Overdrive (Getriebe)

Overdrive (Getriebe)
Overdrive-Prinzipanordnung
Getriebe ohne elektro-hydraulischen Overdrive. (unter dem Schalthebel ein dünner Getriebehals zur Kardanwelle)
Das gleiche Getriebe mit elektro-hydraulischem Overdrive. (zusätzliches Overdrivegehäuse anstelle des Getriebehalses)
Laycock de Normanville Overdrive-Einheit „J Type“

Overdrive ist die Bezeichnung eines Schongangs im Kraftfahrzeug-Getriebe, der eine Absenkung der für eine bestimmte Geschwindigkeit notwendigen Motordrehzahl (bei dadurch verringertem Drehmoment) bewirkt. Früher wurde der Begriff auch mit Schnellgang übersetzt, weil er bei höheren Geschwindigkeiten verwendet wurde und ins Schnelle übersetzte. Overdrive ist ein eingetragenes Warenzeichen der BorgWarner Corp.

Inhaltsverzeichnis

Funktion

Im engeren Sinn bezeichnet man mit Overdrive ein dem gewöhnlichen Getriebe nachgeschaltetes Planetengetriebe im eigenen Gehäuse, das elektrisch oder manuell zugeschaltet wird. Gewöhnlich lässt es sich im dritten und vierten Gang zuschalten. Im letzteren Fall erhält man die Übersetzung eines Schongangs. Durch Zuschaltung des Overdrive reduziert sich die Eingangsdrehzahl bei gleich bleibender Ausgangsdrehzahl um 22 Prozent (zum Beispiel bei einigen Triumph- und MG-Modellen) oder um 28 Prozent (großteils bei Austin-Healey 3000 und verschiedenen Jaguar-Typen). Je nach Übersetzung der Hinterachse ermöglicht das Overdrive beispielsweise bei einer Geschwindigkeit von 130 km/h eine Drehzahlreduzierung von fast 1000 Umdrehungen pro Minute. Durch die reduzierte Kolbengeschwindigkeit werden die Belastungen des Triebwerks verringert. Geräuschkulisse und Spritverbrauch können so ebenfalls gesenkt werden.

Von Vorteil ist das einfache Einlegen per Schalter. Vor allem aber ermöglicht es den Herstellern, ohne großen Entwicklungsaufwand einen Schongang anzubieten. Der Schalter befand sich häufig an der Lenksäule, mitunter auch im Schalthebel.

Geschichte

Entwicklung

In den 1950er und 1960er Jahren war der Overdrive bei englischen Limousinen und Sportwagen relativ verbreitet als Bestelloption in der Leistungsklasse zwischen 60 und 150 PS. Die Standard-Vierganggetriebe ließen es oft nicht zu, einen fünften Gang einzubauen, jedoch war eine Absenkung der Drehzahlen für Überlandfahrten bei dem sich verbreitenden Autobahnnetz und folglich höheren Reisegeschwindigkeiten immer mehr gewünscht. Eine Overdrive-Planetenstufe ließ sich an eine bestehende Getriebekonstruktion recht einfach anbauen: mit einem längeren Gehäuse am Kardanwellenflansch für die Planetenradstufe, mit einer etwas kürzeren Kardanwelle und einem elektrischen Schalter zur Betätigung der magnetventilgesteuerten und öldruckbetätigten Bandbremse des Planetenrings war der Overdrive recht preiswert zu bauen. Acht geben musste der Konstrukteur nur auf das maximale Drehmoment: in den unteren, „kräftigeren“ Gängen ist ein Overdrive mit den Haltekräften überfordert, daher läßt er sich nur im höchsten Gang bzw. nur im dritten und vierten Gang betätigen.

Aktuell

Heutige Fahrzeuggetriebe besitzen in der Regel 1 oder 2 Gänge, die ins Schnelle übersetzt sind, sodass kein nachgeschaltetes Overdrive-Getriebe mehr erforderlich ist. In den 1950er und 1960er Jahren hingegen wurde das Overdrive-Getriebe insbesondere von Volvo und englischen Herstellern häufig verwendet. Opel hat es in den Modellen Opel Kapitän, Rekord E1 und Commodore C kurzzeitig angeboten. Ford bot es kurze Zeit im Taunus 17m (P2) an. Diese Sonderausstattung wurde allerdings immer wieder wegen mangelnder Nachfrage, was auch zum Teil an der etwas umständlichen Bedienung lag, nach kurzer Zeit eingestellt.
Für das nachträgliche „Vollausstatten“ von Oldtimern ist ein Nachrüsten mit Overdrive noch immer üblich.

Hersteller und Lizenznehmer

Als bedeutender Hersteller ist Laycock de Normanville zu nennen. Früher stellten die Adlerwerke entsprechende Getriebe unter Lizenz her.

Ähnliche Konzepte

Ähnlich wie ein klassisches Overdrive-Getriebe funktioniert das in den 90er Jahren von der Firma Cetoni entwickelte APA (Additional Powertrain Adjustment) Getriebe. Es handelt sich dabei um ein zweistufiges, synchronisiertes Zusatzgetriebe, das je nach Einbaurichtung als Untersetzungs- oder Übersetzungsgetriebe arbeitet. Die Schaltung funktioniert elektrohydraulisch und wird durch einen kleinen Schalter am Ganghebel bedient. Beim Einsatz des APA-Getriebes stehen doppelt so viele Schaltstufen wie beim serienmäßigen Schaltgetriebe zur Verfügung. Es kann in nahezu jedem heckgetriebenen und auch in vielen allradgetriebenen Fahrzeugen verwendet werden, um entweder die Höchstgeschwindigkeit oder die Zugkraft zu erhöhen.

Begriffsverwendung

Heute wird der Begriff Overdrive in Fahrzeugtests sowie Produktbeschreibungen häufig für sehr lang übersetzte Gänge verwendet.
Ebenso ist die Verwendung für Gänge gebräuchlich, die nicht ins Langsame, sondern ins Schnelle übersetzt sind.

Einzelnachweise


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