Kneipname

Kneipname

Die einstigen Kneipnamen gehören zum studentischen Brauchtum und wurden bei verschieden gehandhabten Taufhandlungen wie beispielsweise bei einer Fuchsentaufe (Vergleiche: Fuchs) und im Bundesgebrauch verwendet. Sie hatten mindestens ursprünglich nichts mit Spitznamen zu tun, sondern dienten der Tarnung in Zeiten politischer Unterdrückung.[1] Davon abgeleitet hat sich in jüngeren Zeiten der Biername.

Inhaltsverzeichnis

Auswahl

Gewählt wurden sie nach geistigen Neigungen (Sokrates, Archimedes), griechischen (Theseus, Hektor) oder deutschen (Alarich, Hermann, Teut) Idealgestalten, beruhten aber auch schon auf Namensübersetzungen und -verdrehungen. So geht der Schriftstellername Willibald Alexis auf die freie lateinische Übersetzung des eigentlichen Namens Haering (al(l)ex = Fischsoße) durch seine Bundesbrüder zurück.[1]

Populäre Erscheinungen

Frühe Beispiele

Das früheste Zeugnis eines Kneipnamens ist das Einnahmebuch der Pfälzischen Landsmannschaft in Heidelberg von 1805, in dem Namen wie Alexander, Barbarossa und Tell erscheinen.[2] Auch bei den Abgeordneten des Stuttgarter Burschentages von 1832, der beschloss, „den Weg der Revolution zu gehen“, wurde mit Kneipnamen unterzeichnet.[3]

Schülerverbindungen und Bierstaaten

Mit dem Ersten Weltkrieg verschwanden sie, hielten sich aber noch in nicht-akademischen, besonders Schülerverbindungen, und bis in die 1920er Jahre bei den Jenaer Bierstaaten, in denen die erstmaligen Teilnehmer einen Burg- oder Biernamen erhielten.[1]

Kneipnamen des Otto von Bismarck

Zu den idealisierten Kneipnamen gehört der Bismarck zugeschriebene „Achilleus der Unverwundbare“. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine Erfindung und Bismarck hatte wiederholt Blutige (Vergleiche: Mensur) bezogen. Er hat den weniger schönen Namen Kassube (nach den ostpommerschen Gütern der Familie) getragen und wurde auch Kindskopf oder Barribal (amerikanische Bärenart) genannt.[4]

Andere Gesellschaften

Bei den zahlreichen Dichtergesellschaften des 18. und 19. Jahrhunderts, wie beispielsweise dem Göttinger Hain gaben sich die Mitglieder vermeintliche Bardennamen, so nannte sich Johann Heinrich Voß Gottschalk oder Sangrich.[5]

Beim Illuminatenorden hatte Johann Wolfgang von Goethe den Namen Abaris. In seiner Wetzlarer Zeit hatte er mit dem Namen Götz, der Redliche, der dortigen Rittergesellschaft angehört, die nach ihren Bräuchen zu urteilen eine Art Bierstaat war.[6]

Bei der Künstlergesellschaft im Berliner Tunnel wurden meist wenig zutreffende Künstlernamen zuerteilt. So hieß Theodor Fontane Lafontaine, während Adolph Menzel Rubens genannt wurde.[7]

Einzelnachweise

  1. a b c Max Mechow: Studentische Kneipnamen und ihre Verwandten, S.97ff.
  2. Wilhelm Fabricius: Die älteste Suevia zu Heidelberg. In: Academische Monatshefte 8 (1894), S.2
  3. Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Burschenschaft und der deutschen Einheitsbewegung Bd.4, Heidelberg, 1913, S.343
  4. Wilhelm Fabricius: Aus Bismarcks Studienzeit, Academische Monatshefte 8 (1894), S.228
  5. Wilhelm Herbst: Johann Heinrich Voß, Bd. 1, Leipzig, 1872, S.96f.
  6. H. Goël: Goethe und seine Rittertafel, Goethe-Jahrbuch 32 (1911), S.101
  7. Max Mechow: Studentische Kneipnamen und ihre Verwandten, S.100

Literatur

  • Max Mechow: Studentische Kneipnamen und ihre Verwandten, aus Historia Academica Band 13, Stuttgart

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