- Antoine I. de Croÿ
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Antoine I. de Croÿ, genannt „der Große“ (frz.: le Grand) (* um 1402; † nach 21. Oktober 1475) aus dem alten französisch-burgundischen Adelsgeschlecht der Croÿ war Graf von Porcéan und einflussreiches Mitglied des burgundischen Hofes.
Inhaltsverzeichnis
Leben
Antoine war erster Kammerherr (frz. chambellan) bei Herzog Philipp »der Gute« von Burgund und erfahrener Heerführer. Im Großen Rat Herzog Philipps war er einer der drei mächtigsten Räte während dessen gesamter Regierungszeit. Für seine Verdienste wurde Antoine von Herzog Philipp mit reichen Schenkungen und Gunsterweisen bedacht, und er konnte seinen anfänglich bescheidenen Adelsrang stark ausbauen. Im Jahr 1430 zählte er zu den ersten 24 Mitgliedern des Ordens vom Goldenen Vlies.
1442 war er in Abwesenheit des Herzogs Gouverneur der Niederlande. Darüber hinaus wurde er zum Gouverneur von Namur, Luxemburg (seit 1443), Boulogne und Kapitän von Saint-Omer ernannt. Seit 1452 führte er den Titel des capitaine général (Träger des herzoglichen Banners).
Seinem Testament von 1450 zufolge verfügte der über elf Herrschaften, darunter die pikarische Grafschaft Porcéan, mit einem Gesamtwert von ca. 60.000 francs und er konnte 900 Ritter aufbieten.
Durch seine geographische Herkunft standen die Croÿ oft zwischen Frankreich und Burgund. Damit er die französischen Interessen in Burgund förderte, erhielt Antoine von den französischen Königen große Geldsummen, so von König Karl VII. 10.000 saluts.
Seit 1456 führte die übermächtige Stellung des „Familienclans“ der Croy zu Spannungen am burgundischen Hofe, aus denen die Croy als Sieger hervorgingen, während die Herzogin Isabella, der Erbprinz Karl der Kühne und ihre Anhänger verdrängt wurden. Von 1454 bis 1464 beherrschte Antoine den gesamten burgundischen Staat und besetzte freigewordene Ämter mit seinen Günstlingen. Unter dem Einfluss der Croy stimmte Herzog Philipp 1463 dem Rückkauf der seit dem Vertrag von Arras (1435) in burgundischen Besitz stehende Sommestädte durch König Ludwig XI. von Frankreich zu. Gerüchten zufolge soll Antoine einen Mordanschlag auf Karl geplant haben. Nachdem 1464 eine Versöhnung zwischen Herzog Philipp und seinem Sohn Karl stattgefunden hatte und dieser seit 1465 als Generalstatthalter fungierte, verkündete Karl schon am 12. März 1465 seine Anklage gegen die Croy, die aus den burgundischen Gebieten flohen (Ligue du Bien public). Antoine wurde erst 1473 während des Festes des Ordens vom Goldenen Vlies rehabilitiert.
Familie
Antoines Eltern waren Jean I. de Croÿ († 1415 bei der Schlacht von Azincourt) und Marie de Craon und sein jüngerer Bruder war Jean II. de Croÿ. Er heiratete
- 1410 Marie oder Jeanne de Roubaix (1390-1430), Tochter von Johann V. von Roubaix und Agnès de Lannoy.
- 1432 Marguerite de Loraine-Vaudémont († nach 1477), Dame d’Aarschot, Tochter Antoine, Graf von Vaudémont († 1458) aus dem Haus Châtenois. Durch sie kam die Herrschaft Aarschot in Antoines Besitz.
Er hatte folgende Kinder:
- Johanna (um 1435–1504), heiratet 20. März 1454 Ludwig I. von Pfalz-Zweibrücken (1424-1489).
- Philippe I. (1435–1511), sein Nachfolger
- Jean III. (1436-1505)
- Marie (1440-1489)
- Jacqueline (1445-1486)
- Isabeau (1450-1523)
- Jeanne († 1512), Äbtissin des Couvent des Cordelières (Paris)
Bibliographie
- Karl Theodor Wenzelburger: Croy, Antonie v. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 4, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 617.
- Richard Vaughan: Philip the Good. The apogee of Burgundy. London Longmans, London 1970, ISBN 0-582-50262-4.
- Wim Blockmans: Croy – I. Antoine de Croy. In: Lexikon des Mittelalters. Bd. 3, 1986, Sp. 358f.
- Wilhelm Karl Prinz von Isenburg (Begr.), Frank Baron Freytag von Loringhoven: Europäische Stammtafeln. Stammtafeln zur Geschichte der europäischen Staaten. Abteilung 6: Zwischen Maas und Rhein. Teil 1 = NF Band 18 (des Gesamtwerkes). Stargardt, Marburg 1998, ISBN 3-465-02757-4, Tafel 107ff., (zur Genealogie der Croy).
- Raphaël DeSmedt (Hrsg.): Les chevaliers de l'ordre de la Toison d'or au XVe siècle. Notices bio-bibliographiques (= Kieler Werkstücke. Reihe D: Beiträge zur europäischen Geschichte des späten Mittelalters. 3) 2. édition entièrement revue et enrichie. Verlag Peter Lang, Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-631-36017-7, S. 34–38, Nr. 15.
Weblinks
Commons: Antoine I. de Croÿ – Sammlung von Bildern und/oder Videos und Audiodateien
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