Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin

Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin

Die Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin ist die wissenschaftliche Bibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie ist mit 6,5 Millionen Bänden eine der größten Universitätsbibliotheken Deutschlands.

Leseterrassen des 2009 eröffneten Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrums, Sitz der Zentralbibliothek der Universitätsbibliothek

Inhaltsverzeichnis

Gliederung

Die Bibliothek ist einschichtig gegliedert in eine Zentralbibliothek, neun Zweigbibliotheken, von denen zwei jeweils eine Teilbibliothek unterhalten, und das Universitätsarchiv.

Herzstück der Bibliothek ist die Zentralbibliothek, die in einem 2009 fertiggestellten Neubau – dem Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum – untergebracht ist. Sie ist auch für die historischen Buchbestände wie die private Arbeitsbibliothek der Brüder Grimm zuständig. Auf dem Campus Adlershof befindet sich die Zweigbibliothek Naturwissenschaften mit rund 400.000 Bänden, die im Jahr 2003 durch die Zusammenlegung der Zweigbibliotheken Chemie, Geographie, Mathematik/Informatik, Physik und Psychologie entstanden ist.

Bestände

Die Bibliothek verfügt insgesamt über rund 6,5 Millionen Bücher und rund 9.000 laufende Zeitschriften. Sie betreut zudem die Sondersammelgebiete „Volks- und Völkerkunde“ und „Hochschulwesen. Organisation der Wissenschaften und ihrer Einrichtungen“ sowie wertvolle historische Sammlungen wie z.B. Teile der sprachwissenschaftlichen Bibliothek Wilhelm von Humboldts, dem Archiv des literarischen Sonntagsvereins "Tunnel über der Spree" und die ehemalige Privatbibliothek von Jacob und Wilhelm Grimm.

Geschichte

Ehemals Königliche Bibliothek, heute sitzt in der „Kommode“ die Juristische Fakultät

Die zunächst nach Gründung der Universität 1810 auch durch die Studenten benutzte Königliche Bibliothek genügte bald nicht mehr den Anforderungen des Lehrbetriebs. Im Jahre 1831 wurde daher eine vollkommen neue Universitätsbibliothek angelegt, die, allerdings noch bis 1898 von der Königlichen Bibliothek verwaltet, ein Jahr später mit 1668 Bänden in Betrieb genommen wurde. Zunächst war sie im Doublettenzimmer im Obergeschoss der Königlichen Bibliothek untergebracht. Es folgten zwei Umzüge: 1839 in den Adlerschen Saal Unter den Linden 76 und 1854 in die Taubenstraße 29. 1835 reichte Karl Friedrich Schinkel einen Entwurf zu einem neuen Bibliotheksgebäude ein, der aber aus Kostengründen nicht realisiert wurde. In den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens verfügte die Universitätsbibliothek nur über einen geringen Etat zum Kauf von Büchern und vergrößerte sich hauptsächlich durch Pflichtexemplarregelungen und die Übernahme von Gelehrtenbibliotheken. Erst Ende der 1870er-Jahre wurde ihr ein fester Etat im Staatshaushalt zugebilligt. Anfang des 20. Jahrhunderts konnte sie, dank mehrerer Sonderzuweisungen und der Einführung einer Bibliotheksgebühr, ihre Lücken schließen.

1871 bis 1874 wurde der Entwurf des Architekten Paul Emanuel Spieker für den Neubau eines eigenen Bibliotheksgebäudes in der Dorotheenstraße 9 (später Nr. 28) ausgeführt. Es ist ein schlichter Backsteinbau in Rundbogenarchitektur. Heute befindet sich in dem Gebäude das Kunsthistorische Seminar. Ab 1900 wurde auch das Nachbargebäude Dorotheenstraße 10 genutzt. Kurz darauf begann der Bau eines gemeinsamen Gebäudes für Akademie der Wissenschaften, Königliche Bibliothek und Universitätsbibliothek zwischen Unter den Linden und Dorotheenstraße. Im April 1910 konnte die Universitätsbibliothek provisorische Räume für Benutzung, Kataloge und Verwaltung in der Universitätsstraße 7 sowie ihre bereits fertiggestellten Magazingeschosse beziehen. 1922 erfolgte der Einzug in die endgültigen Räume in der Dorotheenstraße, in deren Zentrum ein Lesesaal mit 296 Arbeitsplätzen und eine Handbibliothek von 30.000 Bänden stand.[1] Erst 2005 wurde die Universitätsbibliothek gezwungen, das gemeinsame Gebäude zu verlassen.

In der Weimarer Zeit verfügte sie bereits über 831.934 Bände (1930) und gehörte damit in die Spitzengruppe der Preußischen Universitätsbibliotheken. Die Entleihungen außer Haus erreichten mit über 200.000 Bänden ein beträchtliches Niveau.

Bei den auch an der Humboldt-Universität durchgeführten Bücherverbrennungen im Jahr 1933 wurden keine Bände der Universitätsbibliothek verbrannt und auch im Zweiten Weltkrieg waren die Verluste und Schäden an Büchern eher gering, obwohl die Bestände nicht ausgelagert wurden, sondern im Zentrum Berlins verblieben. Deshalb verfügt die Bibliothek heute über einen homogenen Bestand.

In der DDR wurden die vielen Zweigbibliotheken zentralisiert und auch nach der Wende im Jahre 1989 wurde das aufgebaute einschichtige Bibliothekssystem beibehalten, fächerübergreifende Zweigbibliotheken gebildet und zu einer Universitätsbibliothek ausgebaut. Lücken im Buchbestand, die in den vorherigen 30 Jahren entstanden waren, wurden durch umfangreiche Buchnachkäufe vermindert. Mit beträchtlichen Sondermitteln konnte neue nationale und internationale Forschungsliteratur nachgekauft werden.

Der Konzentrationsprozess der Humboldt-Universität auf die drei Standorte Campus Adlershof, Campus Mitte sowie Campus Nord schlug sich auch auf die Universitätsbibliothek nieder. So entstand im Jahr 2003 durch die Zusammenlegung der Buchbestände der Fachbereiche Mathematik, Physik, Informatik, Chemie, Geographie und Psychologie auf dem naturwissenschaftlichen Campus in Adlershof im dortigen Erwin-Schrödinger-Zentrum die Zweigbibliothek Naturwissenschaften.

Mit dem im Herbst 2009 eröffneten Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum, direkt an der Stadtbahn zwischen dem Bahnhof Friedrichstraße und dem Hauptgebäude der Universität gelegen, erhielten auch die Zentralbibliothek, zwölf ehemalige Zweig- und Teilbibliotheken der Sozial-, Geistes- und Wirtschaftswissenschaften sowie Teile des Computer-und Medienservice erstmalig ein modernes Gebäude. Gleichzeitig konnten am Campus-Nord, dem einstweiligen Standort der Zentralbibliothek, die lebenswissenschaftlichen Zweig- und Teilbibliotheken zur Zweigbibliothek Campus-Nord zusammengeführt werden.

Literatur

  • Die Bau- und Kunstdenkmale in der DDR. Band 1: Heinrich Trost (Red.): Hauptstadt Berlin. 2. unveränderte Auflage. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1984, S. 175.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Joachim Krueger/Waltraud Irmscher: Zur Geschichte der Berliner Universitätsbibliothek (= Beiträge zur Geschichte der Humboldt-Universität zu Berlin, Bd. 3); Berlin [Ost]: Humboldt-Universität 1981, S. 24f.

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