Peregrinus Proteus

Peregrinus Proteus

Peregrinus Proteus (* um 100 n. Chr. in Parion in Mysien; † 165 n. Chr. in Olympia) war ein griechischer Philosoph (Kyniker).

Peregrinus ist besonders bekannt durch eine Schrift seines Zeitgenossen Lukian Über den Tod des Peregrinus. Weitere Quellen sind Philostrats Sophistenviten, Aulus Gellius' Attische Nächte, Hieronymus' Chronik des Eusebius und Athenagoras' Legatio pro Christianis. Als literarische Figur taucht Peregrinus Proteus in Christoph Martin Wielands gleichnamigem Roman (1787/88) auf und heute wieder bei Peter Sloterdijk in dessen Kritik der zynischen Vernunft (1983).

Die meisten Quellen sowie Literatur erwähnen und behandeln Peregrinus wegen seines von ihm inszenierten Feuertodes bei den Olympischen Spielen im Jahr 165. Theagenes, sein Fürsprecher in Lukians Schrift, verweist auf die kynische Tradition des Suizides (Herakles, Kalanos) und lobt Peregrinus als ehrenhaften Mann. Der Gegenredner unterstellt ihm hingegen „Ruhmsucht“ in seiner Absicht, sich in der Öffentlichkeit der Olympischen Spiele ins Feuer zu stürzen. Dieser Gegenredner wirft Peregrinus noch zahlreiche Vergehen vor, wie etwa den Mord an seinem Vater, den Ehebruch und die Päderastie. Allerdings kann man in diesem Fall von böswilligem Klatsch bei Lukian ausgehen. Unbestreitbar hingegen ist Peregrinus' Mitgliedschaft in einer christlichen Gemeinde in Palästina, seine Kritik am Kaiser mit anschließender Verbannung aus Rom und seine Hetzreden gegen die römische Herrschaft in Griechenland.

Als Kyniker lernte Peregrinus bei Agathoboulos in Ägypten. Fest datierbare Ereignisse im Leben des Peregrinus sind seine Auftritte bei den Olympischen Spielen. Im Jahr 153 n. Chr. kritisierte er dort den Bau einer Exedra mit abschließendem Nymphaeum durch den griechisch-römischen Politiker und Mäzen Herodes Atticus. Nach harscher Kritik der Besucher an diesem Vorwurf musste er von den Spielen fliehen. 157 kehrte er zurück und lobte den Bau, eine Bestätigung für Lukians Vorwürfe, er sei wankelmütig. 165 besteigt er bei den Olympischen Spielen tatsächlich den Scheiterhaufen, um seine philosophische Lebensverachtung zu bezeugen, wohingegen Lukian darin nichts anderes als Eitelkeit und Theaterspiel sieht.[1],[2]

Literatur

  1. Lukian, Der Tod des Peregrinos. Ein Scharlatan auf dem Scheiterhaufen. Herausgegeben, übersetzt und mit Beiträgen versehen von Peter Pilhofer, Manuel Baumbach, Jens Gerlach und Dirk Uwe Hansen. Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2005
  2. Hans Lietzmann: Geschichte der Alten Kirche; Walter de Gruyter, 1999

Weblinks

 Wikisource: Peregrinus Proteus – Quellen und Volltexte

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