Eisenbahnunfall von Tangiwai

Eisenbahnunfall von Tangiwai
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Der Eisenbahnunfall von Tangiwa (englisch: Tangiwai disaster) am Weihnachtsabend 1953 war der größte Eisenbahnunfall in der Geschichte Neuseelands. Er übertraf damit die Auswirkungen des Eisenbahnunglücks in Hyde, das im Juni 1943 die bis heute zweithöchste Anzahl an Menschenleben forderte.

Inhaltsverzeichnis

Unfallhergang

Die heutige Brücke des State Highway unweit der damaligen Unglücksstelle über den Whangaehu River nahe der Ortschaft Tangiwai

Der Unfall ereignete sich am 24. Dezember 1953 gegen 22:21 Uhr, als der Nachtexpress von Wellington nach Auckland auf der Hauptstrecke der Nordinsel die Tangiwai-Eisenbahnbrücke passierte, die wenige Minuten zuvor durch einen Lahar, eine vulkanische Schlammlawine des Vulkans Mount Ruapehu, schwer beschädigt worden war.

Die Dampflokomotive 949 der KA-Klasse hatte die andere Seite fast erreicht, als ein Großteil der Brücke unter der Last des Zuges nachgab. Die Lok, der Schlepptender sowie alle fünf Waggons der zweiten Klasse stürzten in den Whangaehu River und wurden dabei zerstört bzw. von den Fluten mitgerissen. Aus diesen Wagen konnten sich nur wenige Menschen retten.

Die vier Waggons der ersten Klasse, der Dienstwagen und ein Postwagen verblieben auf der Strecke, der vorderste Personenwaggon befand sich jedoch auf der Kippe an der Abbruchkante. Ein mit dem Auto vorbeifahrender Augenzeuge und der Schaffner aus dem Begleitwagen eilten den Menschen in diesem Waggon zu Hilfe, der kurz darauf jedoch auch in die Tiefe stürzte. Obwohl der Wagen ebenfalls ein Stück flussabwärts trieb, gelang es den beiden, fast alle Passagiere durch die zerborstenen Fenster zu befreien, nur ein eingeklemmtes Mädchen ertrank.

Auswirkungen

Die Hilfskräfte fanden ein Bild der Verwüstung vor, als sie an der Unglücksstelle eintrafen. Aus der Rettungsmaßnahme wurde schnell eine Bergungsaktion. Von den 285 Reisenden überlebten 134 die Katastrophe, 151 kamen zu Tode. Unter den Opfern befanden sich 148 Passagiere der zweiten Klasse (nur 28 der insgesamt 176 überlebten), das Mädchen aus der ersten Klasse, der Lokführer und der Heizer.

Einige Leichen wurden erst Tage später entlang des Flusses in größerer Entfernung entdeckt, 20 Personen blieben trotz intensiver Suche in den Trümmern des Zuges und im Schlamm des Lahar unauffindbar. Es wird angenommen, dass die Vermissten bis zur Mündung des Whangaehu etwa 130 Kilometer weiter südlich und von da in die Tasmansee getragen wurden. Die Identifizierung der Toten gestaltete sich schwierig und blieb in mehreren Fällen erfolglos.

Untersuchung

Zur Sicherung der Brücke waren rund um die Stützen mehrere Tonnen schwere Betonblöcke platziert, der Raum zwischen den Betonblöcken und den Pfeilern war mit Bruchsteinen aufgefüllt. Der Gewalt des Lahar hielt diese Sicherung jedoch nicht stand. Die eingesetzte Untersuchungskommission für das Unglück fand Beweise, dass die Stabilität der Brücke und besonders die des mittleren Pfeilers bereits durch frühere Flutwellen (unter anderem aus dem Jahre 1925) beeinträchtigt war.

Ursachen

Die Schlammlawine war durch den Zusammenbruch eines Damms aus vulkanischer Asche ausgelöst worden, der den Ausfluss aus dem Kratersee auf der Spitze des Mount Ruapehu zuvor behindert hatte. Als der Damm einstürzte, floss das Wasser des Kratersees in einer großen Welle talwärts, die sich auf ihrem Weg mit Asche, Schlamm und Geröll mischte. Bis zu dem Unglück war das Risiko eines solchen Lahars am Mount Ruapehu nur von wenigen Wissenschaftlern erkannt worden.

Vorbeugung

Als Konsequenz wurde durch das New Zealand Railways Department ein Lahar-Warnsystem zur Überwachung der Wasserstände der Flüsse installiert. Auch das Signalsystem wurde in der Folge umfangreich modernisiert und man baute Überwachungsfunktionen ein, die bei einer Unterbrechung der Gleise sofort eine Warnung übermitteln.

Weblinks und Quellen


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