Pyramiden von Euseigne

Pyramiden von Euseigne

Euseigne (970 m) ist ein Ortsteil der Gemeinde Hérémence im Val d'Hérens, einem Seitental der Rhône im französischsprachigen Teil des Schweizer Kantons Wallis. Der Ort wurde bekannt durch seine Pyramiden, eine Erosionserscheinung der ehemaligen Mittelmoräne des nach der Würmeiszeit aus den tiefen Tallagen zurückweichenden Hérens-Gletschers.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Euseigne: Tunneldurchbruch durch die Pyramiden, 1947

Das Dorf am Zusammenfluss der Borgne und der aus dem Lac des Dix von Südwesten einmündenden Dixence (Val d'Hérémence) ist seit dem Mittelalter belegt. Eine erste dem Heiligen Georg gewidmete Kapelle baute der Domherr Georg Dayer 1587.

Durch zwei Großfeuer 1800 und 1917 wurde fast die gesamte historische Bausubstanz zerstört. Die Kapelle wurde 1923 erneuert.

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist Euseigne ein touristisch relevanter Durchgangsort auf der ca. 30 km langen Strecke aus dem Rhônetal zur Gletscherwelt des oberen Talabschlusses des Val d'Hérens und zur weltweit höchsten Staumauer, der Grande Dixence, am Ende des Val d'Hérémence. Die Erdpyramiden sind dabei ein markanter Zwischenstopp. In einem Tunneldurchbruch von 1947 führt die Fahrstraße unter den Formationen hindurch.

Die Pyramiden von Euseigne

Die Pyramiden von Euseigne; Blick das Val d'Hérens abwärts ins Rhônetal und auf die Berner Alpen

Die sogenannten Pyramiden von Euseigne haben ihren Ursprung im Geröll des vor mindestens 10.000 Jahren im Holozän abschmelzenden Hérens-Gletschers; beim Rückzug blieben zwei Gletscherzungen im heutigen oberen Tal der Borgne und dem Tal der Dixence übrig. Der zurückgelassene Gletscherschutt im Zwischenraum zwischen diesen Eismassen - d.h. im heutigen Mündungsgebiet der Dixence bei Euseigne - wurde dabei unter großem Druck zu einer Mittelmoräne zusammengepresst, die nach dem Abschmelzen des Eises austrocknete. Hohlräume füllten sich mit Lehm und Sand, sodass sich nach und nach eine kompakte Masse verfestigte, die auch als Betonmoräne bezeichnet wird.

Diese Betonmoräne wurde allmählich im Laufe der Jahrhunderte durch Wind und Regenwasser abgetragen. Nur an Stellen, wo einst mächtige Gneis-Blöcke von bis zu 3 m Durchmesser und bis zu 20 Tonnen Gewicht auf der der Mittelmoräne gelegen haben, kam die Erosion zum Stillstand. So entstanden die heute sichtbaren Säulen ("Pyramiden") unter dem jeweiligen Deckstein, der wie ein schützender Hut (chapeau protecteur genannt) auf den 10-15 m hohen Gebilden aufliegt.

Einige Pyramiden haben ihren chapeau protecteur verloren und werden nach der Vorhersage von Geologen innerhalb der nächsten Jahrhunderte verschwinden. Auch werde die Substanz der Betonmoräne im Inneren durch Regenwasser und Frost zunehmend instabil und könne insoweit den baldigen Einsturz bewirken.

Die Erdpyramiden liegen im Val d'Hérémence und werden von der Landstraße, die aus diesem Tal herauf führt, mit einem kurzen Tunnelbogen durchschnitten. Die Straße erstreckt sich weiter zum Dorf Euseigne im Val d'Hérens.

Infrastruktur

  • Wanderwege entlang der Borgne talauf- und -abwärts, nach Hérémence und durch das Tal der Dixence sowie auf die Höhenzüge östlich der Borgne mit den Nachbargemeinden Mase und St. Martin.
  • Abzweig einer Fahrstraße von der Hauptroute durch das Val d'Hérens in das Val Hérémence.

Literatur

  • Béatrice Ruedin: Le paysage des pyramides d'Euseigne, in: Geographica Helvetica 18 (1963), S. 88–90 (Digitalisat)
  • Wanderkarte "Val d'Anniviers, Val d'Hérens, Crans-Montana", 1:60.000, Kümmerley + Frey, 2006
  • Baedeker Schweiz, 9. Aufl. 2000, S. 495 ff.

Weblinks

46.1716666666677.42277777777787Koordinaten: 46° 10′ N, 7° 25′ O; CH1903: (598774 / 113355)


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