Franz Hunglinger

Franz Hunglinger

Franz Seaph Hans Hunglinger (* 6. Februar 1883 in Passau; † 1944) war ein deutscher Polizeibeamter.

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Leben und Wirken

Hunglinger wuchs als Sohn eines Justizrates in Passau auf. In seiner Jugend besuchte er drei Jahre lang das Gymnasium und sechs Jahre das Kadettenkorps, um dann die Offizierslaufbahn einzuschlagen: 1903 wurde er zum Leutnant, 1911 zum Oberleutnant und 1915 zum Rittmeister befördert.

1914, bei Beginn des Ersten Weltkrieges, kam Hunglinger zum Stab der 1. Bayerischen Infanterie-Division. 1919 wurde er in den Polizeidienst aufgenommen und zur Stadtkommandantur München versetzt. 1920 wurde er zum Polizeimajor im bayerischen Generalstaatskommissariat ernannt. In den folgenden Jahren spielte er als Adjutant des bayerischen Polizeichefs Hans von Seißer eine wichtige Rolle innerhalb der konservativ-restaurativen Pläne um den bayerischen Generalstaatskommissar Gustav von Kahr.

Am 8 und 9. November 1923 spielte Hunglinger eine wichtige Rolle bei den Ereignissen um den Hitler-Putsch in München: Am Abend des 8. Novembers nutzte Hitler die Gelegenheit einer öffentlichen Versammlung unter dem Vorsitz Kahrs im Münchener Bürgerbräukeller, um zur nationalen Revolution und zur bewaffneten Umsturz der Berliner Regierung aufzurufen. Zu diesem Zweck übernahm er mit bewaffneten Anhängern die Kontrolle über die Versammlung im Bürgerbräu. Hunglingers Rolle an diesem Abend fand später immer wieder starke Beachtung in Berichten und Betrachtungen des Novemberputsches: So war er der einzige Teilnehmer der Versammlung im Bürgerbräukeller, der sich Hitler in den Weg stellte, als dieser sich anschickte, die Leitung der Versammlung zu übernehmen. Hitler konnte Hunglinger erst mit Hilfe seiner Waffe und einiger seiner Anhänger aus dem Weg schaffen. Vor dem Münchener Volksgericht sagte er 1924 hierzu aus:

„Ich darf vielleicht feststellen, daß es sich bei dem Herrn, der von mir mit der Pistole bedroht wurde, um den Major Hunglinger handelt. Er tat die Hände in die Tasche, und da mußte ich denken, er wolle auf mich schießen. Da habe ich ihm selbst die Pistole an die Brust gesetzt.“

Im weiteren Verlauf des Abends wurde Hunglinger in die Verhandlungen des Generalstaatskommissars Kahr, des Generals Lossow und seines Vorgesetzten Seißer auf der einen Seite und der Putschisten auf der anderen Seite einbezogen. Auf Aufforderung von Erich Ludendorff sollte er auf Kahr einreden, sich dem Putsch anzuschließen. Im weiteren Verlauf der Nacht gelang es ihm schließlich, den Bürgerbräukeller zusammen mit Kahr und Seißer zu verlassen, und die Niederschlagung des Putsches am 9. November 1923 zu organisieren.

Im April 1924 nahm Hunglinger als Zeuge am Münchener Hitler-Prozess teil. Bei dieser Gelegenheit äußerte sich Hitler über ihn, im Gegensatz zu seinen drei Vorgesetzten - für die er aufgrund ihres angeblichen Wortbruches, sich seinem Putsch anzuschließen und dies dann doch nicht zu tun, nur Geringschätzung übrig hatte - anerkennend über ihn:

Später habe ich meinen anderen Herren gesagt: Das ist der einzige Offizier, vor dem ich Respekt habe. Ich habe weiter gesagt, vor den anderen hatte ich keinen Respekt hatten jämmerlich getan, um dann zum Schlusse ihr Wort zu brechen. Das war der einzige Offizier, vor dem ich Respekt habe, weil er sich mir gegenübergestellt hat.[1]

Nach dem Ende des Prozesses setzte Hunglinger seine Laufbahn in der Polizei noch knapp neun Jahre fort. 1931 erreichte er den Rang eines Polizeioberstleutnants, bevor er am 21. April 1933, wenige Wochen nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten, auf eigenen Wunsch als Polizeioberst a.D. in den Ruhestand versetzt wurde.

Nach Hunglingers Rückzug aus der Öffentlichkeit kam das Gerücht auf, dass er kurz nach der Errichtung des NS-Systems ermordet worden sei. Dies war eine Fehlinformation, die, soweit feststellbar erstmals im sogenannten Braunbuch verbreitet wurde[2] und die sich anschließend als hartnäckiger Wanderfehler in der Literatur festsetzte. So meinte z.B. noch Joachim Fest in seiner Hitler-Biografie, dass Hunglinger 1933 umgebracht worden sei, als er ihn neben Ali Höhler, Erik Jan Hanussen und Erhard Heiden in den Kreis jener Personen einreihte, die die Nationalsozialisten in diesem Jahr zur Begleichung alter Rechnungen getötet hätten.[3]

Im weiteren Verlauf der NS-Zeit betätigte Hunglinger sich innerhalb eines antinazistischen Zirkels um den ehemaligen bayerischen Kronprinzen Rupprecht, der später in der sogenannten Sperr-Gruppe um den ehemaligen Staatsminister Franz Sperr aufging. In der Gruppe, die sich in den Wohnungen Sperrs, des ehemaligen Reichwehrministers Otto Gessler und von Rupprechts ehemaligen Kabinettschef Franz von Redwitz traf, erfolgte die Verständigung der Mitglieder untereinander, Wagner zufolge, allein über Hungliger.[4]

Literatur

  • Das K. B. 8. Chevauleger-Regiment, 1938.

Einzelnachweise

  1. Max Domarus [Hrsg.]: Reden, Schriften, Anordnungen: Februar 1925 bis Januar 1933, 1992, S. 500.
  2. Braunbuch über Reichstagsbrand und Hitler-Terror. Das Original-Braunbuch von 1933, 1973, S. 300.
  3. Joachim Fest: Hitler, 2002, S. 837.
  4. Christoph Wagner: Entwicklung, Herrschaft und Untergang der nationalsozialistischen Bewegung, S 514.

Weblinks


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