Dan Turèll

Dan Turèll
Dan Turèll

Dan Turèll (oft auch „Onkel Danny“ genannt) (* 19. März 1946 in Kopenhagen; † 15. Oktober 1993 in Kopenhagen) war ein dänischer Schriftsteller und Journalist.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Bis Dan Turèll von seinen Büchern leben konnte, übte er zunächst zahlreiche unterschiedliche berufliche Tätigkeiten aus. Er wurde Buchautor und war zudem als Journalist und Verfasser von Songs für Beatgruppen tätig. Er liebte Kopenhagen, besonders das Viertel Vesterbro, und beschrieb immer wieder seine Stadt in all ihren Facetten.[1] In seinem 1975 erschienenen Erinnerungsbuch Vangede Billeder (Bilder von Vangede) beschreibt er sehr menschlich seine Kindheit und Jugend im Stadtteil Vang. Er schafft es dabei, die Sprache der Arbeiterklasse zur Kunstform zu erheben; die Kopenhagener erkannten sich in den Charakteren des leicht romantisch gefärbten Buches wieder.

Turèlls erste Werke waren beeinflusst von der Literatur der amerikanischen Beat Generation, unter anderen von Allen Ginsberg[2], Jack Kerouac und William S. Burroughs. Er inszenierte sich selbst und verfasste Bücher mit auffallenden Titeln wie Sidste forestilling bevidstløse trancebilleder af eksploderende spejltricks igennem flyvende tidsmaskine af smeltende elektriske glasfotos (Die letzte Vorstellung von unbewussten Trancebildern von explodierenden Spiegeln über fliegenden Zeitmaschinen von schmelzenden elektrischen Glasfotos, 1972). Mit Bild- und Textmontagen überschreitet er dabei Gattungs- und Textgrenzen, so verbindet er zum Beispiel in seinem Song- und Textalbum Karma Cowboy (1974) den Cowboy mit der buddhistischen Karmalehre. Seine zahlreichen Veröffentlichungen mit Titeln wie Onkel Danny’s drivende dansende dirrende dinglende daskende dryppende danske dasedigte (Onkel Dannys fahrende tanzende unruhige baumelnde schneidige sickernde trockene dänische Liedchenschreiberei, 1974) führten dazu, dass Turèll in Dänemark unter dem Namen „Onkel Danny“ allgemein bekannt wurde. 2007 wurde zu seinen Ehren in Vangede ein Platz „Dan Turèlls Plads” benannt.

In den sechs Bänden umfassenden Medie Montager (Medien-Montagen)[3] schreibt Turèll, der als Meister des Slangs wiederholt mit Musikern zusammengearbeitet hat, über Literatur und Musik; Phänomene der Popkultur wie die Rolling Stones kommen dabei ebenso zur Sprache wie die Texte eines Per Højholt.

Thomas Seiler[4]

Am bekanntesten wurde Dan Turèll mit seiner Kriminalreihe um einen namenlosen Journalisten, den er, beeinflusst von Raymond Chandler, wie eine Figur des angloamerikanischen Hardboiled detective agieren lässt. Es ist keine fortlaufende Serie; die zwölf Bücher können in beliebiger Reihenfolge gelesen werden. Bereits mit seinem ersten Band Mord i mørket (Mord im Dunkeln, 1981) hatte er großen Erfolg; das Buch wurde 1986 (unter anderen mit Ove Sprogøe) verfilmt. Im selben Jahr erschien bereits sein zweiter Roman mit dem Titel Mord i Rodby (Mord in Rodby). Die Handlung des ersten Falls spielt im heruntergekommenen Kopenhagener Vesterbro-Milieu, im zweiten klärt der Journalist nun eine Mordserie in einer dänischen Provinzstadt auf. Unter dem Titel „Mord im Paradies“ wurde auch dieser Roman verfilmt (unter anderen mit Morten Grunwald), hatte aber weniger Erfolg.[5] Die Reihe ist durchsetzt mit Kritik am Wohlfahrtsstaat Dänemark und nicht ohne Humor verfasst, die Handlung aber manchmal unlogisch.[6]

Als Schriftsteller schrieb Turèll sowohl in Dänisch als auch in Englisch; seine Werke wurden unter anderem ins Französische, Deutsche, Niederländische und Schwedische übersetzt. Er verstand es meisterhaft, auf Lyrikfestivals seine Gedichte zu rezitieren. Seit 1994 wird jährlich an seinem Geburtstag der „Dan Turèll Preis“ verliehen. Turèll erhielt einige Auszeichnungen, unter anderen 1981 den Ikea-Preis, 1983 „De gyldne håndjern“ (Die goldenen Handschellen) und 1991 für die Serie um seinen namenlosen Detektiv „Det danske Kriminalakademis diplom“.

Dan Turèlls Grab auf dem Kopenhagener Assistens-Friedhof

Turèll war zweimal verheiratet. Er starb an Krebs und wurde auf dem Kopenhagener Assistens-Friedhof[7] beigesetzt. Er hinterließ ein umfangreiches Œuvre, von dem manches erst nach seinem Tod veröffentlicht wurde.

Veröffentlichungen

Dänische Originalausgaben (Auswahl)

  • 1973: Onkel Danny's dadaistiske disc-jockey djellaba jazzjungle joysticks (Gedichte)
  • 1974: Another Draft of Space Cantos (Lyrik)
  • 1974: Karma Cowboy (Lyrik)
  • 1974: Onkel Danny's deliristiske jukebox jitterbug (Lyrik)
  • 1975: Vangede Billeder (Lyrik)
  • 1975: $torebror $am (Autobiografie)
  • 1976: Drive-in digte (Gedichte)
  • 1976: Nytår i Rom (Lyrik)
  • 1976: Onkel Danny fortæller (Erinnerungen)
  • 1977: 3-D digte (Gedichte)
  • 1977: Storby-Blues (Lyrik)
  • 1978: Onkel Danny's små sitrende skinnende svirrende swingende saxsoli sæbeboble-sange (Lyrik)
  • 1979: Onkel Danny's rullende rallende regnvejrs ragtime rhapsodi (Lyrik)
  • 1981: Mord i mørket, (Roman)
  • 1981: Mord i Rodby (Roman)
  • 1982: Onkel Danny fortæller på talløse opfordringer (Erinnerungen)
  • 1983: Alhambra Blues (Lyrik)
  • 1983: Mord ved Runddelen (Roman)
  • 1984: Kom forbi (Lyrik)
  • 1987: Mord i rendestenen (Roman)
  • 1988: Blues for Buddha (Prosa)
  • 1988: Mord på medierne (Roman)
  • 1989: As Time Goes By... Klip fra den fortsatte scrap-bog (Essays)
  • 1989: Forklædt til genkendelighed. Sange, digte & recitationer
  • 1990: Mord i San Francisco (Roman)
  • 1992: Dét døgn, da... (Roman)
  • 1992: Gud & Gokke. Digte 1991-1992
  • 1993: Tja-a Cha-Cha (Lyrik)

Deutschsprachige Veröffentlichungen

Literatur

  • Peder Bundgaard: Superdan. Et portræt af Dan Turèll. Borgen, Kopenhagen 1999, ISBN 87-21-00115-4
  • Danske digtere i det 20. århundrede. Band 3. Gyldendal, Kopenhagen 2000, ISBN 978-87-12-03301-1
  • Jürg Glauser (Redaktion): Skandinavische Literaturgeschichte. Metzler, Stuttgart 2006, ISBN 3-476-01973-X
  • Bo Tao Michaëlis: Dan Turèll. In: Forfatterweb, 1996
  • Gunnar Staalesen: Dan Turèll - en mørk musikant. In: Dagbladet vom 6. Oktober 1987
  • Gunnar Staalesen Ved Dan Turèlls død – en norsk kollega hilser. In: Politiken vom 22. Oktober 1993
  • Ebbe Volquardsen: Dan Turèlls „Mord“-Serie. In: Kritik am Wohlfahrtsstaat als Schlüssel zum Erfolg des skandinavischen Kriminalromans. Humboldt-Universität zu Berlin 2004, ISBN 978-3-638-39188-7

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Gunnar Staalesen: Dan Turèll - en mørk musikant
  2. Skandinavische Literaturgeschichte. Stuttgart 2006
  3. Dan Turèll: Ezra Pound/William S. Burroughs/Lou Reed. 3 medie-montager. Swing, Kopenhagen 1975, ISBN 87-980226-7-9 und weitere 5 Bände
  4. Spiel mit Diskursen und Gattungen. In: Skandinavische Literaturgeschichte. Metzler, Stuttgart 2006, ISBN 3-476-01973-X, S. 315
  5. [1] Internetaufruf am 13. August 2011
  6. Gunnar Staalesen: Dan Turèll - en mørk musikant.
  7. [2] Internetaufruf am 13. August 2011

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