Hobbit

Hobbit
Hobbithöhlen in Hobbingen, Auenland (Filmkulisse in Matamata)

Hobbits oder Halblinge sind fiktive, menschenähnliche Wesen in der von J. R. R. Tolkien geschaffenen Fantasiewelt Mittelerde. Sie spielen in den Romanen Der kleine Hobbit und Der Herr der Ringe eine tragende Rolle. In den übrigen Veröffentlichungen Tolkiens werden sie kaum erwähnt.

Inhaltsverzeichnis

Die Hobbits in Tolkiens Werken

Name

Die beiden erwähnten Romane sind vorgebliche „Übersetzungen“ Tolkiens aus der – real nie existenten – Sprache der Hobbits. Laut dem Anhang F zum Herrn der Ringe ist diese Sprache jedoch von einer älteren Wurzel, der Sprache des Volks von Rohan, abgeleitet. Die Selbstbezeichnung der Hobbits in ihrer Sprache sei nun, so Tolkien, kuduk gewesen, was sich als verschliffene Form des rohirrimschen kûd-dûkan erkläre, was so viel wie „Höhlenbewohner“ („Erdlochbewohner“) geheißen habe. Da Tolkien vorgibt, die Sprache der Hobbits in modernes Englisch zu übertragen, überträgt er folgerichtig die Sprache der Rohirrim ins Altenglische. Höhlenbewohner (Kûd-Dûkan) hieße auf altenglisch holbytla, was dann – wäre es zu modernem Englisch verschliffen worden – zu Hobbit geworden wäre. Diese Fiktion der Romane als „Übersetzungen“ entstand im Verlauf der Entstehung des Herrn der Ringe, spielte also für das Werk Der Hobbit und damit für den Ursprung des Namens keine Rolle.

Besonderheiten und Wesenseigenschaften

Hobbits unterscheiden sich von Menschen äußerlich vor allem dadurch, dass sie nur etwa halb so groß sind wie diese (maximal 1,20 Meter hoch), daher auch der Name „Halbling“. Die Proportionen des Körperbaues entsprechen dabei weitgehend eines normal ausgewachsenen Menschen; sie sind in ihrer Statur aber selten stämmig, was sie wiederum (neben dem fehlenden Bartwuchs) von den Zwergen unterscheidet, die nicht wesentlich höher sind als die größten Hobbits. Außerdem haben sie behaarte Füße mit lederartigen Sohlen und tragen daher selten Schuhe. Nicht nur deswegen sind Hobbits Meister im Verstecken und können sich fast geräuschlos fortbewegen, wenn sie das wollen. Weitere Merkmale sind lockige Haare sowie charismatische, aber selten wirklich schöne Gesichter. Trotz aller Unterschiede sind Hobbits eine Nebenlinie der Menschen Mittelerdes und tragen damit das gleiche Schicksal wie die Menschen: die Sterblichkeit von Körper und Seele. Allerdings ist ein Alter von 100 Jahren für Hobbits nichts Ungewöhnliches, ähnlich wie z.B. heutige Menschen bei einem normalen Lebensverlauf ca. 85 bis 90 Jahre alt werden.

Sie sind ein ruhiges, gemütliches Völkchen. Daher rührt auch ihre oft rundliche Figur und ihre Neigung, Aufregungen gewöhnlich aus dem Weg zu gehen. Viele von ihnen leben traditionell in teils weit verzweigten Höhlen, „Smials“ genannt, die in Hügel gegraben sind und die man sich im Auenland als komfortable Wohnungen mit kreisrunden Türen und Fenstern vorstellen muss. Die Liebe zu gutem und häufigem Essen und Trinken, das zelebrierte Rauchen des „Pfeifenkrauts“, der angesehene Gartenbau und sorglose Feste sind kennzeichnend für das Leben der Hobbits. Hobbits sind handwerklich geschickt, verwenden aber keine Maschinen, die wesentlich komplizierter als beispielsweise Mühlen sind. Außerdem geht ihre Gelehrsamkeit selten über das Wissen des eigenen Stammbaumes hinaus, was einschließt, dass sie nur sehr wenig bis gar nichts über die Länder und Völker außerhalb ihrer Grenzen wissen. Sie sind darum gegenüber Ausländern häufig zumindest reserviert und halten auch nicht allzu viel von Hobbits, die freiwillig die weite Welt bereisen und Abenteuer erleben wollen. Die Sprache der Hobbits entspricht dem so genannten Westron, welche als Gemeinsprache der Völker des Westens fungiert. Es gibt leichte Abweichungen, v.a. in der Lexik, welche noch von ihrer frühen Sprache herrühren.

Hobbits gelten als friedfertig, haben nie untereinander gekämpft, Kapitalverbrechen sind undenkbar. Ihr Kleidungsstil unterscheidet sich erheblich von der restlichen "Mode" Mittelerdes, da sie gerne knopfreiche, bunte Westen tragen. Kampfkleidung oder gar Rüstungen sind kaum im Gebrauch.

Trotz ihres ruhigen Lebensstiles gelten Hobbits auch als erstaunlich widerstandsfähig und furchtlos, wenn sie dann doch in Bedrängnis geraten, wobei sie vergleichsweise langsam ihren Verletzungen erliegen. Sie zeigen auch eine natürliche Begabung für den Gebrauch von Distanzwaffen, welche Bögen, Schleudern oder einen einfachen Steinwurf per Hand umfassen. Hobbits haben dennoch sehr selten Krieg geführt; nie, um Länder und Völker zu erobern und zu unterjochen oder sonstige Besitztümer anzureichern.

Ursprünglich gliedern sich die Hobbits in drei Stämme:

  • Die Harfüße (engl: „Harfoots“), mit brauner Haut, meist kleiner gewachsen als die anderen Stämme, aber bei weitem die größte Gruppe, bevorzugen hügelige Gegenden oder Hochebenen.
  • Die Starren (engl: „Stoors“), größer und stämmiger, lieben Flusslandschaften, tragen Schuhwerk und leben häufiger als die anderen Stämme in normalen Häusern.
  • Die Falbhäute (engl.: „Fallohides“), ein nördlicher Stamm, hellhäutiger, größer und schlanker als die anderen, haben eine Vorliebe für Bäume und Wälder.

Zur Zeit des Ringkriegs leben die drei Stämme nach getrennter Wanderungszeit jedoch bereits seit Jahrhunderten im Auenland und haben sich teilweise vermischt.

Hobbits im „Auenland“

Nach ihrer großen Wanderung wurde das Auenland die Heimat der Hobbits (im englischen Original ist die Bezeichnung Shire, was im Deutschen am ehesten mit Grafschaft oder Gau zu übersetzen wäre. Die Übersetzerin Margaret Carroux zog einen anderen Namen vor, aufgrund der Belastung der Bezeichnung „Gau“ während der Zeit des Nationalsozialismus). Das Auenland befindet sich im Westen in der Region Eriador. Die Ostgrenze bildet der Fluss Baranduin (von den Hobbits „Brandywein“ genannt), die Westgrenze die Fernen Höhen. Etwa 1400 Jahre vor den Ereignissen im „Herrn der Ringe“ siedelten sie sich dort an. Damals stand das Land noch unter der Herrschaft des Königs von Fornost, der ihnen erlaubte dort zu leben, wenn sie die Herrschaft von Fornost anerkannten, seine Boten achteten und die Brücken und Straßen des Landes in Stand hielten. Nachdem die westlichen Reiche der Menschen (darunter auch Fornost) im Kampf gegen Angmar scheiterten und untergingen, betrachteten die Hobbits das Land als ihr Eigen, wodurch sich ihr Leben nicht änderte, da sie sich schon immer selbst verwalteten. Das Land ist hügelig und zum Bau von Hobbithöhlen gut geeignet. Da die Hobbits von Gewalt wenig halten, hatte es im Auenland vor dem Ringkrieg dreihundert Jahre lang keine Schlacht mehr gegeben. Das Auenland hat keine Regierung im eigentlichen Sinne; die höchste Autorität genießt der sogenannte Thain, außerdem der Bürgermeister und der Herr von Bockland. Die „Büttel“ üben die Polizeigewalt mehr symbolisch als tatsächlich aus. Dabei wussten die kleinen Leute nicht, dass sie von den Abkömmlingen der großen Menschengeschlechter, den Dunedain, jahraus, jahrein behütet und abgeschirmt wurden.

Die Rolle der Hobbits im „Ringkrieg“

Der Zauberer Gandalf der Graue entdeckt die besonderen Fähigkeiten der Hobbits. Er findet heraus, dass die Hobbits vor Urzeiten aus Gebieten im Osten jenseits des Flusses Anduin, „großer Strom“ genannt, über das Nebelgebirge bis nach Eriador gekommen sind, sie selbst haben davon jedoch nicht die geringste Ahnung. Selbst den Ents, die alle Lebewesen der Welt kennen, sind Hobbits lange Zeit unbekannt. Gandalf bemerkt, dass Hobbits besonders charakterstark sind und sich somit für besondere Missionen eignen. So widersteht Bilbo Beutlin weitgehend dem Zauber eines Drachens, und sein Neffe Frodo Beutlin schafft es, den Einen Ring zu tragen, ohne dessen magischer Macht völlig zu verfallen.

Funktion

Innerhalb der Werke Tolkiens haben die Hobbits vor allem die Funktion, den Leser in die Geschichten einzuführen. Sie sind ein eigentlich nicht passender Anachronismus in einer viel älteren, heroischen und mythisch-mittelalterlichen Welt. So rauchen die Hobbits Pfeifen, leben unspektakulär in ihrem Auenland und bleiben zunächst ungestört von den großen Problemen ihrer Zeit. Bilbo, der Protagonist des Romans Der kleine Hobbit, ist zu Anfang ähnlich verwirrt wie der Leser, als er das Auenland verlässt und diese abenteuerliche Welt betritt. Die Hobbits repräsentieren also den modernen und häuslichen Leser, der sich mit ihnen identifizieren kann und mit ihnen gemeinsam die Welt Tolkiens kennenlernt.

So ähnelt die Gesellschaft der Hobbits in vielem dem viktorianischen oder edwardianischen England. Die sozialen Rollen sind klar verteilt: Die Familie Beutlin ist wohlhabend und angesehen, andere Familien wie die Gamdschies hingegen haben einen niedrigeren sozialen Status. Es gibt weder Hochindustrien noch Autos, die die Landschaft zerstören. Schon das englische Wort für das Auenland, das spezifisch englische The Shire, weist auf Tolkiens Intention hin. Er assoziierte Shire vor allem mit unberührten Landschaften wie der des ihm vertrauten Warwickshire, wo er als Kind einige Jahre in dem Dorf Sarehole gewohnt hatte: „[Ich] lebte während meiner frühen Jahre im ‚Auenland‘ in einem vormechanischen Zeitalter“, schrieb er in einem Brief.[1] Die tiefe Verbundenheit der Konzeption des Auenlands mit seiner Heimat England betonte Tolkien immer wieder: „Aber freilich […] beruht das ‚Shire‘ auf dem ländlichen England und auf keinem anderen Land in der Welt“. So wehrte er sich auch vehement, als die englischen Namen der Hobbits und ihrer Orte übersetzt werden sollten.[2]

Nicht nur die Landschaft, auch die Eigenarten der Hobbits brachte Tolkien in hohem Maße mit sich selbst in Verbindung:

„Ich bin tatsächlich selber ein Hobbit (in allem bis auf die Größe). Ich liebe Gärten, Bäume und Ackerland ohne Maschinen, ich rauche Pfeife, esse gern gute, einfache Sachen (nichts aus dem Kühlschrank) und verabscheue die französische Küche; ich getraue mich, in dieser grauen Zeit dekorative Westen zu tragen. Ich mag Pilze (vom Felde); habe einen sehr einfachen Humor (den sogar meine wohlwollenden Kritiker störend finden); ich gehe spät zu Bett und stehe spät auf (wenn möglich). Ich reise nicht viel.“[3]

Das Wort Hobbit

Tolkien betonte, dass der Name Hobbit ein spontaner Einfall und keine bewusste Konstruktion gewesen sei und schloss die Möglichkeit nicht aus, dass er in seiner Kindheit dem Wort begegnet sein könnte.

Zwischen der Publikation des Hobbit (1937) und derjenigen der Anhänge zum Herrn der Ringe (1955) wurden diverse Spekulationen über die Herleitung des Namens diskutiert. 1976 fand der Name Eingang in das Oxford English Dictionary. 1977 wurde man auf einen Eintrag hobbit in einer Liste von Fabelwesen in The Denham Tracts, einer Sammlung englischer Folklore aus den 1890er Jahren, aufmerksam. Es gibt allerdings keinen Beweis dafür, dass Tolkien das Wort (bewusst oder unbewusst) aus dieser Liste bezogen haben könnte.[4]

Rezeption

Der riesige Erfolg vor allem des Herrn der Ringe führte zu zahlreichen Adaptionen und letztlich auch mit zur Etablierung eines neuen Genres, der Fantasy. Dabei wurde vor allem Tolkiens Konzeption der Elben (bei den Nachfolgern meist Elfen), Zwerge und Orks übernommen, weniger jedoch die Hobbits. Hobbits finden sich trotzdem in diversen Fantasy-Romanen und -Rollenspielen. Hier werden sie fast ausschließlich als Halblinge bezeichnet, da der Begriff „Hobbit“ geschützt ist. Inhaber der Lizenzrechte sind die durch Tolkien Enterprises vertretenen Erben Tolkiens. Die Verwendung von „Hobbit“ in der 1. Auflage des durch TSR vertriebenen Rollenspiels Dungeons & Dragons musste nach einem Rechtsstreit zurückgenommen werden.[5]

Der von Forschern 2003 auf der indonesischen Insel Flores gefundene Homo floresiensis, wohl ein sehr kleines Exemplar der Gattung Homo, wurde in Presse und Öffentlichkeit schon bald als „Hobbit“ bezeichnet.

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Hobbit – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Anmerkungen

  1. J. R. R. Tolkien an Deborah Webster, 25. Oktober 1958, in: J. R. R. Tolkien, Briefe, herausgegeben von Humphrey Carpenter, Klett-Cotta, Stuttgart 1991, Nr. 213, S. 377f., hier S. 378. Zu Tolkiens glückliche Jugend in Sarehole auch Humphrey Carpenter, J. R. R. Tolkien. Eine Biographie, 2. Auflage, Klett-Cotta, Stuttgart 2001, S. 31–36.
  2. Vgl. J. R. R. Tolkien an Rayner Unwin, 3. Juli 1956, in: J. R. R. Tolkien, Briefe, herausgegeben von Humphrey Carpenter, Klett-Cotta, Stuttgart 1991, Nr. 190, S. 328–330; Zitat auf S. 329. Zu dem gesamten Komplex der Funktion und Darstellung der Hobbits vgl. Tom Shippey, J. R. R. Tolkien. Autor des Jahrhunderts, Klett-Cotta, Stuttgart 2002, S. 45–52.
  3. J. R. R. Tolkien an Deborah Webster, 25. Oktober 1958, in: J. R. R. Tolkien, Briefe, herausgegeben von Humphrey Carpenter, Klett-Cotta, Stuttgart 1991, Nr. 213, S. 377f., hier S. 378.
  4. Vgl. Marjorie Burns, Tracking the Elusive Hobbit (In Its Pre-Shire Den), in: Tolkien Studies 4 (2007), S. 200–211; Donald O’Brien, On the Origin of the Name ‚Hobbit‘, in: Mythlore 16, no. 2 (Winter 1989), S. 32–38.
  5. Christoph Rosenkranz, Mittelerde - J.R.R. Tolkien: Weltenbauer und Mythenschöpfer, in: Wunderwelten, Ausgabe 44 (Juli/August 1998), Erkrath: Fanpro Verlag, S. 76–83

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