Der Internationale Frühschoppen

Der Internationale Frühschoppen
Seriendaten
Originaltitel Der Internationale Frühschoppen
Produktionsland Bundesrepublik Deutschland
Produktionsjahr(e) 1953 – 1987
Produktions-
unternehmen
Westdeutscher Rundfunk
Ausstrahlungs-
turnus
sonntags
Genre Politische Talkshow
Moderation Werner Höfer
Erstausstrahlung 30. August 1953 auf Deutsches Fernsehen

Der Internationale Frühschoppen war eine von Werner Höfer moderierte Diskussionsrunde des Westdeutschen Rundfunks. Sie wurde ab dem 6. Januar 1952 sonntags mittags im Hörfunkprogramm gesendet und war ab 30. August 1953 zusätzlich auch im Fernsehprogramm der ARD live zu sehen, eingestellt wurde sie 1987. Vorbild der Sendung war das amerikanische Format Meet the Press. Im Oktober 2002 wurde der Internationale Frühschoppen beim Ereignis- und Dokumentationssender Phoenix wiederbelebt und läuft immer dann, wenn der Presseclub im Ersten ausfällt. Die Sendung wird parallel im Hörfunk (WDR 5) übertragen.

Inhaltsverzeichnis

Abläufe

Die fünf Gäste von Höfer waren stets internationale Journalisten aus jeweils verschiedenen Ländern, die aktuelle Themen der Politik und des Weltgeschehens diskutierten. Nach den Diskussionsrunden durften die Zuschauer per Telefon Fragen an die Gäste stellen. Die Sendung war prägend für das sonntagmorgendliche Fernsehritual in der Bundesrepublik Deutschland in den 1960er und 1970er Jahren.

Häufig zu Gast waren: Julia Dingwort-Nusseck, Sebastian Haffner, Fides Krause-Brewer, Roshan Dhunjibhoy, Alfred Grosser, Hilde Purwin, Gerd Ruge, Henri Nannen, Nikolai Sergejewitsch Portugalow, Don F. Jordan, Peter Scholl-Latour, Jens Feddersen, Rudolf Augstein, Basil Mathiopoulos und andere.

Angekündigt wurde die Sendung üblicherweise von Egon Hoegen. Standardformulierungen waren „… mit sechs Journalisten aus fünf Ländern“ und „angeschlossen sind …“ - worauf eine Aufzählung der angeschlossenen Rundfunkstationen folgte, zum Beispiel der Schweizer Telefonrundspruch. Es hat vom Internationalen Frühschoppen 1874 Sendungen gegeben.

Wenn heute der Presseclub ausschließlich auf dem Nachrichtenkanal Phoenix ausgestrahlt wird, weil die ARD aktuellen Sportübertragungen den Vorzug gibt, firmiert er unter dem alten Namen Internationaler Frühschoppen und hat Journalisten aus mehreren Ländern zu Gast.

Besondere Ereignisse

1954 gingen zahlreiche Protestbriefe beim Westdeutschen Rundfunk ein, da die Sendung wegen Urlaub Höfers mehrere Wochen unterbrochen wurde. Da sich die Sendung zu einem festen „Sonntagsritual“ im Fernsehen entwickelt hatte, unterbrach Höfer ab nun am Wochenende immer seinen Urlaub um ins Sendestudio zurückzukehren.[1]

Im August 1961 erreichte die Journalisten, die sich gerade auf den Frühschoppen vorbereiteten, die Meldung vom Bau der Berliner Mauer. In der Diskussionsrunde beschäftigte man sich dann mit den aktuellen Entwicklungen während des Baus.[2]

1962 zeigte sich Höfer im Frühschoppen im Zusammenhang mit der Spiegel-Affäre mit der Spiegel-Redaktion solidarisch.[3]

1967 erhielt Höfer wegen der Sendung den Adolf-Grimme-Preis mit Silber.

Zur 1000. Sendung kam der damalige Bundeskanzler Willy Brandt ins Studio und gratulierte persönlich.

Bei einer Livesendung im September 1975 verschafften sich vier Demonstranten Zutritt zum Sendestudio. Werner Höfer gelang es, die Störer zum freiwilligen Abbruch ihrer Aktion zu überreden, sodass die Unterbrechung der Sendung nur zwei Minuten dauerte.[4]

1987 wurde der Korrespondent des Fernsehens der DDR in Bonn, Lutz Renner, eingeladen. Auf seinem Namensschild war die vollständige Bezeichnung Deutsche Demokratische Republik abgebildet. Dieser Sachverhalt war zur damaligen Zeit ein Politikum, das für Unzufriedenheit bei den anderen Medien sorgte, da die bundesdeutschen Medien zuvor zur Aberkennung immer nur die Abkürzung DDR verwendeten.[5]

Nachahmer und Konkurrenten

Bereits 1963 sah sich das Zweite Deutsche Fernsehen gehalten, der Sendung etwas entgegenzusetzen. Unter der Moderation von Reinhard Appel ging die Diskussionsrunde „Journalisten fragen - Politiker antworten“ auf Sendung. Diese sogenannte Appel-Runde konnte jedoch nie die Einschaltquoten des Frühschoppens erreichen und wurde 1991 endgültig abgesetzt.

In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre versuchte Karl-Eduard von Schnitzler mit der Sendung “Sonntagsgespräch des Deutschlandsenders” zur gleichen Sendezeit ein Pendant zur populären allsonntäglichen Diskussionsrunde auch im (Ost-) Deutschen Fernsehfunk zu schaffen. Die Sendung erreichte aber nicht die Popularität des Vorbildes, da im damaligen Internationalen Frühschoppen (unter Höfer bis 1987) regelmäßig Journalisten mit tatsächlich unterschiedlichen Meinungen einen Streit anregten, was in der Ostsendung nicht geschah.[5]

Das Ende

Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel machte Ende 1987 publik, dass Höfer im Jahre 1943 in einem Presseartikel für das Berliner 12-Uhr-Blatt die Hinrichtung des namentlich nicht genannten Pianisten Karlrobert Kreiten gerechtfertigt hatte. Werner Höfer lehnte die Verantwortung für den Artikel ab – andere hätten die entscheidenden Passagen hineinredigiert. Dennoch wurde die Sendung eingestellt. Die Nachfolge trat der Presseclub an, der einem ähnlichen Ablaufschema folgt, aber seinen Schwerpunkt mehr auf deutsche Themen mit deutschen Journalisten legt.

Zitate

„Wie Höfer seine Sendung konstruiert hat, kommt es dagegen selten zu einer Unterhaltung der Teilnehmer untereinander – höchstens, daß sich zwei unter der milden Schiedsrichtergebärde Höfers miteinander streiten dürfen: "Mir scheint, daß die Herren befreundet sind? Gut, dann streiten Sie weiter!" Im Wesentlichen sieht Höfer darauf, mit einem nach dem anderen ins Gespräch zu kommen –, was nur geschehen kann (und geschieht), indem Höfer die Gesprächsfäden immer wieder hart abschneidet und von einem zum anderen Thema wahrhaft halsbrecherische Übergänge herstellt – im Kölner Funkhaus wird zuweilen über den "Übergangshöfer" gewitzelt.“ (Der Spiegel 50/1959 vom 9. Dezember 1959, Seite 47)[6]

Persiflage

  • Hermann Peter Piwitt: Frühschoppen in: Renate Matthaei (Hg): Trivialmythen März, Frankfurt 1970, wieder: März-Texte 1 & Trivialmythen Area, Erftstadt 2004 ISBN 3899960297 (S. 500 - 504) - Veralberung von Höfers Art der Moderation anhand von montierten Standardfloskeln aus den Sendungen der 60er Jahre

Einzelnachweise

  1. Vor 55 Jahren: Der "Internationale Frühschoppen" startet - Rückblick bei wdr.de
  2. welt.de
  3. In dieser Sache. In: Der Spiegel. Nr. 45, 1962, S. 75 (online).
  4. Schüsse und Festnahmen in Spanien Hamburger Abendblatt vom 29. September 1975
  5. a b Rudolf Reddig: Von Höfers Frühschoppen bis zu Schönenborns Einheitsrunde, 8. September 2010
  6. Die Werner-Höfer-Schau. In: Der Spiegel. Nr. 50, 1959, S. 47 (online).

Weblinks


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