Kleingruppenhaltung

Kleingruppenhaltung

Die Kleingruppenhaltung ist eine seit 2007 eingeführte industrielle Haltungsform von Legehennen in Käfigen.

Diese wird nach der Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung vom 22. August 2006 als gleichberechtigte Haltungsform neben der Boden- und Freilandhaltung sowie der Ökologischen Erzeugung in Deutschland zugelassen. Nach Angaben des Informationskreises Legehennenhaltung soll die herkömmliche Käfighaltung bis Ende 2008 – in Ausnahmefällen bis 2009 – abgeschafft werden.

Inhaltsverzeichnis

Bauform

Jeder Legehenne müssen jederzeit und uneingeschränkt mindestens 800 cm² zur Nutzung zur Verfügung stehen. Beträgt das Durchschnittsgewicht der Legehenne mehr als zwei Kilogramm, muss eine nutzbare Fläche von mindestens 900 cm² zur Verfügung stehen.

Höhe der Haltungseinrichtung

Die lichte Höhe einer Haltungseinrichtung muss an der Seite, an der der Futtertrog angebracht ist, mindestens 60 cm betragen und darf im Übrigen an keiner Stelle über der Fläche niedriger als 50 cm sein. Für jeweils bis zu zehn Legehennen muss jederzeit ein Einstreubereich von mindestens 900 cm² Fläche und ein Gruppennest von mindestens 900 cm² zugänglich sein. Das Gruppennest muss weniger ausgeleuchtet sein als die übrige Fläche. Übersteigt die Gruppengröße 30 Legehennen, ist für jede weitere Legehenne der Einstreubereich und das Gruppennest um jeweils 90 cm² zu vergrößern. Jede Legehenne muss ein uneingeschränkt nutzbarer Futtertrog mit einer Kantenlänge von mindestens 12 cm und eine Sitzstange von mindestens 15 cm Länge zur Verfügung stehen. Beträgt das Durchschnittsgewicht der Legehenne in der Haltungseinrichtung mehr als zwei Kilogramm muss der Futtertrog eine Länge von mindestens 14,5 cm je Legehenne aufweisen. Je Haltungseinrichtung müssen mindestens zwei Sitzstangen vorhanden sein, die in unterschiedlicher Höhe angeordnet sind.

Abstand zwischen den Haltungseinrichtungen

Die Gänge zwischen den Reihen der Haltungseinrichtung müssen mindestens 90 cm breit sein und der Abstand zwischen dem Boden des Gebäudes und der unteren Reihe der Haltungseinrichtung muss mindestens 35 cm betragen. Die Form und die Größe der Öffnung der Haltungseinrichtung muss gewährleisten, dass eine ausgewachsene Legehenne herausgenommen werden kann, ohne dass ihr vermeidbare Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden.

Wasser, Licht und Sauberkeit

Jede Legehenne muss jederzeit Zugang zu geeignetem Trinkwasser haben. Bei künstlicher Beleuchtung muss diese für mindestens acht Stunden während der Nacht zurückgeschaltet werden, wobei während der Dunkelphase die Beleuchtungsstärke weniger als 0,5 Lux betragen soll, sofern dies die natürliche Beleuchtung zulässt und eine entsprechende Dämmerphase vorzusehen ist, die den Legehennen die Einnahme ihrer Ruhestellung ohne Verletzungsgefahr ermöglicht. Die Haltungseinrichtung muss jeweils zwischen dem Ausstallen und dem nächsten Einstallen gereinigt werden, wobei sämtliche Gegenstände, mit denen die Tiere in Berührung kommen, zusätzlich desinfiziert werden. Es dürfen nur Legehennen eingestallt werden, die während ihrer Aufzucht an die Art der Haltungseinrichtung gewöhnt worden sind.

Vor- und Nachteile

Vorteile der Haltungsform

Für die Haltungsform von Legehennen in der Kleingruppe spricht, dass die Legehennen im Vergleich zur Legebatteriehaltung ein etwas größeres Platzangebot haben. (In der konventionellen Käfighaltung teilen sich vier bis sechs Hennen, denen jeweils 550 cm² Platz zur Verfügung steht, eine Einheit mit Futtertrog und Tränke.) Mit einem abgedunkelten Nest zur Eiablage, Sitzstangen für erhöhtes Ruhen und Einstreu zur Ausübung von Scharren und Picken erlaubt die Kleingruppenhaltung den Legehennen mehr verhaltenstypische Bewegungsabläufe. Die Kleingruppe steht bei Befürwörtern für eine niedrige Umweltbelastung, ein niedriges Infektionsrisiko und eine gute Produktqualität. Die Regelung für Kleingruppenhaltung in Deutschland geht über die EU-Vorgaben an einen ausgestalteten Käfig hinaus.

Nachteile der Haltungsform

Da die Kleingruppenhaltung in Käfigen der industriellen Eierproduktion dient, werden die Tiere in klimatisierten Ställen gehalten und leben ständig mit künstlichem Licht. Auch sind bestimmte arttypische Verhaltensweisen, wie z.B. Rennen, Flattern und Sandbaden nur eingeschränkt oder gar nicht möglich. Die Sitzstangen sind darüber hinaus so niedrig angebracht, dass darauf ruhende Hennen weder vor dem Picken aktiver Hennen noch vor deren Überqueren der Stangen geschützt sind. Auch das abgedunkelte Nest wird als unzureichend eingeschätzt, da die Hennen zur Eiablage schlange stehen müssen. Zudem ist ein Nachteil in Bezug auf die konventionelle Käfighaltung, dass nach wie vor nur ein geringfügig erhöhtes Platzangebot besteht.

Kritik

Der Deutsche Tierschutzbund bezeichnet den Gebrauch des Begriffs "Kleingruppenhaltung" als beschönigend und kritisiert die Hörigkeit des Bundesrates vor der Eier-Industrie. Der Kompromiss einer Kleingruppenhaltung wurde demnach nur eingeführt um das Verbot der Käfighaltung von Legehennen, das ab dem 1. Januar 2007 gelten sollte zu verhindern. Peta Deutschland kritisiert die Tatsache, dass den Legehennen, wie in der Haltung in Legebatterien, nach wie vor kaum mehr als ein DIN-A4-Blatt zum Leben bleibt. Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt bezeichnet die Strukturelemente Sitzstangen, Einstreu und Nest als unzureichend, kritisiert den angeblich 18,6-fach erhöhten Mobilitätsfaktor sowie die Bewegungsfläche von über 4 m² als scheinwissenschaftliche Aussagen und bewertet die Kleingruppenhaltung als unfähig, die grundlegenden Probleme der Käfighaltung zu lösen.

Kennzeichnung der Eier

Die Eier aus der Kleingruppenhaltung werden, wie es zu vor bei den Eiern der Käfighaltung üblich war, mit „3“ als erste Ziffer des Stempels gekennzeichnet, dürfen aber laut Eierkennzeichnungsverordnung mit dem Wort „Kleingruppe“ zusätzlich gestempelt sein.

Quellen

  • Informationskreis Legehennenhaltung
  • Stellungnahme der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover zur Kleingruppenhaltung
  • Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung vom 22. August 2006
  • Deutscher Tierschutzbund
  • Peta Deutschland
  • Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt

Weblinks


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