Starčevo-Kultur

Starčevo-Kultur

Die Starčevo-Kultur (auch als Starčevo-Körös-Criș-Kultur bezeichnet) datiert in das Frühneolithikum und ist als Vorläufer der Linienbandkeramik bekannt. Sie wurde nach der Fundstätte Starčevo bei Pančevo (Serbien) benannt. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Südtransdanubien, Nordkroatien und Teile Bosniens. Enge Verwandtschaft zeigt die Starčevo-Kultur mit der Körös-Kultur Ostungarns und Rumäniens sowie mit einigen lokalen Gruppierungen Makedoniens (Gruppe Anzabegovo-Vrsnik und Gruppe Veluska Tumba-Porodin). Verbindungen gibt es auch zum bulgarischen Frühneolithikum.

Inhaltsverzeichnis

Siedlungswesen

Der Forschungsstand in den Gebieten des ehemaligen Jugoslawien ist eher schlecht, sodass nur wenige Hausgrundrisse der Starčevo-Kultur bekannt sind. Es handelt sich um kleine Bauten mit Wänden aus Pfosten, deren Zwischenräume mit Flechtwerk und Lehm verkleidet waren. Möglicherweise gab es auch sogenannte Halbgrubenhäuser, d.h. Hausbauten, die über oder in Gruben angelegt waren. In Lepenski Vir wurden in der Starčevo-Schicht mehrere trapezförmige Gebäude mit Steinfußböden, in geraden Reihen verteilt, gefunden.

Stein- und Knochengeräte

Von Werkzeugen der Starčevo-Kultur gibt es leistenförmige geschliffene Beile aus Stein. Aus Knochen wurden Angeln und Harpunen sowie Polierscheiben für Tonwaren hergestellt.

Keramik

Das Formenspektrum der Starčevo-Kultur umfasst halb- bis dreiviertelkugelige Gefäße, Schüsseln und Schalen, die bisweilen auf Füßen ruhen, Flaschen und große Vorratsgefäße. Während die Grobkeramik oft Schlickrauung (Barbotine), Fingerkerben oder Fingerkniffe, Warzen etc. als Verzierung aufweist, ist ein geringer Prozentsatz (etwa 2-3 %) der Feinkeramik bemalt. Auf Grund dieser Bemalung kann die Starčevo-Kultur chronologisch in mehrere Stufen untergliedert werden. Die älteste Keramik ist monochrom. Darauf folgt eine Stufe mit Bemalung in weiß-auf-rot. An Motiven finden sich Tupfen, Netzmuster, rekti- und kurvolineare Formen (florale Muster, Spiralen etc.). Die Stufen mit monochromer und weiß-auf-rot bemalter Keramik werden als ProtoStarčevo zusammengefasst. Das klassische Starčevo zeigt schließlich Bemalung in dunkel-auf-hell. Auch hier kommen kurvo- und rektilineare Motive vor.

Kultgegenstände

Die Menschen der Starčevoer Kultur fertigten anthropomorphe Plastiken aus Ton. Einige sind ungegliedert und von säulenartiger Form; andere wirken naturnäher, sie weisen einen langen stabartigen Hals, einen reduzierten Oberkörper und ein stark betontes Gesäß mit ausladenden Hüften auf (Steatopygie). Fast alle diese kleinen Statuetten sind zerbrochen, wohl mit Absicht. Ob sie mit einem Opferkult oder anderen Glaubensvorstellungen zusammenhängen, ist unklar. Als weitere Kultgegenstände müssen vierbeinige "Altärchen" angeführt werden, deren Verwendungszweck ebenfalls noch unklar ist.

Totenritual

Echte Gräberfelder sind uns aus der Starčevo-Kultur nicht bekannt. Die wenigen Bestattungen, die wir kennen, sind in Hocker-Lage begraben. Selten nur wurden Beigaben in die Gräber gelegt, etwa in Form grober und feiner bemalter Gefäße, was uns durch die Ausgrabungen in Tečić bei Kragujevac bekannt wurde und bereits auf den Glauben an das Leben nach dem Tode hinweist.

Wichtige Fundorte

Der eponyme Fundort Starčevo ist bis heute nicht richtig publiziert worden. Die meisten Siedlungen sind nur als kurze Vorberichte bekannt. Gut veröffentlicht sind die Fundstellen Divostin und, in mehreren, allerdings schwer zugänglichen Artikeln, Donja Branjevina. Weitere wichtige Fundorte sind

  • Slavonski Brod
  • Blagotin
  • Grivac
  • Crnokalačka Bara
  • Tečić
  • Gura Baciului
  • Ostrovu Golu.

Literatur

  • V. Milojčić, Chronologie der jüngeren Steinzeit Mittel- und Südosteuropas (Berlin 1949).
  • D. Arandjelović-Garašanin, Starčevačka kultura (Ljubljana 1954).
  • A. McPherron, D. Srejović, Divostin and the Neolithic of Central Serbia (Pittsburgh 1988).
  • H. Schubert, Die bemalte Keramik des Frühneolithikums in Südosteuropa, Italien und Westanatolien (Rahden/Westf. 1999).

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