Samut Khoi

Samut Khoi

Samut Khoi (Thai: สมุดข่อย, auch: Samut Thaiสมุดไทย; Khoi-Manuskripte) sind Handschriften auf so genanntem Khoi-Papier, die in Siam, dem heutigen Thailand, vor der Einführung des Buchdrucks verwendet wurden.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Es ist nicht bekannt, seit wann das Khoi-Papier in Thailand zur Buchherstellung benutzt wurde. Es wurde jedoch 1504 von einem italienischen Schriftsteller erwähnt, der sich in Tenasserim (heute: Tanintharyi-Division in Süd-Myanmar) aufhielt, welches zum Königreich Ayutthaya gehörte. [1]

Papier-Herstellung

Das Khoi-Papier, das für die Samut Khoi verwendet wird, wird aus der Rinde des Khoi-Baumes (ข่อย, Streblus asper Lour.) gewonnen, eines kleinen Baumes oder Strauches aus der Familie der Urtikazeen, der in gemäßigten Zonen von Indien, Thailand, Malaysia und Vietnam vorkommt.

Die Herstellung des Papier ist ein sehr arbeitsaufwändiger Prozess, der bis zu zehn Tage dauern kann. Die sorgfältig ausgewählten Zweige werden zuerst eine zeitlang in Limetten-Wasser eingeweicht und dann zum Trocknen ausgelegt. Über einem Feuer werden sie sodann geröstet, bis sich die Rinde leicht ablösen lässt. Die Rinde wird dann zwei Tage lang in Kalkwasser gekocht. Unter fließendem Wasser werden die weichen Fasern anschließend von Rindenresten befreit. Sodann werden die Fasern mit einem großen Holzhammer zu einem Brei geklopft, der auf einem mit grobem Gewebe versehenen Rahmen aufgetragen wird. Der Rahmen wird nun in Wasser getaucht, und der Brei mit einer Art Nudelholz flach gerollt. Nach dem Trocknen wird das so erhaltene gelblich-graue Papier geleimt und zum Teil mit einer Kienruß-Masse oder mit Holzkohle geschwärzt.

Traditionelle thailändische Bücher aus Palmblättern (links) und Khoi-Papier (rechts oben)
Nahaufnahme einer Textseite
Bücherschrank aus der frühen Rattanakosin-Priode

Khoi-Bücher

Die Khoi-Bücher bestehen aus einem aus einem 30cm bis 60cm breiten Streifen aus Khoi-Papier, der bis zu 18 Metern (manchmal auch mehr) lang werden kann. Es wird sodann als Leporello auf eine Breite von 12cm bis 20cm gefaltet. An beiden Enden wird dann ein kartonierter oder hölzerner Einband befestigt, der dem Ganzen Stabilität verleiht.

Die „Seiten“ des Manuskripts wird Horizontal gelesen. Die ältesten erhaltenen Exemplare aus dem 17. Jahrhundert besitzen in der Mitte eine Illustration, rechts und links befindet sich der Text. Bei anderen Exemplaren aus der gleichen Zeit reichen die Illustrationen von Rand zu Rand, oft über eine Doppelseite hinweg. Die Tinte, mit der die Worte geschrieben wurden, wurde aus Lamenruß gewonnen, auf schwarzem Papier wurde mit weißer oder gelber Tinte (aus Schwefelarsen) geschrieben. [2]

Die Haltbarkeit der Handschriften ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass sie anfällig für Feuchtigkeit sind und oft bewegt und gefalten wurden. Dazu trugen auch die Vorsichtsmaßnahmen bei, die in den Klöstern bei der Aufbewahrung der Bücher zum Tragen kamen: sie werden verschnürt und in Baumwolltüchern verpackt in speziellen Schränken gelagert. Die Schränke wiederum stehen in Gebäuden, den so genannten Hor Trai, die oft auf Stelzen über einem Teich zum Schutz vor Insekten erbaut sind.

Illustrationen

Die Illustrationen sind ein wichtiger Bestandteil der Samut Khoi. Oft füllen sie ganze Doppelseiten aus, es kommt auch vor, dass sie sich über mehrere Falzungen hinweg fortsetzen.

Die Farbpalette is relativ klein. Sie hat sich im Laufe der Jahrhunderte kaum geändert: es werden Erden (zum Beispiel Ockerrot oder Ockergelb) benutzt, ein Kreideweiß und ein Schwarz aus pflanzlicher Kohle. Rauschgelb scheint nicht benutzt worden zu sein, dagegen tritt Zinnoberrot schon seit dem ersten Viertel des 15. Jahrhunderts in Wandmalereien auf. Grüntöne wurden aus grüner Erde oder bestimmten Pflanzen gewonnen. Die verschiedenen Pigmente wurden in einem Mörser zerstoßen und mit einem pflanzlichen Gummi („Feroniagummi“, Feronia elephantum) vermischt.[1]

Die verschiedenen Pinsel werden zum Beispiel aus Wurzeln oder bestimmten Baumrinden hergestellt. Borstenpinsel können aus den Luftwurzeln des Pandanus (Pandanus tectorius) bestehen, die geschnitten, gespalten und geschmeidig gemacht zu Büscheln zusammengebunden werden. Andere Pinsel werden aus der Rinde des Ylang-Ylang (Canangium odorantum) hergestellt. Die feineren Pinsel bestehen aus Haaren verschiedener Tiere, für feinste Arbeiten werden Haare aus Kuh-Ohren verwendet.[1]

Einzelnachweise

  1. a b c Jean Boisselier: Malerei In Thailand. Verlag W.Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002521-X
  2. Steve Van Beek: The Arts Of Thailand. Thames & Hudson, London 1991, ISBN 0-500-23620-8

Weblinks


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