Heshen

Heshen
He Shen

He Shen (chin. 和珅; * 1750; † 22. Februar 1799) war ein mandschurischer Beamter der Qing-Dynastie. Seine Familie gehörte dem Roten Banner an. Der Offizierssohn besuchte zunächst eine Qing-Schule, trat dann 1772 als Gardeoffizier in die Dienste des Kaiserpalastes.

Inhaltsverzeichnis

Entdeckung durch Qianlong

Im Alter von 25 Jahren fiel Heshen Kaiser Qianlong auf. Seine feminine Ausstrahlung, seine schöne Gestalt mit der glatten Haut und den schmalen, roten Lippen sorgten für Gerüchte über die Beweggründe für das kaiserliche Interesse an dem jungen Mann. Auch wurde kolportiert, Qianlong habe Heshen aufgrund optischer Ähnlichkeiten für die Reinkarnation einer Konkubine gehalten, die er einst in seinen Jugendtagen beim Schminken überrascht und dadurch so kompromittiert hatte, dass sie Selbstmord begangen hatte. Die erwachten Schuldgefühle würden zur Erklärung der Wohltaten beitragen, mit denen der Kaiser seinen Günstling überschütten sollte.

Aufstieg

Heshen machte alsbald eine erstaunliche Karriere, wurde zum stellvertretenden Generalleutnant des blauen Mandschu-Banners und befehlshabenden Offizier der Pekinger Truppen ernannt, dann zum Minister der Palastintendantur, zum stellvertretenden Finanzminister und zum Staatsrat. In der Folge bekleidete er u.a. die Ämter des Finanzministers, des Chefs des Beamtenministeriums und des Großsekretärs. Schließlich wurde er gar zum Baron ernannt. Zeitweise war er für das kaiserliche Kompilationsprojekt der „Vier Großen Schätze“ verantwortlich. 1777, im Alter von 27 Jahren, wurde ihm das normalerweise nur alten und besonders verdienten Beamten vorbehaltene Privileg zugebilligt, innerhalb der Verbotenen Stadt zu Pferde zu reiten. 1780 schickte ihn Qianlong als kaiserlichen Sondergesandten für die Bekämpfung der Korruption in die Provinz Yunnan, ein Jahr später zur Niederschlagung eines Moslemaufstands nach Gansu. 1790 konnte Heshen seiner Verbindungen zum Kaiser durch Verheiratung seines Sohnes mit Qianlongs jüngster Tochter noch weiter festigen.

Korruption

Im Bewusstsein der kaiserlichen Gunst genoss Heshen nahezu unbeschränkte Handlungsfreiheit und missbrauchte seine Machtstellung, um sich und seine Sippe zu bereichern. Insbesondere war er an der gegen Ende der Amtszeit Qianlongs verstärkt um sich greifenden Korruption maßgeblich beteiligt. Unter Anmaßung nahezu kaiserlicher Machtbefugnisse beutete er das Volk aus, praktizierte Erpressung im großen Stil, veruntreute Staatsgelder und ließ sich die ihm obliegenden Verpflichtungen und Dienstleistungen bezahlen. Sein Treiben entzog u.a. wichtigen Infrastrukturprojekten wie Deichbauten die notwendigen Mittel und führte damit letztlich Naturkatastrophen wie die Überschwemmungen des Gelben Flusses herbei. Vor allem aber brachte es weite Bevölkerungskreise gegen den Kaiserhof auf und trug zu den gegen Ende des 18. Jahrhunderts das Qing-Reich erschütternden Unruhen und Aufständen bei. Aber auch deren Niederschlagung nutzte er zu weiterer Bereicherung. So soll er allein bei den Feldzügen gegen die Rebellen vom Weißen Lotus durch Abrechnung nicht entstandener Aufwendungen mehrere Millionen Silbertael in die eigene Tasche gewirtschaftet haben.

Heshens Ende

Nach seiner formellen Abdankung 1796 bediente sich der Kaiser seines Günstlings, um weiterhin faktisch die Macht in den Händen zu behalten und seinen Willen insbesondere auch gegen seinen Nachfolger Jiaqing zu vollstrecken. Nach Qianlongs Tod 1799 fiel Heshen indes in Ungnade. Der neue Himmelssohn ließ sein unrechtmäßig angehäuftes, auf 800 Mio. Silbertaels geschätztes Vermögen konfiszieren und führte damit den Gegenwert der kaiserlichen Einkünfte von 14 Jahren in den Staatshaushalt zurück. Überdies ließ er ihn wegen 20 Verbrechen anklagen und zwang ihn schließlich zum Selbstmord.

Siehe auch

Literatur

  • Jacques Gernet: Die chinesische Welt. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-518-38005-2
  • Jonathan D. Spence: Chinas Weg in die Moderne. Hanser, München 1995, ISBN 3-446-16284-4

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Нужно решить контрольную?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Heshen — (zh cpw|c=和珅|p=Héshēn|w=Ho shen (1750 February 22, 1799), from the Manchu Niohuru clan, was a Manchu official of the Qing Dynasty, a favourite of the Qianlong Emperor. Born Shanbao (善保), his given name was later changed into Heshen. His courtesy… …   Wikipedia

  • Heshen — o Ho shen (1750 Pekín, China, 22 de febrero de 1799) fue un cortesano chino de mala fama que abusó de su influencia con el emperador Qianlong para asumir altos cargos ministeriales y controlar la distribución de ingresos y al personal reclutado.… …   Wikipedia Español

  • Heshen — (和珅) (1750 1799) est un fonctionnaire dont l influence a été très grande durant le règne de l empereur Qianlong. On le rend en partie responsable de la corruption qui se développa dans l empire chinois pendant le dernier quart du dix huitième… …   Wikipédia en Français

  • Heshen — or Ho shen born 1750, China died Feb. 22, 1799, Beijing Infamous Chinese courtier who abused his influence with the Qianlong emperor to assume high ministerial positions and control revenue disbursements and personnel recruiting. His embezzlement …   Universalium

  • Heshen — o Ho shen (1750, China–22 feb. 1799, Beijing). Cortesano chino de triste fama que abusó de su influencia sobre el emperador Qianlong para asumir altos cargos ministeriales y obtener el control de los desembolsos de las rentas públicas y del… …   Enciclopedia Universal

  • Niohuru — Heshen, a powerful official of the Qianlong era was of the Niohuru clan The Niohuru or Niuhuru Clan (鈕祜祿氏; meaning wolf in the Manchu language) were a powerful Manchu clan belonging to the Plain Red Banner during the Qing dynasty in China. A… …   Wikipedia

  • Qian Long — Qianlong 乾隆 [ʨɪ ɛːn lʊŋ] (* 25. September 1711 in Peking, Verbotene Stadt; † 7. Februar 1799, ebenda) war der vierte chinesische Kaiser der Qing Dynastie und regierte offiziell vom 18. Oktober 1735 bis zum 9. Februar 1796, inoffiziell bis zu… …   Deutsch Wikipedia

  • Jiaqing Emperor — Jiaqing Emperor …   Wikipedia

  • Qianlong — Qiánlóng (chinesisch 乾隆, IPA (hochchinesisch) [ʨʰjɛ̌nlʊ̌ŋ], * 25. September 1711 in Beijing; † 7. Februar 1799, ebenda, Verbotene Stadt) war der vierte chinesische Kaiser der Qing Dynastie und regierte offiziell vom 18. Oktober 1735 bis zum… …   Deutsch Wikipedia

  • Qianlong — 乾隆 Qianlong en habits de cérémonie. Titre Liste des empereurs de la …   Wikipédia en Français

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”