Goin und Moin

Goin und Moin

Góinn und Móinn, auch Goin und Moin, sind zwei Schlangen in der nordischen Mythologie, die zusammen mit anderen Schlangen und dem Drachen Nidhöggr unter dem Weltenbaum Yggdrasil leben.

Quellen

Das Lied Grímnismál führt neben Nidhögg sechs Schlangen auf, die unter der Weltenesche hausen und an ihren Wurzeln nagen. Als Vater von Góinn und Móinn wird Grafvitnir genannt, der in der nordischen Mythologie ansonsten nicht erscheint.

„Ormar fleiri liggja
und aski Yggdrasils,
en þat of hyggi hverr ósviðra apa:
Góinn ok Móinn,
þeir ro Grafvitnis synir,
Grábakr ok Grafvölluðr,
Ófnir ok Sváfnir,
hygg ek, at æ skyli
meiðs kvistu má.“[1]

„Mehr Schlangen liegen
unter der Esche Yggdrasill,
als es jeder dumme Tor glaubt;
Goinn und Moinn,
sie sind Grafwitnirs Söhne,
Grabak und Grafwöllud;
Ofnir und Swafnir;
ich meine, dass sie immer
die Zweige[2] des Baumes abfressen werden.“[3]


Grímnismál 34


Snorri Sturluson zitiert diese Stelle des Grímnismál in der Prosa-Edda und fügt noch hinzu:

„En svá margir ormar eru í Hvergelmi með Níðhögg,
at engi tunga má telja.“[4]

„So viele Schlangen sind in Hwergelmir bei Nidhögg,
daß sie keine Zunge zu zählen vermag.“[5]


– SNORRI STURLUSON: Prosa-Edda: Gylfaginning 16


Als Aufenthaltsort der Schlangen wird in beiden Überlieferungen übereinstimmend unterhalb von Yggdrasil angegeben. Snorri Sturluson bestimmt als Platz jedoch auch die Quelle Hvergelmir. Er gerät dabei nicht in Widerspruch mit dem Grímnismál, da sich nach seinem Konzept die Quelle Hvergelmir unterhalb einer der Wurzeln von Yggdrasil befindet.

In seiner Sprache der Dichtkunst, dem Skáldskaparmál, führt Snorri Sturluson sechs der sieben genannten Schlangennamen auf: „Góinn, Móinn, Grafvitnir, Grábakr, Ófnir, Sváfnir.“ Die Namen werden des Weiteren auch in den Thulur als Heiti für Schlangen aufgeführt. Das heißt, ein Dichter konnte ihre Namen als Synonym für Schlange verwenden.

Rezeption

Die Bedeutung von Góinn und Móinn, altnordisch Góinn ok Móinn, ist dunkel.[6] Sie werden ungefähr [goːinː] und [moːinː] ausgesprochen (mit langem o und langem n). Der Name der dänischen Insel Møn könnte mit der Bezeichnung Móinsheimar ‚Heime des Móinn‘ in Zusammenhang stehen.[7]

Über die Bedeutung der Namen der anderen Schlangen kann nur gemutmaßt werden. Grafvitnir, den Vater von Góinn und Móinn, deutet man als ‚in einer Grube hausender Wolf‘,[8] ‚nagender Wolf‘,[6] ‚Grabwesen‘[9]. Grábakr bedeutet wohl ‚Graurücken‘[6], Grafwollüd ‚Feld-Nager‘[6] oder ‚Feldgräber‘[9], Ófnir ‚der Verwirrte‘[6] und Sváfnir ‚Schlafbringer‘[6]. Die beiden letzten Namen sind zugleich auch Beinamen Odins.

Einzelnachweise

  1. Lieder-Edda: Grímnismál 34. Textausgabe nach Titus Projekt, URL: http://titus.uni-frankfurt.de/texte/etcs/germ/anord/edda/edda.htm, aufgerufen am 21. Dezember 2009.
  2. Zweige scheint hier als Heiti von Wurzeln gebraucht zu werden. Vergleiche Arthur Häny: Die Edda. (Übersetzung). 3. Auflage. Manesse Verlag, Zürich 1989, ISBN 978-3-71751-731-3, S. 553
  3. Übersetzung und Zitation nach Arnulf Krause: Die Götter- und Heldenlieder der Älteren Edda. Philipp Reclam jun. Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 978-3-15050-047-7.
  4. Textausgabe nach CyberSamurai Encyclopedia of Norse Mythology, URL: http://www.cybersamurai.net/Mythology/NorseMyth.htm, aufgerufen am 21. Dezember 2009.
  5. Übersetzung und Zitation nach Arnulf Krause: Die Edda des Snorri Sturluson. Philipp Reclam jun. Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 978-3-15000-782-2
  6. a b c d e f Henry Adams Bellows: The Poetic Edda: The Mythological Poems. Courier Dover Publications, 2004, ISBN 978-0-48643-710-1 S. 98, Anmerkung 34
  7. Klaus von See: Kommentar zu den Liedern der Edda, Band 4. Verlag C. Winter, 1997, S. 147
  8. Jan de Vries: Altnordisches Etymologisches Worterbuch. 2. Auflage. Brill Archive, Stichwort: grafa – grafvitnir
  9. a b Jesse L. Byock: The prose Edda: Norse mythology. Penguin, 2005, ISBN 978-0-14044-755-2, S 163

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