu seiner Finanzierung beizutragen.[5]

Leitung

  • Geschäftsführender Direktor: Werner Signer
  • Operndirektor: Peter Heilker
  • Schauspieldirektor: Tim Kramer
  • Konzertdirektor: Florian Scheiber
  • Leiter der Tanzkompagnie: Marco Santi
  • Chefdirigent: David Stern

Wie Ende 2009 bekannt wurde, hat Peter Heilker seinen 2011 auslaufenden Dreijahres-Vertrag um weitere drei Jahre verlängert und bleibt somit bis 2014. David Stern hingegen verlängerte seinen ebenfalls 2011 endenden Vertrag nur um ein weiteres Jahr und wird St. Gallen Ende der Spielzeit 2011/12 wegen stetig wachsenden internationalen Verpflichtungen verlassen[6].

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Theater St. Gallen: Unser Haus. Abgerufen am 12. April 2009.
  2. Theaterschweiz: Theater in der Schweiz. Abgerufen am 13. April 2009.
  3. Theaterstatistik: Schweizer Bühnenverband. Abgerufen am 23. April 2010.
  4. Im Musical-Himmel. St. Galler Tagblatt (24. Februar 2009). Abgerufen am 13. April 2009.
  5. Neue Subventionsordnung für Konzert und Theater St.Gallen – Hoher Eigenfinanzierungsgrad. Abgerufen am 1. Mai 2010.
  6. St. Galler Tagblatt Interview. Abgerufen am 21. Mai 2010
47.4269779.380516

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