Michel Mort

Michel Mort

Michel Mort ist ein lokaler Sagenheld aus dem Mittelrheinraum, der Johann I. von Sponheim 1279 in der Schlacht von Sprendlingen gerettet haben soll.

Inhaltsverzeichnis

Sagen

Auslöser der Schlacht bei Sprendlingen war der 1279 vereinbarte Verkauf der Burg Schloßböckelheim durch Heinrich I. von Sponheim-Dannenfels, den Bruder Johanns, an Werner von Eppstein, den Erzbischof vom Mainz, bei dem Heinrich das 1277 in einem Erbvertrag vereinbarte Vorkaufsrecht seines Bruders überging. Johann widersetzte sich dem Verkauf, woraufhin der Mainzer Erzbischof die Herausgabe der Burg mit Waffengewalt erzwingen wollte und es bei Sprendlingen zur Schlacht kam. Trotz zahlreicher Verbündeter drohte Johann die Niederlage und Gefangennahme, als die Kreuznacher Metzgerzunft mit dem riesenhaften Michel Mort an der Spitze den Grafen unter dem Kampfruf „Hie Kreuznach! Mein edler Graf!“ freikämpfte und ihm die Flucht ermöglichte. Michel Mort tötete im Kampf zahlreiche Gegner, wurde aber schließlich tödlich verletzt.[1]

Eine weitere Sage berichtet von Michel Mort als hörigem Kriegsknecht von Gottfried III. von Sponheim, der während der Hochzeitsfeier seines Herrn auf Burg Sayn mehrere Ritter im Ringkampf besiegt und in einen Sack gesteckt habe. Daraufhin habe Gottfried ihn freigegeben.[2]

Erinnerungskultur

Steinerner Löwe auf der Kauzenburg (J. C. Scheuren, 1834)

Die Grafen von Sponheim errichteten vermutlich noch im 13. Jahrhundert am Ort der Schlacht ein Denkmal, das im 18. Jahrhundert verfiel und vergessen wurde. Sein Fundament wurde 1828 beim Bau der Straße von Gau-Bickelheim nach Bingen, der heutigen B 50, zufällig wiederentdeckt. Die Umgebung des Denkmalstandorts trägt die Flurbezeichnung Am Michel Mort.[3] In Sprendlingen wurde 1979 ein neuer Gedenkstein in der Graf-Johann-Straße errichtet.[4]

In Bad Kreuznach erinnert ein von Robert Cauer dem Jüngeren entworfenes Denkmal auf dem Eiermarkt in der Neustadt an die Legende.[5] Das 1902 eingeweihte Original aus Savoniere-Kalkstein wurde durch eine Kopie ersetzt und befindet sich heute im Stadthaus Bad Kreuznach.

Nach der Sage soll ein steinerner Löwe auf der Kauzenburg, der ursprünglich von Schloss Dhaun stammt, ebenfalls an Michel Mort erinnern.

In Bad Kreuznach und in Sprendlingen wurden Straßen nach Michel Mort benannt, die Bad Kreuznacher Michel-Mort-Gasse ist eine Nebenstraße der Metzgerstraße, die Sprendlinger Michel-Mort-Straße verläuft am Rande des historischen Schlachtfelds.

Literarische Rezeption

Die Erzählung Michel Mort der Kreuznacher: eine romantische Ausstellung aus der vaterländischen Geschichte mit historischen Farben gezeichnet von Christoph Sigismund Grüner erschien 1805. Otto Gros veröffentlichte 1914 eine weitere literarische Bearbeitung der Sage unter dem Titel Michel Mort: Historische Erzählung.

Literatur

  • Sigrid Bingenheimer: Die Flurnamen der Gemeinden um den Wissberg in Rheinhessen. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1996. ISBN 3-515-06216-5
  • Willy Mathern, Otto Gros: Michel Mort: Gedenkschrift zur Erinnerung an den Kampf zwischen der Sponheim-Grafschaft und dem Erzbistum Mainz auf dem Michel-Mort-Feld bei Sprendlingen vor 700 Jahren. Fiedler, Bad Kreuznach 1979. ISBN 3-924824-18-5
  • Rainer Schlundt (Hrsg.): Sagen aus Rheinland-Pfalz. Eugen Diederichs Verlag, Köln 1983. ISBN 3-424-00757-9

Einzelnachweise

  1. Rainer Schlundt (Hrsg.): Sagen aus Rheinland-Pfalz
  2. Michael Mort: Ein Knecht gewinnt die Freiheit auf Burg Sayn. Heimatarchiv Sayn, abgerufen am 8. April 2008.
  3. Zur Geschichte von Sprendlingen. Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz, abgerufen am 8. April 2008.
  4. Gewann Michel Mort. Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz, abgerufen am 8. April 2008.
  5. Michel Mort und die Schlacht von Sprendlingen 1279. Ortsgemeinde Sprendlingen/Rhh., abgerufen am 8. April 2008.

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