Liste griechischer Phrasen/Psi

Liste griechischer Phrasen/Psi

Inhaltsverzeichnis

ψαλμὸς τῷ Δαυιδ

David in einem Psalmenbuch
ψαλμὸς τῷ Δαυιδ
Psalmos tō Dauid
„ein Psalm Davids“

Die meisten Psalmen tragen Überschriften, in denen sich oft ein Name findet. In 73 Überschriften wird David genannt. Das nachexilische Judentum schrieb die Mehrzahl der Psalmen dem Priester-König David zu.

Inzwischen ist die Bibelforschung zu der Ansicht gekommen, dass der Name David auf eine frühe Entstehungszeit hinweist. Dabei gilt die Königszeit als die Epoche der Psalmendichtung. David stand auch hinter dem Aufbau der Schule der Tempelsänger.

Die Davidspsalmen sind eine Art Sammelname, die die Zugehörigkeit des jeweiligen Psalms zur David-Tradition des vorexilischen Tempelkults markiert.

Die hebräische Präposition, die als Psalm Davids wiedergegeben wird, muss nicht die Verfasserschaft ausdrücken, sondern geht mehr in Richtung auf Besitzanzeige: dem David zugehörig.

Psalmbuch Davidpsalmen
1. Buch 3-14 und 15-24 und 25-34 und 35-41
2. Buch 51-72
3. Buch 86
4. Buch 101-106
5. Buch 108f und 138-145

ψηλαφεῖν ἐν τῷ σκότῳ

ψηλαφεῖν ἐν τῷ σκότῳ
psēlaphein en tō skotō
„Im Dunkelheit umhertappen“

Der Humanist Erasmus von Rotterdam schreibt in seiner Sprichwörtersammlung Adagia:

Im Dunklen tappen heißt, einer Sache mit vagen Vermutungen auf die Spur zu kommen suchen. Aristophanes im ‘Frieden’: Denn sonst, / Da tappten wir politisch tief im Dunklen, / Doch jetzt beraten wir uns stets bei Licht.[1]

Dies ist eine Anspielung auf den Archonten Hyperbolos, der von Beruf Lampenfabrikant war. Er wollte nach Kleon führender Demagoge werden und war Führer der „Partei“, die für eine Aussöhnung mit Sparta war, womit er in direktem Gegensatz zu Alkibiades stand.

Der Ostrakismus des Hyperbolos gegen Alkibiades und Nikias im Jahr 416/15 war die letzte Ostrakisierung. Bei dieser Abstimmung wurde das Verfahren ad absurdum geführt, als die eigentlichen Kontrahenten Nikias und Alkibiades ihre Anhänger auf den Demagogen Hyperbolos konzentrierten, der den Ostrakismos beantragt hatte. Es war damit offenbar so diskreditiert, dass keine weitere Ostrakophorie mehr durchgeführt wurde.

  • Lateinisch: „palpari in tenebris

Ψυχὴ πᾶσα ἀθάνατη·

Ψυχὴ πᾶσα ἀθάνατη· τὸ γὰρ ἀεικίνητον ἀθάνατον.
Psychē pāsa athanatē; to gar aeikineton athanaton.
„Jede Seele ist unsterblich; denn das Stetsbewegte ist unsterblich.“

Zitat aus Platons Dialog Phaidros. Die Seele kann sich als bewegendes Prinzip nie selbst verlassen und ist daher unsterblich.

An diese Ausführungen knüpft Sokrates einen Mythos. Anfänglich lebten die Seelen unter den Göttern und nahmen teil an ihrer himmlischen Wagenfahrt. Die Götter haben lauter edle Pferde, die Seele aber, deren Wagen von der Vernunft gelenkt wird, hat ein edles, himmlisches Ross, das Gemüt, und ein wildes, zottiges, bockiges irdisches Pferd, den Trieb. Sie stürzt wegen des störrischen Verhaltens des irdischen Pferdes ab. Dann fallen die Federn aus den Flügeln der Seele und diese sinkt zur Erde. Wenn die Seele auf der Erde etwas Schönes erblickt, erinnert sie sich an die Ideen und ihre Federn beginnen wieder zu wachsen.

ψυχὴ θρεπτική

ψυχὴ θρεπτική
Psychē threptikē
„Pflanzenseele“

Begriff aus der Seelenlehre des Aristoteles' in seiner Schrift Über die Seele, in der die Seele folgendermaßen unterteilt ist:

  1. ψυχὴ θρεπτική (lateinisch: anima vegetativa): Pflanzenseele, Ernährung und Fortpflanzung
  2. ψυχὴ αἰσθητική (lateinisch: anima sensitiva): Tierseele, Sinneswahrnehmung und Ortsveränderung
  3. νοῦς (lateinisch: anima cogitativa): Menschenseele, unterteilt in einen unsterblichen, aktiven Nous, νοῦς ποιῶν und einen sterblichen, rezeptiven Nous, νοῦς παθητικός

In dieser Seelenlehre bedeutet „beseelt sein“ soviel wie „lebendig sein“. Die Seele hat drei Vermögen und Handlungsweisen. Sie ist auch zum Teil sterblich und unsterblich. Anders als Platon sieht Aristoteles Körper und Seele eng miteinander verbunden. Dennoch gibt es für ihn einen Teil der Seele, der über den Körper hinausweist.

Ψυχῆς ἰατρεῖον

Ψυχῆς ἰατρεῖον
Psychēs iatreion
„Hospital für die Seele“

Inschrift über dem Tor der Bibliothek von Alexandria in hellenistischer Zeit nach Diodorus Siculus, Bibliotheca 1,49. Sie gilt als die größte Sammlung von Schriften der antiken Welt. Um 250 v. Chr. betrug die Gesamtzahl der Rollen in der Bibliothek bereits 400.000, später sollen es bis zu 700.000 Schriftrollen gewesen sein.

Jedes anlandende Schiff, das Schriftrollen beförderte, musste der Überlieferung zufolge die Rollen abschreiben lassen und erhielt nur die Kopien zurück.

Der Historiker Jacob Burckhardt schreibt in seiner Griechischen Kulturgseschichte:

Diese Stadt lag (wofern man auch Italien und Rom hinzurechnen darf) im Zentrum der jetzigen hellenistischen Welt, war wie keines der Antiochien und Seleukien vor Eroberungen gesichert und vollends in bezug auf Sicherheit das gerade Gegenteil von Makedonien. Dazu war Ägypten eine Stätte des alten Wissens und Sammelns. Bibliotheken waren schon bei den alten Pharaonen vorgekommen, und die des Osymandyas hatte die Inschrift »Heilstätte für den Geist« (ψυχῆς ἰατρεῖον) getragen. [2]

In Zusammenarbeit mit der UNESCO wurde eine neue Bibliothek von Alexandria errichtet und am 16. Oktober 2002 eröffnet.

Ψυχῆς πείρατα ἰὼν οὐκ ἂν ἐξεύροιο...

Ψυχῆς πείρατα ἰὼν οὐκ ἂν ἐξεύροιο...
Psychēs peirata iōn ouk an exeuroio...
„Der Seele Grenze kannst du nicht entdecken gehen...“

Zitat aus der Seelenlehre des Philosophen Heraklit [3], das vollständig folgendermaßen lautet:

Ψυχῆς πείρατα ἰὼν οὐκ ἂν ἐξεύροιο, πᾶσαν ἐπιπορευόμενος ὁδόν, οὕτω βαθὺν λόγον ἔχει.
Psychēs peirata iōn ouk an exeuroio pasan epiporeuomenos hodon; houtō bathyn logon echei.
Der Seele Grenze kannst du nicht entdecken gehen, selbst wenn du jeden Weg abschreitest; so tief ist die Erklärung, die sie hat.

Ψυχῆς μέγας χαλινὸς ἀνθρώποις ὁ νοῦς.

Ψυχῆς μέγας χαλινὸς ἀνθρώποις ὁ νοῦς.
Psychēs megas chalinos anthrōpois ho nous.
„Der Menschenseele fester Zügel ist die Vernunft.“

Sentenz aus den Monosticha des Dichters Menander. Die lateinische Version dieses Spruchs lautet: „Animi nam frenum magnum mens est hominibus.

Ψυχρὰ θέρεται, θερμὸν ψύχεται, ὑγρὸν αὐαίνεται, καρφαλέον νοτίζεται.

Ψυχρὰ θέρεται, θερμὸν ψύχεται, ὑγρὸν αὐαίνεται, καρφαλέον νοτίζεται.
Psychra theretai, thermon psychetai, hygron auainetai, karphaleon notizetai.
„Kaltes erwärmt sich, Warmes kühlt ab, Feuchtes vertrocknet, Dürres wird benetzt.“

Fragment des Philosophen Heraklit, mit dem er ausdrückt, dass Wandel und Stabilität die Pole eines Kontinuums sind. [4] Die Einheit der Gegensätze besteht in allen Prozessen.

Quellennachweis

  1. Erasmus von Rotterdam: Ausgewählte Schriften. Band 7. Wissenschaftliche Buchgesellschaft. 1972
  2. http://www.zeno.org/Geschichte/M/Burckhardt,+Jacob/Griechische+Kulturgeschichte/Vierter+Band/Neunter+Abschnitt.+Der+hellenische+Mensch+in+seiner+zeitlichen+Entwicklung/VI.+Der+hellenistische+Mensch
  3. Diogenes Laertios IX,7
  4. Heraklit: B 126

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