Deutsche Orient-Gesellschaft

Deutsche Orient-Gesellschaft
Deutsche Orient-Gesellschaft e.V.
(DOG)
DOG logo.png
Zweck: Fachverband
Vorsitz: Markus Hilgert
Gründungsdatum: 1898
Sitz: Berlin
Website: www.orient-gesellschaft.de

Die Deutsche Orient-Gesellschaft (DOG) ist ein eingetragener Verein mit Sitz in Berlin.

Gegründet wurde die DOG am 24. Januar 1898 in Berlin zur Förderung der Forschungen und der Belebung des öffentlichen Interesses auf dem Gebiet der orientalischen Altertumskunde vor dem Hintergrund, dass Ende des 19. Jahrhunderts das öffentliche Interesse an neuen Entdeckungen im Land der Bibel stark gestiegen war. Gleichzeitig drückte sich darin das gewachsene Selbstbewusstsein der Eliten des Deutschen Reiches aus, die das Feld nicht mehr allein den Engländern und Franzosen überlassen wollten.

Das Spektrum der Interessen erstreckt sich auf die Kulturen des Vorderen Orients und deren Einflussbereiche, zeitlich von den Anfängen bis zur islamischen Zeit. Die Geschichte der verschiedenen Bereiche wird unter sprachlichen und archäologischen Gesichtspunkten betrachtet.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

ehemaliges Logo

Zahlreiche damals bekannte und wohlhabende Personen gehörten zu den ersten Mitgliedern der Deutschen Orient-Gesellschaft. Zu den Gründervätern gehörten der Berliner Mäzen James Simon und der ebenfalls als Mäzenat und Kunstsammler tätige Privatbankier Franz von Mendelssohn, langjähriger stellvertretender Vorsitzender des Vereins. Unter anderem durch ihre vielfältigen Kontakte war es der DOG möglich, kostenintensive Ausgrabungen im Orient aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Im Jahre 1901 übernahm der stark an Archäologie interessierte Kaiser Wilhelm II. das Protektorat, so dass in der Folge die Gesellschaft (neben bedeutenden staatlichen Zuschüssen) auch beträchtliche Zuwendungen aus dem kaiserlichen Dispositionsfonds erhielt, die weitere Grabungen finanzieren halfen. So standen im Jahre 1907 insgesamt mehr als 350.000 Mark zur Verfügung.

Unter den Mitgliedern der DOG befanden sich besonders viele Personen jüdischer Herkunft, unter anderem der Archäologe und Altertumshistoriker Bruno Güterbock. Umso stärker wurde sie von den Verfolgungen des Dritten Reiches getroffen, so dass sie in Bedeutungslosigkeit versank.

1947 wurde die DOG wieder gegründet und feierte 1998 ihr hundertjähriges Bestehen mit einem Festakt im Pergamon-Saal auf der Museumsinsel in Anwesenheit des Bundespräsidenten Roman Herzog.

Seit den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts finden alle zwei Jahre Colloquien mit Vorträgen internationaler Wissenschaftler unter einem Oberthema an den verschiedenen Universitätsstandorten in der Bundesrepublik statt.

Vorsitzender der DOG ist seit 2009 Markus Hilgert (Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg) in Nachfolge von Hans Neumann (Westfälische Wilhelms-Universität Münster), der jetzt sein Stellvertreter ist. Von 1973 bis 1980 war Eva Strommenger Vorsitzende der Gesellschaft.

Ausgrabungen

Mit der Erforschung von Babylon konnte schon unmittelbar nach der Gründung ein Unternehmen begonnen werden, das weltweit Aufsehen erregte. Von 1899 bis 1917 wurden dort unter der Leitung von Robert Koldewey so bedeutende Bauwerke wie die heute im Vorderasiatischen Museum innerhalb des Berliner Pergamonmuseums zu besichtigende Prozessionsstraße von Babylon mit dem Ischtar-Tor, die Paläste Nebukadnezars, der berühmte Turm zu Babel sowie, nach Ansicht Koldeweys, die Hängenden Gärten der Semiramis freigelegt.

Neben den Forschungen in Babylon kam die günstige finanzielle Lage, einschließlich des persönlichen Engagements des Kaisers, vor allem den Grabungen in Assur zugute, die von 1903 bis 1914 unter Leitung von Walter Andrae zu bedeutenden Ergebnissen führten. Die Funde, seit Mitte der 1920er Jahre im Pergamonmuseum (Abteilung Vorderasiatisches Museum) in Berlin verwahrt, sind leider noch immer nicht vollständig wissenschaftlich aufgearbeitet.

Bereits 1902 hatten im Auftrag der Deutschen Orient-Gesellschaft auch Grabungen in Ägypten begonnen, wo unter Ludwig Borchardt im Pyramidenfeld von Abusir gegraben wurde, dann, unter demselben Forscher, 1911-1914 in Achet-Aton (Tell el-Amarna). 1906 konnte Hugo Winckler nachweisen, dass die Ruinen von Bogazköy die Hauptstadt des Hethiter-Reiches, Hattuša bargen. Bis 1911/12 konnte er reiche Ergebnisse erzielen.

Neben diesen Forschungen in einigen der größten Hauptstädte altorientalischer Kulturen finden, unterbrochen durch die Weltkriege, Ausgrabungen an verschiedenen Ruinenstätten des Vorderen Orients statt, wie Borsippa, Hatra, Jericho, Kar-Tukulti-Ninurta, Uruk und Zincirli.

Veröffentlichungen

Periodica

Schriftenreihen

  • Ausgrabungen in Qatna
  • Abhandlungen der Deutschen Orient-Gesellschaft (ADOG). Berlin, Saarbrücken 1956ff. ISSN 0417-2442
  • Colloquien der Deutschen Orient-Gesellschaft (CDOG). Berlin 1997ff. ISSN 1433-7401
  • Sendschriften der Deutschen Orient-Gesellschaft (SDOG)
  • Studien zu den Assur-Texten (StAT)
  • Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Deutschen Orient-Gesellschaft (WVDOG). Gebr. Mann, Berlin 1900ff. (Einzelp. div. Verlage) ISSN 0342-4464

Literatur

  • Deutsche Orient-Gesellschaft: Deutsche Orient-Gesellschaft, seit 1898 im Dienste der Forschung, Berlin 1984
  • Gernot Wilhelm (Hrsg.): Zwischen Tigris und Nil. 100 Jahre Ausgrabungen der Deutschen Orient-Gesellschaft in Vorderasien und Ägypten. von Zabern, Mainz 1998 (Zaberns Bildbände zur Archäologie/Sonderheft der Antiken Welt) ISBN 3-8053-2491-X

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