Digital Audio Workstation

Digital Audio Workstation

Eine Digital Audio Workstation, kurz DAW, ist ein computergestütztes System für Tonaufnahme, Musikproduktion, Abmischung und Mastering, das sich durch eine hohe Integration von Komponenten innerhalb des Systems auszeichnet. Es ist ein Verbund digitaler Geräte zur digitalen Aufzeichnung und Verarbeitung von Schallsignalen. „Digital Audio Workstation“ ist die ursprüngliche Bezeichnung für Harddisk-Recording-Geräte, als HD-Recording mittels PC oder Mac – zum Beispiel mit Pro Tools – noch nicht möglich war. Die ersten DAWs waren HD-Recorder wie der Fairlight CMI. Heute nennt man PCs und Macs mit entsprechender Hardware (hochwertige Audiokarte) und Software auch DAWs.

Inhaltsverzeichnis

Grundlagen

Externe Geräte analoger und digitaler Natur (Röhrenkompressoren, Bandmaschinen, Nachhall, Verzögerung = Delay usw.) können durch interne digitale Bausteine emuliert bzw. ersetzt werden. Diese Bausteine werden als Plug-ins z.B. VST plugin oder Audio Unit für einen Software-Host bereitgestellt. Durch die entstehende Minimalisierung sinken die Anschaffungskosten bei gleichzeitiger Leistungssteigerung. Trotzdem findet man heute in den meisten Tonstudios eine Kombination von DAW und externen, zumeist analogen Geräten, um die Vorteile beider Verfahren gleichermaßen auszunutzen.

Die DAW hat besonders durch den enormen Anstieg von Prozessorleistung und angepasster Befehlssätze große Verbreitung gefunden. So kann man heutzutage selbst mit einem kostengünstigen Rechner, mit relativ geringem Materialaufwand, professionell klingende Musikproduktionen erstellen.

Arbeit mit der DAW

Mit einer DAW arbeitet man üblicherweise nicht-linear und nicht-destruktiv. Nicht-linear bedeutet, dass man im Gegensatz zur Arbeit mit einem Tonband mühelos jede Stelle eines Projektes in beliebiger Reihenfolge bearbeiten kann. Das geschieht auf nicht-destruktive Weise, es wird also kein Audiomaterial verändert oder gar zerstört, sondern man arbeitet lediglich mit Verweisen auf das Material, sogenannten Regions, die in einer Playlist arrangiert und bearbeitet werden. Durch eine hohe grafische Auflösung kann mit einer Genauigkeit von einem Sample geschnitten werden. Die Arbeit hat so auch eine hohe visuelle Komponente, da man sich nicht mehr nur auf das Hören, wie beim Schnitt an der Bandmaschine, sondern auch auf den optischen Eindruck verlässt. Sämtliche Veränderungen können rückgängig gemacht werden.

Systeme

Bei den DAWs gibt es im Wesentlichen zwei verschiedene Systeme, stand-alone und host-basierte:

Stand-alone-Systeme

Eigenständige Audio-Systeme wie AMS-Audiofile, Fairlight oder Sonic Solutions, deren Hardware in einem eigenen Rechner untergebracht ist, der ausschließlich für die Audio-Aufzeichnung und -Bearbeitung zuständig ist. Dazu gibt es, etwa bei Fairlight, eine Fernbedienung, die durch spezielle Tasten und ein Jog Shuttle eine einfache und schnelle Bedienung des Systems ermöglicht. Die Vorteile von solchen Systemen sind extrem hohe Betriebssicherheit und eine einfache Bedienung, weswegen Fairlight beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk verbreitet ist. Dabei sind Stand-alone-Systeme allerdings auch extrem teuer.

Host-basierte Systeme

Hier übernimmt ein Desktop-Computer die Rolle eines „Hosts“ (Gastgebers) für die Software und Hardware. Dadurch sind die Kosten relativ gering, das System ist leicht erweiter- oder umrüstbar, bietet aber auch nur eine geringe Betriebssicherheit, die von dem verwendeten Betriebssystem (üblicherweise Mac OS X oder Microsoft Windows 7) abhängt. Die DAWs können je nach Ausbaustufe an verschiedene Einsatzbereiche angepasst werden.

Es gibt zwei Arten der host-basierten Systeme, native und DSP-Systeme.

Native Systeme bestehen aus einem Computer mit Audio-Software, dessen Prozessor die komplette Bearbeitung aller Signale übernimmt. Dadurch ist diese Lösung sehr preiswert und man kann verschiedene Software-Applikationen wie Logic Pro oder Pro Tools abwechselnd verwenden. Ältere leistungsschwächere CPUs stoßen dabei aber auch leicht an ihre Grenzen, da der Computer nicht nur für die Audio-Bearbeitung, sondern auch für andere Prozesse Rechenleistung verwenden muss, weswegen native Systeme eher in Heimstudios verbreitet sind, deren Budget keine aufwändigere Lösung zulässt. Durch die technische Weiterentwicklung der CPUs (z. B. die i7-Generation), Solid-State-Drive-Festplatte und des RAM können auch native Systeme aktuell eine sehr gute Performance vorweisen.

DSP-Systeme haben integrierte DSP-Karten, auf denen von eigenen Prozessoren die Audio-Bearbeitung erledigt wird. Die CPU des Rechners bleibt so frei für die üblichen Aufgaben wie Grafik-Darstellung. Ein DSP-System ist wesentlich teurer als ein natives System, aber dafür auch deutlich leistungsfähiger.

Leistung

In jeder DAW ist die Leistung eines Systems abhängig von der Prozessorleistung bzw. -geschwindigkeit. Folglich sollte die CPU so schnell wie möglich sein. Außerdem ist es von Vorteil, einen sehr großen Arbeitsspeicher (RAM) zu verwenden. Ein schnelles und leistungsfähiges System kann viele Plugins einsetzen und eine hohe Anzahl an Tracks (Spuren) gleichzeitig abspielen. Ferner ist es ratsam, Audio nicht auf der Systemfestplatte aufzunehmen. Es sollte für die Aufnahmen eine separate Festplatte zur Verfügung stehen, die einen hohen Datendurchsatz hat (z.B. Solid State Drive). Bei manchen Systemen ist dieses mehr oder weniger sogar Voraussetzung (Pro Tools). Ein wichtiges Kriterium ist außerdem die Lautstärke der Hardware. So sind ein lüfterloses Netzteil, ein geräuschdämmendes Festplattengehäuse und sehr leise CPU und Systemlüfter empfehlenswert. Da bei Leistungsstärkeren Systemen die Lautstärke zunimmt (z.B. Zusatzlüfter zur Kühlung der Hardware, laute Grafikkarten, etc.), können diese Systeme auch in einen klimatisieren, schalldichten Serverschrank untergebracht werden.

Funktionen und Funktionseinteilung

Die Benutzerschnittstelle einer DAW besteht meistens aus mehreren Programmfenstern, die unter anderem ein virtuelles Mischpult beinhalten. Hier werden die Spuren/Kanäle mit Einschleif- und Ausspielwegen, der Bus-Zuweisung, Panoramaregler, Solo- und Mute-Tasten und der Fader dargestellt. Sämtliche Parameter können mit der Maus verändert werden. Eine Automation ist ebenfalls möglich. Manche Programme lassen sich auch über eine externe Fernsteuerung bedienen (Pro Tools, Logic, Cubase, Samplitude, etc.). Diese ähnelt einem konventionellen Mischpult und erleichtert so die analoge Anpassung der digitalen Werte.

Standard DAW Spezial DAW Advanced DAW
Eine DAW die normale Anwendungen im Audiobereich durchführen kann (Recording, Audioschnitt). Eine DAW die nur einen speziellen Aufgabenbereich abdeckt (nur Recording, nur Audioschnitt, nur Sound-Design, etc.) Eine DAW mit der alle Anwendungsmöglichkeiten realisiert werden können (Recording, Audioschnitt, Mixing, Mastering, Videovertonung, uvm.).

Beispiele

Freie/Open Source DAWs

Kommerzielle DAWs

Literatur

  • Roland Enders: Das Homerecording Handbuch. 3. Auflage. Carstensen, München 2003. ISBN 3-910098-25-8
  • Hubert Henle: Das Tonstudio Handbuch. 5. Auflage. Carstensen, München 2001. ISBN 3-910098-19-3
  • Marin Hömberg: Studio. Bd 1. PPV Presse Projekt, Bergkirchen 2001. ISBN 3-932275-13-6
  • Colby Leider: Digital Audio Workstation. Mixing, Recording and Mastering Your Mac or PC. Mcgraw-Hill Professional, New York 2004. ISBN 0-07-142286-2

Weblinks

 Commons: Digital Audio Workstation – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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